Erste Filiale in München eröffnet Primark-Chef: "In München kann man gut Geschäfte machen"

Die Preisschilder sind schon da, die Puppen haben aber noch keine Klamotten an: Blick in die Primark-Filiale wenige Tage vor der Eröffnung. Kleines Foto: Deutschland-Chef Wolfgang Krogmann. Foto: Daniel von Loeper

Die Modekette Primark kommt jetzt auch nach München. Im AZ-Interview erklärt deren Chef den Erfolg der Billig-Mode.

München - Am Donnerstag eröffnet in Neuperlach das renovierte Einkaufszentrum Pep wieder seine Türen - mit vielen neuen Geschäften. Eines davon: die Modekette Primark, bei der es Kleidung nur für wenige Euro gibt. Kann man zu diesem Preis fair produzieren? Und warum will die Kette nicht in die Innenstadt? Die AZ hat vorab mit dem Primark-Deutschlandchef Wolfgang Krogmann gesprochen. Krogmann ist seit 2010 Deutschland-Chef bei der irischen Modekette.

AZ: Herr Krogmann, am 17. Mai eröffnet im Pep die erste Primark-Filiale in München. Was können Sie uns schon verraten?
WOLFGANG KROGMANN: Der Store erstreckt sich auf drei Etagen mit etwas über 6000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Wir bieten das volle Sortiment, also Damen, Herren und Kindermode, eine Beauty- und Sportabteilung an. In der Damenabteilung haben wir so etwas wie einen Showroom. Da können ganze Gruppen von Kunden zusammen reingehen. Die sehr große Kinderabteilung ist natürlich auch für Perlach wichtig, da gibt es viele Familien.

Die erste Nachricht, dass Primark nach München kommt, stammt aus dem April 2016. Es hat jetzt also ganz schön gedauert...
Es ist ja auch ein riesen Bauprojekt. Man hat das Center erweitert und damit Platz für uns und andere geschaffen. Insofern ist eine Zeit von der Unterschrift bis zur Eröffnung von zwei, drei Jahren nicht ungewöhnlich.

In München wird oft kritisiert, es gäbe bereits genug Billig-Bekleidungsketten. Fühlen Sie sich willkommen?
Das werden unsere Kunden entscheiden. Unsere Erfahrung: In anderen Städten sind wir von den Kunden immer sehr herzlich aufgenommen worden. Ich denke, das wird in München nicht anders sein.

Was versprechen Sie sich von dem Sprung nach München?
Na ja, das ist der erste Store in Bayern. Bislang. Und dann München. Wir wissen, dass viele Kunden mit dem Auto oder sogar mit gecharterten Bussen bis in Filialen nach Innsbruck oder Linz gefahren sind. Jetzt sind wir hier. München ist eine tolle Stadt, eine sehr kommerzielle Stadt, da kann man gut Geschäfte machen, die Menschen haben ein gutes Verständnis für Mode.

Primark in Bayern: München ist nur der Anfang

Gibt es Pläne für weitere Geschäfte in Bayern?
Wir werden in Ingolstadt bis Ende des Jahres ein Geschäft eröffnen, wie es aussieht, in jedem Fall vor Weihnachten. Alles, was dann noch dazu kommt, werden wir zu gegebenen Zeitpunkt mitteilen.

Warum hat es überhaupt so lange gedauert, bis sie nach Bayern kamen?
Das hat natürlich nichts mit Bayern zu tun (lacht) . Man muss die richtige Fläche bekommen, das ist nicht so einfach, wir sind ja wirklich groß. Da muss schon ein Center planen, Flächen neu zu gestalten. Das dauert und deshalb kommen wir leider erst so spät nach München.

Wie kam es zur Entscheidung für das Pep?
Das Pep wird ja gerade umgebaut. Fragt man den Center-Manager, wird es das beste und größte Einkaufscenter in München werden. Ich kenne es seit langer Zeit. Es hat eine sehr starke, lokale Kundschaft. Wenn man reingeht, sieht man, das ist voll. Wir erwarten nicht, dass jetzt alle aus allen Stadtteilen nach Perlach fahren. Vornehmlich eröffnen wir für die Kunden, die hier wohnen.

Stand es mal zur Debatte, in die Innenstadt zu ziehen? Es gab entsprechende Spekulationen, als dort größere Läden frei wurden.
Es gibt immer sehr viele Spekulationen darüber, wo wir uns demnächst ansiedeln. Wir bestätigen immer erst dann, wenn wir einen Vertrag unterschrieben haben. Fläche, Lage und vor allem der Preis müssen zu uns passen.

Münchner Innenstadtmieten machen wirtschaflich keinen Sinn

Die Höhe der Ladenmieten in der Münchner Innenstadt ist berüchtigt...
Ja, genau. Wir wollen unser Geschäftsmodell gesund halten und dazu gehört auch, dass wir verträgliche Mieten haben müssen. Wenn wir die nicht bekommen, macht das wirtschaftlich keinen Sinn.

