Es ist vollbracht! So endet die lange Jagd auf Kuh Yvonne

Es ist vollbracht: Kuh Yvonne wurde eingefangen und lebt nun auf dem Gnadenhof Gut Aiderbichl. Klicken Sie für Yvonnes wilden Finalkampf und alle Bilder ihres langen Versteckspiels. Foto: AZ/fib/Eß/dpa/Andreas Gebert/dapd/Sebastian Widmann

Die lange Jagd auf Kuh Yvonne hat ein Ende: Nach fast vier Monaten stellte sich die ausgebüxte Kuh freiwillig - allerdings erst nach einem letzten, wilden Kampf. Ihre ganze Geschichte und alle Bilder.

 

Stefanskirchen - Nach fast vier Monaten hat das Einsiedler-Dasein für Kuh Yvonne ein Ende. Monatelang war sie erfolgreich auf der Flucht - nun ist die Kuh Yvonne auf dem Weg zum Gnadenhof Gut Aiderbichl. Dort hatte man ihr schon einen Stall eingerichtet, kurz nachdem sie im Mai von einem Schlachthof entkommen war. Dass ihr "Freigang" sich so lange hinziehen würde, damit hat niemand gerechnet.

Doch Yvonne verstand es geschickt, den Tierschützern immer wieder zu entwischen. Zwar zeigte sie sich regelmäßig vor den Kameras, graste auch immer wieder außerhalb des Waldstücks auf den umliegenden Wiesen. Doch zu fassen war das ausgebüxte Tier nicht.

Zunächst sprach nichts dagegen, die Kuh einfach in ihrem Wald zu lassen. Doch kurz darauf lief sie einem Auto vor die Räder, bei dem es sich zu ihrem Pech auch noch um einen Polizeiwagen handelte. Die Beamten konnten zwar einen Unfall verhindern, doch von diesem Moment an stand fest: Kuh Yvonne ist eine Gefahr, die nicht einfach ungehindert durch die Wälder streifen darf. Und so versuchte man zunächst, sie mit Futter zu locken. Der Gutsverwalter des österreichischen Tiergnadenhofs, Hans Wintersteller, hatte bei den ersten Einfangversuchen ein einfaches Lasso dabei, mit dem er Yvonne schnappen wollte.

Die Kuh, das Reh

Doch die Kuh war viel geschickter: Immer wieder zeigte sie sich, einem Köder gleich, den Tierschützern, nur um dann ungeschoren wieder im Wald zu verschwinden. Sogar der Vergleich mit einem Reh kam auf, da sich Yvonne zurückgezogen und scheu im Wald aufhielt und vor allem in den Morgenstunden und abends nach Anbruch der Dunkelheit zum weiden herauskam. Nachtsicht-Kameras bekamen sie immer wieder zu fassen - die Retter dagegen nicht.

Also wurden größere Geschütze aufgefahren: Zunächst wurde ihre Schwester Waltraud aus Österreich herbeigeschafft, um Yvonne anzulocken. Dazu gesellte sich noch Waltrauds Adoptivkälbchen Waldi. Und, siehe da: Yvonne ließ sich ködern! Sie besuchte Waltraud mehrmals. Das einzige Problem: Es gelang ihr jedes Mal, sich rechtzeitig vor dem Eintreffen der Tierschützer wieder in den Wald zurück zu ziehen. Ein ähnliches Szenario bot sich dem Ochsen Ernst, der ebenfalls aus Österreich herangekarrt wurde. Auf dem Gut Aiderbichl gilt das Prachttier als wahrer "Frauenschwarm". Auch Yvonne ließ sich von Ernsts Charme betören. Doch einfangen ließ sie sich dabei noch lange nicht!

Immer wieder gelang es den Suchtrupps zwar, sie mit Betäubungspfeilen zu treffen. Aber Yvonne wollte sich schlichtweg nicht fangen lassen und verschwand - samt Betäubungspfeil - immer rechtzeitig vor dem Wirken der Spritze im Wald. Bis die Narkose dort dann wieder nachließ, konnte ihr kein Retter auf die Schliche kommen. Um das Bellen eines speziell trainierten Dackels lachte sich Yvonne in ihrem Waldstück wohl auch nur kaputt - aus dem Dickicht hinausjagen konnte der kleine Kläffer sie jedenfalls auch nicht.

Kuh Yvonne - der internationale Medienstar

Mittlerweile hatte Kuh Yvonne bereits internationale Berühmtheit erlangt. Sogar die New York Times berichtete von dem ausgefuchsten Tier - und verglich sie sogar mit David Hasselhoff: Genau wie er (und auch genau wie Opossum Heidi) sei Yvonne in Deutschland noch viel "erfolgreicher" als in ihrem Heimatland (Österreich). Auf einen Kuh-Beitrag der tschechischen Zeitung „Dnes“ kommentierte ein Leser mitfühlend: „Yvonne, wir drücken dir Daumen und Hufe, dass sie dich nicht fangen! Genieß die Freiheit, so lang es nur geht.“. Die türkische  "Hürriyet" ging etwas sachlicher an die Kuh-Story heran und erklärte: „Die Liebe wird leben oder erschossen". Yvonne sei in Deutschland auf der Fahndungsliste ganz oben, hieß es weiter. Der spanische Fernsehsender Telecinco ist dagegen völlig begeistert von der "Kuh, die ihren Weg geht". Auf seiner Homepage schreibt der Sender: „Yvonne ist keine Kuh wie jede andere, sie ist eine echte Ausbrecherin.“

Und nachdem die "echte Ausbrecherin" in ihrem Waldstück auch Futterfallen immer wieder erfolgreich vermieden hatte, kamen die Retter auf die Idee, Yvonne einfach in Ruhe zu lassen - sie würde sich schon von allein zeigen.

Ein letzter, wilder Finalkampf

Genauso kam es dann auch. Am Donnerstag erschien Yvonne ganz von allein auf einer Weide bei Stefanskirchen im oberbayerischen Landkreis Mühldorf am Inn. Dort gesellte sie sich friedlich unter ihre Artgenossen, wohl froh, wieder Gesellschaft zu haben. Am Freitagmorgen wurde ihr diese Geselligkeit zum Verhängnis:  Mithilfe des ehemaligen Direktors des Münchner Tierparks Hellabrunn, Henning Wiesner,  wurde Yvonne betäubt und in einen Tiertransporter verladen. Zwei Schüsse aus dem Blasrohr waren nötig um die Kuh, die es sich im letzten Moment noch einmal anders überlegt zu haben schien, ruhig zu stellen.

Zuvor lieferte sie sich mit den Tierschützern jedoch einen letzten, wilden Finalkampf, der ihrer monatelangen Flucht durchaus angemessen war.

Nun ist es also ausgestanden, Kuh Yvonne fährt ihrem neuen Leben entgegen. Gegen 10.00 Uhr wurde sie auf dem Gut in Deggendorf erwartet. Auf Gut Aiderbichl soll die Yvonne nun mit ihrem Sohn Friesi ihren Lebensabend verbringen. Nach so einem großen Abenteuer ist das für Yvonne bestimmt eine erholsame Perspektive.

 

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