AZ-Interview Klaus Eberhartinger: "Alte raus aus der Politik"

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.
Der österreichische Sänger, Moderator, Entertainer und Schauspieler Klaus Eberhartiger. Foto: Dominik Beckmann

Klaus Eberhartinger spricht über seine Pläne nach der EAV und die schlimme Zeit in München, als er Sandlerkönig war.

 

Zum letzten Mal ist Klaus Eberhartinger als Sänger der EAV unterwegs. Nach 42 Jahren hat die Erste Allgemeine Verunsicherung im September ihr – so sagen sie – ihr allerletztes Konzert in Wien gespielt. Mit der AZ blickt er zurück und nach vorn. Klaus Eberhartinger, geboren 1950 in Gmunden, Oberösterreich, wurde bekannt als Frontmann der österreichischen Band Erste Allgemeine Verunsicherung (EAV).

AZ: Servus.
KLAUS EBERHARTINGER: Die Abendzeitung – kenn ich schon. Da bin ich vor fast 20 Jahren bei "Stars in der Manege" aufgetreten. Und der Schauspieler und Regisseur Helmut Lohner ist mit mir nach der Show auf die Knie, und wir haben leicht illuminiert den "Sandlerkönig Eberhart" gesungen.

Das ist mein Lieblingslied von der EAV.
Ja, ein tolles Lied. Zum Teil haben die Leut’ die Obdachlosigkeit ja selbst verursacht. Aber wenn du drin bist in der Tretmühle, geht’s immer weiter runter, dann fängst zum Saufen an und weg bist. Brillante Alkoholiker hab ich noch ned gesehen – bis auf den Spitzer, unseren Gitarrist und Texter der EAV. Als Student habe ich mal ‘ne böse Zeit gehabt: Da war ich in München, wir haben nix zum Essen gehabt und dann haben wir um Brezn betteln müssen – eine unwürdige Situation.

Haben Sie hier studiert?
Nein, ich war in Braunau und bin mit dem Zug nach München gefahren, um zu schauen, wie’s in der großen, weiten Welt ist. Wir haben uns aufgeführt wie die Trottel, sind mit Alkohol und Drogen in Berührung gekommen.

Sie haben hier also nicht gearbeitet?
Ich habe versucht, einen Job zu bekommen. Du kriegst keine Wohnung, weil du keinen Job hast. Dann hab ich mir einen Job gesucht, hab den aber nicht gekriegt, weil ich keine Wohnung hatte. Da bist im Kreis gerannt. Als ich einen Job in einer großen Druckerei bekommen habe, hatte ich nach zwei Monaten keinen Bock mehr, mich von einem Trottel anscheißen zu lassen, weil a Blattl schief rausgekommen ist.

Aber Sie hatten eine Wohnung gefunden.
In dieser Zeit hab ich im Englischen Garten mit einem Schlafsack unter einem Busch geschlafen. Wo mich dann eines Tages der Polizeihund gefunden hat.

War das wenigstens im Sommer?
Ja, aber ohne Regen war’s auch nicht. Ein guter Freund hat mir da rausgeholfen. War ‘ne schlimme Zeit.

Nix dideldum, dideldei.
Die Zeit ist jetzt vorbei.

Ist Ihr größter Hit "Küss die Hand" Ihr Lieblingslied?
Nein, aber du weißt ja nie, ob das ein Hit wird. "Märchenprinz" zum Beispiel – Thomas hat noch g’sagt, den hau’ mer weg. So ‘n Scheiß braucht niemand. Dann wollt die Plattenfirma das als Single, wir waren bei einer großen Fernsehsendung einladen und sollten den "Märchenprinz" spielen. Sag ich: Und, was machmer? Sagt die Band: Mir spuin und du machst was. Da hab ich in meiner Todesangst diesen Wahnsinns-Jive entwickelt, bin einer Dame im Publikum auf den Schoß gesprungen und hab den Märchenprinz rausgehängt.

Die EAV wurde als Blödelcombo bekannt.
Wir hatten mit Nummern Erfolg, wo wir gesagt haben, das entspricht uns eigentlich nicht, aber wir hatten großen Spaß beim Machen.

Hätten Sie ja nicht machen müssen.
Wir haben das mitgemacht, weil wir verkaufen mussten. Doch plötzlich waren wir in Karnevalssendungen. Als die Betrunkenpolonaise kam, sind wir einfach ausgeschert. Thomas und ich haben uns angeschaut und gesagt: Das geht nicht mehr.

Gibt’s ein Lied, das verkannt wurde?
Da gibt’s eine Nummer über Gastarbeiter, den "Balkan-Boogie", die haben wir zu wenig überhöht, so dass da ein paar rechte Deppen gesagt haben: Genau so! Die haben es nicht verstanden: "Wer hat seine Frau zerhackt und ins Stiegenhaus gekackt und ist außerdem noch schwul? Ibrahim aus Istanbul"! Wir haben in der großen Zeit dann aber auch gesehen, dass wir beginnen, uns zu kopieren.

In der Bandbio erzählen Sie viele typische Rockstar-Momente mit Fans und Drogen.
Da muss man sagen, die Bandbio ist vom Thomas Spitzer, geschrieben von seiner Freundin Nora Tietz. Die war immer ein Fan und hat ihn schon als Kind angehimmelt. Die beiden haben über Fanclubs alte Fotos aufgetrieben – unglaubliches Material. Der Thomas ist ein Phänomen, der kann sich unglaublich detailliert an die Vergangenheit erinnern. Mein Gedächtnis ist so schlecht, dass ich es ihm einfach glaube.

Wie war das letzte Konzert in Wien?
13 500 Leut waren da, das war ein schöner Abschluss. Ich war schwer angeschlagen, weil ich mit sechs gebrochenen Rippen aufgetreten bin. Deshalb sind wir danach nur noch in kleiner Runde zusammengesessen.

Jessas.
Die eine Stelle, die doppelt gebrochen ist, tut jetzt noch weh. Der Arzt hat zu mir gesagt: Du spinnst, des geht ned. Er hat mir dann aber auch geholfen, dass ich auftreten kann. Gut, die letzten zwanzig Minuten haben schon wehgetan, aber das Publikum hat mich getragen.

Weshalb sitzen Sie hier ohne Thomas Spitzer?
Ich habe die Promo immer allein gemacht. Klar, nach dem Ende der EAV muss er ja die Marke Spitzer präsentieren. Deshalb haben wir die Promo gesplittet, Arbeitsteilung.

Sie leben beide in Kenia.
Ich weiß es ganz genau, wir sind 3,8 Kilometer auseinander. Ich fahre das mit dem Radl und habe einen Kilometerzähler.

Sind Sie jetzt Rentner?
Ich habe in Kenia eine riesengroße Baustelle, möchte mich mit Photovoltaik auseinandersetzen. Das findet in Kenia witzigerweise nicht statt. Da gibt’s aber ein großes Interesse, vielleicht werd’ich Unternehmer.

Und dann?
Wenn die Baustelle fertig ist und die ersten Entzugserscheinungen kommen, möchte ich mir das eine oder andere Projekt überlegen. Entweder Entertainment-Show im Fernsehen oder eine Dokumentation als Widerspiegelung unserer Zeit. Unsere Zeit ist ja eine sehr spannende, aber auch eine besorgniserregende - sowohl politisch als auch umwelttechnisch. Trump ist nicht der einzige, aber er hat viele ermutigt. Ich hab ja auch immer gesagt: Lasst doch mal die Rechten regieren und dann werdet ihr schon sehen, dass da nix geht. Das würde ich jetzt nicht mehr machen. Da, wo sie es gemacht haben, so wie in Ungarn, da kriegst du sie nicht mehr los.

Könnten Sie sich vorstellen, selbst in die Politik zu gehen?
Nein, die Quereinsteiger sind alle gescheitert. Das ist ein Beruf, den du können musst und das ist so stressig, das tu ich mir nicht an. Ich bin sowieso dagegen, dass die Alten Politik machen, die können beraten. Politik sollte man die Jüngeren machen lassen, die wissen auch noch, wo die Perspektive zu Hause ist.

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Der neue Newsletter der AZ, "Kultur Royal" bietet jeden Donnerstag einen schnellen Überblick über das, was in der (Münchner) Kulturszene die Gemüter bewegt.
 
 

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