"Es ist einfach so abgesprochen" TSV 1860: Wie Elfer-Killer Hiller mit der Reservisten-Rolle umgeht

Marco Hiller durfte sich nach dem Sieg über Unterhaching von den Fans feiern lassen. Foto: imago images / Oryk HAIST

Was für ein Abend für Marco Hiller! Der zweite Torwart der Löwen avanciert im Toto-Pokal gegen Unterhaching zum Matchwinner. "Müssen ihn auf Händen tragen", sagt Owusu. Doch auch das wird ihn nicht vor der Bank bewahren.

 

München - Nach getaner Arbeit baute er sich vor der TV-Sponsorenwand auf, um seine Heldentaten in Worte zu fassen. Da skandierten die Sechzger-Fans in der und um die Westkurve: "Hiller auf den Zaun!" So wurde Marco Hiller zum Zaunkönig der Löwen.

Hiller, der 22 Jahre alte Schlussmann des TSV 1860, hatte sich mit dem Totopokal-Viertelfinale am Freitagabend gegen die Spielvereinigung Unterhaching ein ganz besonderes Spiel auserkoren, um zum Matchwinner zu werden. Der Aufstiegsheld parierte im Derby gegen die Hachinger gleich drei Strafstöße und war der Garant dafür, dass der TSV beim 4:3 nach Elfmeterschießen (1:1 nach 90 Minuten) noch vom Cup-Sieg – gleichbedeutend mit dem lukrativen Einzug in den DFB-Pokal – träumen darf.

"Ich war nicht an jedem Ball dran, aber zumindest war ich immer in der richtigen Ecke. Am Ende hat es für drei Elfer gereicht, das waren zum Glück genug", sagte Hiller hinterher stolz und mit einem fetten Grinsen im Gesicht: "Ich freue mich, dass ich im Elfmeterschießen meinen Teil dazu beitragen kann, dass wir weiterkommen." Einen sehr gewichtigen Teil in drei Akten – inklusive AZ-Note 1.

Ganz Giesing feiert Elfer-Held Hiller

Doch damit nicht genug: Der junge Mann, der beim FC Grün-Weiß Gröbenzell das Fußballspielen begann, und trotz junger Jahre schon seit 2008 bei den Sechzgern ist, bestieg nach dem Schlusspfiff, den ersten Jubelarien und dem Interview den Zaun. Nicht fehlen durfte der klassischen Fangesang "Humba Täterä", den Hiller mittels Megafon anstimmen musste – respektive durfte.

"Unglaublich", schwärmte er danach von diesem, von seinem Moment. Und fasste etwas allgemeiner über den Triumph gegen Haching mitsamt seinen Kollegen zusammen: "Ein Derby vor dieser Kulisse – etwas Schöneres gibt’s nicht. Es war ein schöner Abend für uns alle, das haben wir uns verdient."

In den Katakomben wurde der Mann des Abends ebenfalls geherzt und gefeiert: Von Busfahrer Schorsch über Betreuer und Ordner wurde Hiller abgeklatscht, bejubelt und umarmt – bis hin zur Moni: "Hiller, Hiller, Elfer-Killer" sang die Funktionärin, im Grünwalder Stadion für das Catering zuständig und einst bei Kult-Wirtin Christl Estermann Bedienung im Löwen-Stüberl, vergnügt.

Auf Hiller wartet der Bank-Alltag beim TSV 1860

Vom Protagonisten des Abends gab es dafür ein dankbares Lächeln. Kollege und Torschütze Prince Owusu empfahl über Sechzigs Rückhalt, der gleich drei Mal seine Hände entscheidend im Spiel hatte: "Wir müssen ihn eine Woche auf Händen tragen."

Hiller selbst war hinterher schnell bei einem Thema angelangt, das zu seinem Leidwesen mitschwang: "Die meisten Spiele sehe ich ja von der Bank aus, da tut so ein Spiel natürlich gut." Bekanntlich ist es Konkurrent Hendrik Bonmann, der Hiller seinen Platz als Nummer eins der Sechzger erfolgreich streitig gemacht hat.

Trainer Daniel Bierofka setzt auf den 25-jährigen Essener mit BVB-Vergangenheit, weil der 1860-Coach in ihm den kompletteren Torhüter sieht. "Es ist einfach so abgesprochen", erklärt Hiller über seine Reservistenrolle, obwohl er sich freilich eine andere Absprache wünschen würde: "Ich weiß, dass ich nur im Pokal spielen darf, das muss ich so akzeptieren. Ich gebe im Spiel und im Training alles, mehr kann ich nicht tun."

Und so bleibt Hiller vorerst nur, seine Pokal-Show als Bewerbung für den Liga-Alltag zu hinterlassen. Bierofka registrierte es dankbar. "Marco weiß, dass er Elfer halten kann", sagte der 40-Jährige: "Mich freut es für ihn, dass er zum Helden avanciert ist in diesem Spiel." Auch, wenn Sechzigs Elfmeterkiller in der Rolle des Herausforderers bleibt: Diesen Abend kann ihm niemand mehr nehmen – und auf dem angestrebten Weg in den DFB-Pokal hat er selbst dafür gesorgt, dass Ende April ein Halbfinale auf ihn und die Giesinger wartet.

Lesen Sie hier: Pokal für TSV 1860 unwichtig? Bierofka stellt Prioritäten klar

 

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