Weitere Filialen in München sind dennoch nicht ausgeschlossen?
Ja, aber ob es wie in Frankfurt, Berlin oder Stuttgart irgendwann mal einen zweiten Standort geben wird, machen wir davon abhängig, wie der erste jetzt läuft.

Bei der Store-Eröffnung in Hamburg beispielsweise hatten sie fast 2.000 Bewerbungen auf 500 Stellen. Ist die Lage in München ähnlich?
Wir werden knapp über 300 permanente Mitarbeiter dort beschäftigen und sind mitten im Recruiting-Prozess, da wir noch ein paar offene Stellen haben. Der Markt ist nicht einfach. München gehört zu den Städten in Deutschland, in denen es herausfordernder ist, genug Mitarbeiter zu finden.

Was unterscheidet Primark von anderen günstigen Bekleidungsketten?
Wir wollen das attraktivste Preis-Leistungs-Verhältnis anbieten, was in der jeweiligen Stadt gibt. Wir haben große Geschäfte und sehr viele verschiedene Artikel im Angebot. Wir haben schön gestaltete Geschäfte. Die Menschen, die im Laden sind, brauchen natürlich Platz und das Gefühl von Wohlsein.

Wie werden ihre niedrigen Preise möglich?
Nehmen Sie als Beispiel ein Herren-T-Shirt von uns, das kostet drei Euro. Das wird in Bangladesch hergestellt, ist öko-tex-zertifiziert, also nachhaltig produziert. Das kommt aus einer Fabrik, in der auch unsere maßgeblichen Wettbewerber T-Shirts herstellen lassen. Wir haben alle etwa den gleichen oder vergleichbaren Einkaufspreis. Jede Firma entscheidet dann, zu welchem Verkaufspreis das angeboten wird. Unser Preis ist niedriger.

Wir schaffen es, profitabel zu bleiben, denn wir halten unsere Kosten gering. Wir vergeben die Aufträge ohne Zwischenhändler und haben eine sehr effiziente Logistik, wenig Verwaltungsaufwand. Und wir machen wenig bis keine Werbung. Wir müssen keine Supermodels bezahlen, sondern leben von der Mund-zu-Mund-Propaganda, ganz viel passiert da über Social Media, dort haben wir über 11,5 Millionen Follower. Es ist das klassische Discount-Prinzip - günstig beschaffen und günstig verkaufen.

Schlechte Arbeitsbedingungen? Das sagt Primark

Dennoch steht besonders Primark immer wieder in der Kritik, Stichwort Arbeits- und Produktionsbedingungen. Was entgegnen Sie?
Ich glaube, dass vielen diese gerade erläuterte Mechanik nicht wirklich klar ist. Das Prinzip bedeutet ja im Umkehrschluss, dass ein teurer Preis nichts darüber aussagt, dass die Produktionsbedingungen anders sind. Ganz im Gegenteil. Das heißt gar nichts, der hohe Preis.

Primark wird sehr, sehr engmaschig überwacht. Wir suchen uns unsere Lieferanten nach einem umfangreichen Prozess aus, in dem wir in den Fabriken jeden Stein umdrehen. Glücklicherweise haben viele unserer Wettbewerber ähnliche Ansprüche, gemeinsam können wir dort Einfluss nehmen und etwas verändern.

Wie ist Eindruck vom Verbraucher, wollen die Leute immer mehr, öfter und billiger kaufen?
Deutschland ist ein Land, da möchte man gerne alles haben (lacht) . Wir sind ein Land, in dem Discounter groß geworden sind. Die Deutschen mögen es gerne, wenn sie gute Qualität für wenig Geld bekommen. Die Statistik sagt, dass die Menschen für Bekleidung möglichst wenig ausgeben wollen, weil sie ihr Geld einteilen müssen. Und es gibt andere Bereiche, die in den letzten Jahren wesentlich teurer geworden sind, Mieten insbesondere. Die Kunden sind aber auch bewusster als vor zehn Jahren und stellen andere Fragen.

Zurück zur Münchner Filiale, klappt alles bis zur Eröffnung?
Das wird auf jeden Fall fertig werden, da gibt es keine Verzögerungen. Und dann … deutschlandweit besuchen im Schnitt eine Million Menschen in der Woche unsere Läden. Insofern tragen wir sicher auch dazu bei, dass das Pep noch interessanter und der ganze Handelsstandort dort attraktiv wird.


Neueröffnung im Pep: So wird der erste Tag

Am Donnerstag feiert das Pep große Neueröffnung. Zwei Jahre wurde am Erweiterungsbau gewerkelt, nun erstrahlt das gesamte Einkaufszentrum in neuem Glanz.

Für den Eröffnungstag hat sich das Pep etwas Besonderes ausgedacht: Um 8 Uhr werden an diesem Tag für die Besucher die Türen geöffnet. Außerdem gibt es zahlreiche Eröffnungsangebote und viele neue Mieter zu entdecken, etwa Hunkemöller, Only, Drogerie Müller oder Beauty Bar.

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