Ernst von Siemens Musikpreis Beat Furrer ist der Preisträger 2018

Der Komponist Beat Furrer – hier bei einer Wanderung im Gesäuse, einem Gebirgsmassiv im Osten der österreichischen Alpen. Foto: Manu Theobald/EvS

Ein bestens vernetzter Schweizer bekommt in diesem Jahr den Ernst von Siemens Musikpreis

Wieder ist ein Jahr ins Land gegangen, und wieder wird der Ernst von Siemens Musikpreis vergeben. Und wie jedes Jahr stellt sich die gleiche Frage: Gibt es keine Frau, deren musikalisches Lebenswerk als Solistin, Dirigentin, Komponistin oder Musikwissenschaftlerin einer Ehrung würdig wäre?

So langsam muss man die Entscheidung des Kuratoriums, in dem Frauen gut vertreten sind und das keineswegs von alten Machos dominiert wird, als Trotzreaktion auf diese alljährlich nicht nur in dieser Zeitung geäußerte Frage verstehen. Denn nur einmal, 2008, ging der Preis an eine Frau: an die Geigerin Anne-Sophie Mutter. Angesichts des Anteils von Frauen in allen Bereichen des Musiklebens eine beschämende Quote. Und zunehmend beschädigt dieser Starrsinn auch den Preis und die Preisträger.

Ein ehemaliges Mitglied des Kuratoriums

Heuer geht der mit 250 000 Euro dotierte Preis an den Komponisten Beat Furrer. Auch da mag sich die Augenbraue skeptisch heben, denn der Schweizer war lange Mitglied des Kuratoriums der Ernst von Siemens Musikstiftung.

Aber eine private Stiftung ist in ihrer Preisvergabe ebenso frei wie die Jury. Furrer zählt zu den angesehensten Komponisten der Gegenwart. Die Salzburger Festspiele ehren den 63-jährigen Schweizer in diesem Jahr mit einer Werkschau.

Furrer war Kompositionsschüler von Roman Haubenstock-Ramati und studierte Dirigieren bei Otmar Suitner. Auch Luigi Nono hatte maßgeblichen Einfluss auf den Kompositionsstudenten.

Bereits Furrers frühe Werke in der ersten Hälfte der 1980er Jahre „entfalten aus einer klug inszenierten Poetik der Brüche und Gegensätze, die bereits damals Furrers ausdifferenziertes Ausdruckspektrum erahnen lässt, einen narrativen Sog auf den Hörer“, wie es in der Mitteilung der Stiftung heißt.

Zeitgenössisches Repertoire

Das Arditti Quartett führt 1985 Furrers erstes Streichquartett auf. Auch das Ensemble Modern spielt seine Werke. Stücke wie „nuun“ für zwei Klaviere und Ensemble (1996) gehören bald zum zeitgenössischen Repertoire.

1985 gründet Furrer das Klangforum Wien, dem er bis heute als Dirigent verbunden ist. Derzeit steht seine jüngste Opernpartitur kurz vor dem Abschluss – „Violetter Schnee“ nach einem Libretto von Klaus Händl, basierend auf einer Vorlage des russischen Schriftstellers Vladimir Sorokin.

Föderung der Neuen Musik

Der Ernst von Siemens Musikpreis ist nur das Sahnehäubchen auf einer breiten Fördertätigkeit der Stiftung, die nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Rund 3,5 Millionen Euro gehen an 120 Projekte im Bereich der zeitgenössischen Musik. Der größte Anteil der Förderung entfällt erneut auf Kompositionsaufträge, aber auch Festivals, Konzerte, Kinder- und Jugendprojekte, Akademien sowie Publikationen werden mit Fördergeldern bedacht.

Verliehen wird der Preis am 3. Mai 2018 im Prinzregententheater durch Michael Krüger, den Präsidenten der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und Vorsitzenden des Stiftungsrates. Das Klangforum Wien spielt unter der Leitung des Preisträgers dessen „canti della tenebra“ für Mezzosopran und Ensemble.

Und so warten wir wieder ein Jahr und hoffen, dass es beim nächsten Mal eine Frau wird. An Kandidatinnen fehlt es nicht.

 

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