Es geht auch ohne Verzicht auf Plastik in der Fastenzeit - Landshuter berichten

Leben ohne Plastik - im Alltag manchmal gar nicht so einfach. Foto: Sebastian Gollnow/dpa (Symbolfoto)

In der Fastenzeit nehmen sich manche vor, weniger Süßes zu essen - es gibt aber auch Menschen, die dem Plastik in ihrem Leben in den nächsten Wochen entsagen wollen. Hier berichten Betroffene aus Landshut von ihrem Alltag.

Landshut - Immer wieder mittwochs bauen sich riesige Mülltütenberge entlang der Straßen auf - dann ist klar: Die Gelben Säcke werden abtransportiert. "23,7 Kilogramm Einweg-Müll produziert jeder Landshuter pro Jahr", erklärt Richard Geiger, Sachgebietsleiter Abfallwirtschaft. Von den rund 24 Kilo sind rund 40 Prozent Plastikverpackungen. Und ein halbes Kilo Kunststoff pro Person kommt beim Wertstoffhof auch noch dazu.

Was Plastik mit Aschermittwoch zu tun hat? Plastikfasten ist das Stichwort. Einige Landshuter sagen dem Plastik den Kampf an und nehmen die Fastenzeit zum Anlass, um mehr oder weniger auf Plastik zu verzichten.

Die Vorzeige-Fastende: "Die Fastenzeit ist eine super Gelegenheit, um auf die ein oder andere Sachen zu verzichten", sagt Anna Kirsten. Die Landshuterin lebt schon seit einem Jahr ohne Alltagsplastik und hat den Blog "Projekt Plastikfrei" ins Leben gerufen, mit dem sie jetzt auch andere zum Mitmachen motivieren möchte. 40 Tage seien ein optimaler Zeitraum, um neue Gewohnheiten auszuprobieren. "Das wirkt dann weniger bedrohlich, als wenn man sich vornimmt, etwas nie mehr zu tun", so die 26-Jährige. "Weil ich mittlerweile vergleichsweise wenig (Einweg-)Plastik benutze, will ich in den nächsten Tagen mal richtig streng mit mir sein und nichts in Plastikverpackungen kaufen", sagt Kirsten. 

Keine Schokolade in der Fastenzeit

Auch Chips oder Lieblingsschokolade seien verboten. Die größte Herausforderung lauere aber im Badezimmer: "Ich spiele gerade mit dem Gedanken, in der Zeit auch keine in Plastik verpackte Schminke zu benutzen. Das wird mir auf jeden Fall richtig schwerfallen, weil es in diesem Bereich kaum etwas ohne Plastik gibt." Ein altes Wimperntuschebürstchen und Mascara aus der Aluminium-Tube sollen vorerst die Lösung sein. Verteufeln möchte Kirsten Plastik aber nicht generell: "Denn es gibt ja auch sinnvolles Plastik, wie zum Beispiel meine Beißschiene für die Nacht." 

Der Normal-Verbraucher: Schon vor einem Jahr hat Stefan Härtl mit seiner Familie in der Fastenzeit auf Plastikverpackungen verzichtet. "Wir haben letztes Jahr einfach verstärkt darauf geachtet und so weit es möglich war, auch auf Plastik verzichtet", sagt Härtl. Seitdem habe sich jedoch viel getan. So seien die meisten Plastiktüten jetzt kostenpflichtig und viele Geschäfte bieten nur noch Papiertüten an. "Manchmal wurde es aber schwierig. Wir kaufen zwar bevorzugt Biowaren ein, aber wenn die Biogurke in Plastik eingeschweißt ist, dann schüttelt man den Kopf." In Landshut könne man ohne Probleme auf die Schwaiger ausweichen und zum Markt eine Tasche mitnehmen und so Plastik sparen.

Für die Härtls ging es in der Fastenzeit nicht darum, komplett auf Plastik zu verzichten, sondern sich den eigenen Plastikkonsum vor Augen zu führen. "Wir merkten schnell, wo die Grenzen sind. Zum Beispiel bei Beeren. Die findet man im Supermarkt nur in Plastikschalen." Während sich der Plastik-Verzicht beim Ehepaar Härtl 2018 auf den Lebensmitteleinkauf beschränkte, haben ihre Kinder den Verzicht konsequenter und langfristiger umgesetzt. „Unsere Tochter und unser Sohn kaufen Seife zum Beispiel gar nicht mehr in Plastikverpackungen."

Die Plastikverweigerin: Ingeborg Heilmeier-Dahme: "Ich war einfach vor Jahren so genervt, dass bei uns ständig der Gelbe Sack übergequollen ist, dass wir damals komplett von Plastik auf Glas umgestiegen sind." Milch, Saft, Joghurt, viele weitere Produkte wurden von heute auf morgen nur noch in Mehrweg-Verpackungen gekauft.

Verzicht auf Mikroplastik

Weil der Gelbe Sack aber immer noch voll war und Heilmeier-Dahme alle drei Wochen drei volle Gelbe Säcke vor die Türe brachte, stellte sie im Herbst 2018 ihr Einkaufverhalten komplett um. "Ich gehe jetzt mit eigenen Gefäßen zum Einkaufen und lasse mir meine Wurst in mitgebrachte Glasbehälter füllen", sagt die Landshuterin. Je kleiner das Geschäft sei, umso einfach sei die Handhabung. "Auch bei den Schwaigern, die bei mir im Westen direkt ums Eck sind, bekomme ich alles ohne Plastikverpackung."

Obwohl die Mutter von vier Kindern schon immer auf die Umwelt geachtet hat, gibt sie zu, dass es auch sie Überwindung kostete, mit eigenen Gefäßen einkaufen zu gehen. "Ich glaube, keiner möchte im Alltag unangenehm auffallen, deshalb habe ich im Geschäft vorab immer ganz unverbindlich gefragt, ob das möglich wäre." Einen Unverpackt-Laden brauche es in Landshut nicht unbedingt, denn mit drei Biomärkten, die unverpackte Lebensmittel anbieten, und den Schwaigern gebe es gute Alternativen zum konventionellen Supermarkt.

Als Expertin sieht sich Heilmeier-Dahme noch lange nicht, denn ganz plastikfrei sei ihr Haushalt nicht. "Für die Fastenzeit habe ich mir vorgenommen, mehr auf Mikroplastik zu achten. Denn das ist wirklich eine versteckte Gefahr, da man dieses Plastik nicht aus der Kläranlage rausbekommt."

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