"Es war eine Zumutung" MVG-Streik in München - Darüber wird sich gestritten

Mehr Geld für gleiche Arbeit: Verdi wirft der MVG vor, jüngere Mitarbeiter schlecht zu bezahlen. Foto: Tobias Hase/dpa

MVG-Streik am Dienstag in München. Verdi will mehr Lohn für Bus- und Bahnfahrer durchsetzen. Die MVG ist von dem kompletten Ausstand überrascht. Sie sieht "keinen Dissens".

 

München - Stoßdämpfer an Stoßdämpfer, Schutzblech an Schutzblech stockt der Berufsverkehr durch die Straßen. Mit Start um 3.30 Uhr in der Früh hat die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) die Fahrer der MVG am Dienstag zum Warnstreik aufgerufen. Sie fordert mehr Lohn für die Beschäftigten – mindestens 200 Euro monatlich, mit einer Laufzeit von 14 Monaten. Die AZ erklärt den Konflikt.

Bei diesem Ausstand geht es nicht nur ums Geld. Grund ist ein hausinterner Konflikt. Seit 2011 stellen die Verkehrsbetriebe neue Kräfte bei der MVG an. Etwa 500 der 1.800 Mitarbeiter, die sogenannten Alt-Beschäftigten, haben noch Verträge mit der MVG-Mutter Stadtwerke und werden besser bezahlt. Sie sind im Tarifvertrag Nahverkehr eingruppiert, der für alle bayerischen kommunalen Verkehrsbetriebe gilt.

Warnstreik: MVG will mehr Geld geben als Verdi fordert

Ein Busfahrer aus Bamberg verdiene Verdi zufolge mehr als einer der 1.300 jüngeren MVG-Fahrer im teuren München.

"Deshalb ist es wahrlich nicht zu viel verlangt, wenn wir 200 Euro mehr fordern", sagt Verdi-Verhandlungsführer Franz Schütz.

Die MVG-Geschäftsführung reagiert verärgert. "Was wir heute erlebt haben, ist eine Zumutung", sagt Werner Albrecht. Die Streikwarnung habe alle überrascht, denn eigentlich gebe es in den Verhandlungen "keinen Dissens". "Es ist eine abstruse Situation, denn wir wollen mehr Geld geben als Verdi fordert", sagt MVG-Chef Ingo Wortmann.

Demnach hätte die MVG vorgeschlagen, das Gehalt der Betroffenen in drei Schritten zu erhöhen – schlussendlich um zwölf Prozent. Bei einem Grundgehalt von 2.048 Euro brutto für einen Fahrer entspricht das etwa 290 Euro im Monat. Zudem sollen Mitarbeiter entscheiden können, ob sie die Lohnerhöhung in freie Tage umwandeln wollen. Auch die Sonderzahlungen sollen erhöht und unter dem Stichwort "Entwicklungslandschaft" Weiterbildungen in neuen Entgeltgruppen berücksichtigt werden. "Wir wollen einen modernen Tarifvertrag und keine Zwei-Klassen-Mitarbeiter", sagt Werner Albrecht.

Streitpunkt ist die Laufzeit

Warum sind die Verhandlungsparteien dann noch uneins? An der Laufzeit der Verträge entzündet sich der Streit. Die Gewerkschafter fordern eine Laufzeit von 14 Monaten, die MVG bittet sich Planungssicherheit aus. Sie beharrt auf einer Dauer von 30 Monaten. "Wir wollen nicht nächstes Jahr wieder in der gleichen Situation sein", sagt Albrecht. Der Streit werde schließlich auf dem Rücken der Fahrgäste ausgetragen.

Der Verband "Aktion Münchner Fahrgäste" übt Kritik. "Bei noch laufenden Gesprächen erscheint uns ein solcher Komplettstreik als unverhältnismäßig", sagt Sprecher Stefan Hofmeir. Heute wollen sich die Verkehrsbetriebe und Verdi gegen Nachmittag zum dritten Mal an den Verhandlungstisch setzen. Wenigstens die MVG rechnet mit einem positiven Ergebnis. Und wenn nicht, dann kämen sie eben zu einer vierten Runde zusammen, so Albrecht, dann "aber hoffentlich ohne Streik".

Lesen Sie hier: AZ-Kommentar zum MVG-Warnstreik

Lesen Sie hier: Olympiapark - Bus ohne Fahrer in München kommt!

 

7 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihre Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading