Erst "Ausgehetzt", jetzt "Ausspekuliert" Große Mieter-Demo in München geplant: Datum steht fest!

Bei der Ausgehetzt-Demo am 22.Juli gingen 40 000 Menschen auf die Straße. Im September soll gegen hohe Mieten und Spekulation protestiert werden. Foto: Petra Schramek

Bei einer Großdemo sollen die Münchner am 15. September gegen geldgierige Spekulanten auf die Straße gehen.

München - Die Eindrücke der Ausgehetzt-Demo mit ihren 40.000 Teilnehmern wirken immer noch nach, da bahnt sich in München schon eine neue Großdemo an. Die Initiatoren des Mieterstammtischs planen für Samstag, den 15. September, einen großen Protestmarsch gegen den Münchner Mietwahnsinn. In Anlehnung an den jüngsten "Ausgehetzt"-Erfolg soll das Motto dieses Mal "Ausspekuliert" heißen.

Protestmarsch am 15. September in München

Die Route ist noch nicht fix, soll aber von der Au auf verschlungenen Wegen hoch zur Universität führen, vorbei an möglichst vielen Häusern, die in der Vergangenheit unrühmliche Bekanntheit als Gentrifizierungs-Objekte erlangt haben. Die Demo richtet sich anders als "Ausgehetzt" nicht ganz speziell gegen Markus Söder (CSU) und die Staatsregierung, sondern an die Politik im Allgemeinen.

Die sich ungebremst drehende Preisspirale, die ständigen Luxussanierungen, der immer noch schlechte Mieterschutz – "da dürfen sich alle Parteien an die Nase fassen", sagt einer der Hauptorganisatoren, Maximilian Heisler vom Bündnis Bezahlbares Wohnen. Die Demo, sagt er, sei "ein Schrei in Richtung Politik, dass endlich etwas passieren muss".

Bereits 2013 gab es eine Mieter-Demo

In München gab es schon einmal eine ähnliche Mieter-Demo. 2013 war das. Da hatte die Landesbank gerade die GBW-Wohnungen an ein Investoren-Konsortium verscherbelt. Der Zulauf damals war mit wenigen Hundert Teilnehmern sehr übersichtlich – was auch dem geschuldet gewesen sein könnte, dass die Demo an einem ganz regulären Dienstagnachmittag stattfand. Dieses Mal jedenfalls wird eine deutlich eindrucksvollere Kulisse erwartet.

Die Organisatoren rechnen vorläufig mit etwa 2.000 Teilnehmern. Wobei natürlich auch mehr mitlaufen dürfen, "am besten die ganze Stadt", sagt Tilmann Schaich. Schaich ist selbst von Entmietung betroffen. Er lebt im sogenannten Künstlerhaus in der Thalkirchner Straße 80. Wie lange noch? Das weiß auch er nicht. Ein Investor hat das Gebäude erworben und versucht hartnäckig, die aktuellen Mieter loszuwerden. Schaich hat diesen Juni deshalb zusammen mit Juliane Zeißler und Janek Schmidt den Münchner Mieterstammtisch ins Leben gerufen.

Seit Juni gibt's den Mieterstammtisch

Bei diesem Stammtisch können sich Mieter austauschen, die ebenfalls von Entmietung betroffen sind. Beim ersten Treffen kamen Vertreter von gut 20 Häusern, beim zweiten schon von 70 Häusern. Diesen Sonntag soll im Orangehouse im Feierwerk der dritte Stammtisch stattfinden. Wie viele Leute da kommen werden, weiß Schaich noch nicht. Der bisherige Zulauf aber habe sie in dem Glauben bestärkt, dass man auch einmal eine Großdemo gegen diesen ganzen Wohn-Irrsinn machen müsse, sagt er.

Details zur Demo will Schaich erst am Sonntag beim Stammtisch bekanntgeben. Was man aber jetzt schon sagen könne: Eine Idee sei es, bestimmte Berufsgruppen dazu aufzurufen, in ihrer Dienstkleidung beim Protestmarsch mitzulaufen: Müllwerker, Krankenschwestern, Straßenkehrer – all diejenigen eben, die es in jeder Stadt dringend brauche, die es mit ihren Löhnen aber schwer hätten, sich in München über Wasser zu halten.

Schaich hofft auf ein breites und möglichst buntes Teilnehmerfeld. "Da zieht München dann aus der Stadt aus", sagt er. Außer den Reichen könne sich das Wohnen hier ja kaum noch jemand leisten. Und das müsse nun endlich auch mal mit einem Protestmarsch dokumentiert werden, so Schaich. 15. September, 14 Uhr – da sei die Zeit gekommen.

 

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