Ethisch und ökologisch Die alternativen Banken

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.

Grünes Geld? Ethisch-ökologische Banken bieten ihren Kunden ein gutes Gewissen. So funktionieren sie.

 

München - Viele Deutsche kaufen Ökoprodukte, greifen zum Fair-Trade-Kaffee oder spenden für Bedürftige. Ihr Geld tragen sie allerdings zu einer konventionellen Bank – sei’s, weil sie nicht wissen, was für Geschäfte damit gemacht werden oder weil sie keine Alternative kennen. Doch die gibt es auch im Finanzsektor: die ethisch-ökologischen Banken.

Denn die konventionellen Banken stehen immer wieder in der Kritik: Die Deutsche Bank betreibt riskante spekulative Finanzgeschäfte und investiert in fragwürdige Unternehmen. Deutsche Finanzdienstleister unterhalten Geschäftsbeziehungen zu Herstellern von tödlichen Streubomben – und das in Höhe von fast 1,6 Milliarden Euro. Ebenso geben sie Geld für Atomwaffen und umweltschädliche Kohlekraftwerke, arbeiten mit Staaten, die Menschenrechte verletzten.

Solche Investitionen schließen die ethisch-ökologischen Banken aus. Kein Geld gibt es unter anderem für die Atomindustrie, Unternehmen, die Umweltverschmutzung zulassen, Gentechnik, Rüstungsindustrie, Kinderarbeit oder Betriebe, die Menschenrechte missachten. Die GLS Bank und die Bank für Kirche und Diakonie haben auch Pornographie und Embryonenforschung auf ihrer Negativ-Liste.

„Diese Banken haben sich einen Schwerpunkt gesetzt, was sie mit den Kundengeldern machen. Sie unterstützen beispielsweise Biobauernhöfe, Windkraftanlagen oder Schulen“, erklärt Volker Weber, der Vorsitzende vom Forum Nachhaltige Geldanlagen.

Vom Kredit bis zum Fonds wird alles einer qualitativen und ethischen Überprüfung unterzogen. Dabei greifen die Banken auf die Erkenntnisse von Ratingagenturen zurück, die sich darauf spezialisiert haben, Unternehmen und Staaten auf deren Nachhaltigkeit zu prüfen. Auch im Kleinen wirkt sich das aus: Ein Landwirt, der eine Solaranlage bauen möchte, erhält bei den Ökobanken keinen Kredit, wenn er einen Hof mit Massentierhaltung betreibt. Dafür bekommt eine Familie die Finanzierung für den ökologischen Umbau ihres Hauses zu günstigen Konditionen.

Diese Banken leihen Geld, um gezielt ökologische oder soziale Projekte zu fördern. Oder sie legen es nach ihren Anlagekriterien am Kapitalmarkt an, indem sie Anleihen oder Aktien kaufen. Das Geld ist bei den ethisch-ökologischen Banken genauso sicher wie bei herkömmlichen, da sie über ihre genossenschaftliche Organisation abgesichert sind. Wo sie investieren, wird von den Banken im Internet oder ihren eigenen Zeitschriften veröffentlicht.

Allerdings gibt es noch nicht viele Ökobanken: Die Triodosbank und die Umweltbank bieten nur Geldanlagen. Bei der GLS-Bank, der KD-Bank und der Ethikbank kann man auch ein Girokonto eröffnen. Kunden der letztgenannten drei Banken können gebührenfrei an den 19200 Geldautomaten der Volks- und Raiffeisenbanken Cash abheben.

„Die Ökobanken verzeichnen deutliche Zuwächse, etwa 15 bis 20 Prozent, was das Geschäftsvolumen betrifft. Allerdings liegt ihr Marktanteil nur bei rund einem Prozent“, sagt Volker Weber. Die Unterschiede bei den Zinssätzen zu konventionellen Banken sind seiner Meinung nach marginal: „Wir haben ja auch regionale Unterschiede im Zinsniveau.“ Laut Stiftung Warentest sind die Zinsen durchaus in Ordnung, reichen aber nicht an die Spitzenangebote konventioneller Banken heran.

 

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