Es herbstelt wieder! Das sind die Gründe für das Tief des FC Bayern

Enttäuschte Bayern nach dem 2:2 gegen Augsburg: Thomas Müller, Javi Martínez und Benjamin Pavard (v.l.). Foto: Stefan Puchner/dpa

Durch das 2:2 in Augsburg ist der schlechteste Saisonstart des FC Bayern seit neun Jahren perfekt. "Charaktertest nicht bestanden", sagt Serge Gnabry. Manuel Neuer sieht ein "Kopfproblem". Die Bosse schweigen lieber.

 

Augsburg/München - Die Nähe zu den Fans tat gut an diesem Sonntagmorgen rund um die Trainingseinheit an der Säbener Straße. Die Profis des FC Bayern gaben am Tag nach dem unnötigen 2:2 beim FC Augsburg ausgiebig Autogramme, posierten für gemeinsame Fotos, ernteten aufmunternde Worte, bekamen Streicheleinheiten für die Seele.

Selten war man bei den Bayern so gefrustet wie nach diesem Remis im bayerischen Derby. Der Ausgleich in der Nachspielzeit durch Alfred Finnbogason kostete die Münchner gegen den Abstiegskandidaten zwei Punkte. Das 1:2 vor der Länderspielpause gegen Hoffenheim war also doch kein Ausrutscher, eher die Bestätigung eines Trends. Erstmals seit November 2018 blieb Bayern zwei Liga-Spiele ohne Sieg, hat nach acht Spieltagen nur vier Erfolge verbucht – der schlechteste Saisonstart seit neun Jahren. Damals stand man mit nur elf Punkten auf Rang zehn.

Die aktuelle Ergebniskrise machte die Bosse im Anschluss an ihren Kabinenbesuch bei der Mannschaft sprachlos. Auf die Frage, ob er für die Journalisten kurz Zeit habe, antwortete Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge: "Ich habe Zeit, aber ich rede nicht." Präsident Uli Hoeneß meinte mit zusammengekniffenen Lippen: "Nein, leider nicht." Beide hetzten durch die Augsburger Arena Richtung Ausgang. Kapitän Manuel Neuer stellte sich und ließ seinem Frust freien Lauf. "Das ist nicht unser Anspruch. Ich will nicht sagen, das war überheblich, aber das war zu lässig. Vielleicht sind wir zu selbstbewusst. Das ist schon ein Kopfproblem. Das ist nicht Bayern-like."

Ursachensuche: Kovac widerspricht Neuer

Harte Worte vom Nationaltorhüter, dem Trainer Niko Kovac widersprach: "Das hat nichts mit Lässigkeit zu tun, sondern mit Konzentration. Mich ärgert maßlos, dass wir in den entscheidenden Situationen nicht so verteidigen, wie ich mir das vorstelle." Und Serge Gnabry, Schütze des 2:1, meinte: "Heute haben wir den Charaktertest nicht bestanden!"

Das zu lasche, zu sorglose Abwehrverhalten wie beim Rückstand durch Marco Richter nach nur 28 Sekunden und beim Ausgleich in der Nachspielzeit sind das eine Manko – noch eklatanter ist die mangelnde Chancenverwertung. Trotz überlegen geführten Spiels. Zwar trafen Robert Lewandowski - natürlich! - und Serge Gnabry. Doch die Tore entstanden weitestgehend aus Einzelaktionen, kurzen spielerischen Lichtblicken.

Auch im 16. Monat seiner Amtszeit ist eine Spielphilosophie bei Kovac nicht zu erkennen. Dominanz und Konstanz sind beim Serien-Meister abhandengekommen, die Überlegenheit ist meist nur optisch.

Dazu kommt die Anfälligkeit in der Abwehr (15 Gegentore in zwölf Pflichtspielen), man bringt zu oft einen Vorsprung nicht über die Zeit. Nun fällt auch Abwehrchef Niklas Süle nach seinem Kreuzbandriss über Monate aus, wenn nicht sogar bis zum Saisonende.

Müller wieder nur auf der Bank

Um seine Autorität zu wahren, setzte Kovac Thomas Müller zum sechsten Mal hintereinander auf die Bank. Der Publikumsliebling kam erst nach 80 Minuten für Philippe Coutinho. Viele Beobachter irritierte, dass Kovac "positionstechnisch ein gutes Spiel" seiner Bayern sah. "Ich finde, die Mannschaft, die auf dem Platz war, hat es außerordentlich gut gemacht." Wirklich?

Bayern und Kovac sind mitten in der nächsten Herbst-Krise angekommen, es wird ungemütlich bis stürmisch. Vor einem Jahr hatte man nach acht Spieltagen einen Zähler mehr. Bereits damals wurde Kovacs Spielstil infrage gestellt, im November war er nur eine Niederlage von der Entlassung entfernt. Man riss sich zusammen, Kovac passte sich an. In der national sehr guten Rückrunde (nur eine Niederlage), die in das Double mündete, war ein Fortschritt erkennbar, nun der Rückschlag.

Am Montag reisen die Bayern nach Athen, am Dienstag geht es in der Champions League gegen Olympiakos Piräus. Kategorie Pflichtsieg. Eigentlich. Aber: Es herbstelt wieder.

Lesen Sie hier den AZ-Kommentar: Bayerns Personalpolitik wirft Fragen auf

 

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