Erneutes Elfmeter-Aus England bei U21-EM am Boden: "Die alte Leier"

Der Moment des Triumphes: Torhüter Julian Pollersbeck hat dem deutschen Team soeben den Weg ins Finale der U21-EM geebnet. Foto: dpa

Immer wieder diese Elfmeter. Nach dem Aus im EM-Halbfinale gegen Deutschland ist England der Verzweiflung nah. Ein Blick auf die Pressestimmen aus dem Mutterland des Fußballs offenbart das ganze Drama.

Tychy - Gary Lineker fühlte sich wie bei einer Zeitreise ins Jahr 1996. "Es ist die alte Geschichte: Ein Haufen Jungs rund um Stefan Kuntz gewinnt im Elfmeterschießen", twitterte Englands früherer Nationalspieler, als die U21 der Three Lions gerade aus der EM geflogen waren.

Natürlich gegen Deutschland, natürlich vom Punkt. "Wenn wir nicht über uns lachen würden, müssten wir weinen", fügte der 56-Jährige an. Die Trauer überließ Lineker dem englischen Team. Mit gesenkten Köpfen schlichen die Spieler aus dem Stadion, die Augen waren leer. "Ich bin am Boden zerstört. Wir haben Elfmeter geübt und geübt und geübt. Langsam reicht es", sagte Nationaltrainer Adrian Boothroyd.

Schon bei der WM 1990 und der EM 1996 hatte England im Halbfinale gegen Deutschland im Elfmeterschießen verloren, 1996 gehörte der heutige DFB-Trainer Kuntz zu den Schützen. "Immer die alte Leier", titelte die BBC daher am Mittwoch, und auch die englischen Zeitungen haderten mit dem altbekannten Schicksal.

Die englische Bilanz vom Punkt liest sich in der Tat erschreckend. Seit 1990 hat das Fußball-Mutterland mit der Nationalmannschaft sechs der sieben Elfmeterschießen bei EM oder WM verloren, beim U21-Nachwuchs war es die zweite Pleite im dritten Strafstoß-Duell bei einer EM. Unvergessen ist bis heute das 12:13 gegen die Niederlande im EM-Halbfinale 2007.

Zehn Jahre später hat sich an der Elfmeter-Krise nicht viel geändert, einzig eine politische Komponente ist hinzugekommen. "Ganz egal wie sich das Verhältnis zu unseren Nachbarn zuletzt geändert hat, eines bleibt in Europa immer gleich: England scheitert im Elfmeterschießen. Vor einem Jahr haben wir uns für den Brexit entschieden, aber wenn es um den Fußball geht, werden wir immer gegen unseren Willen ausgeschlossen", schrieb der Telegraph.

Und als wäre das nicht genug, hat der englische Fußball seit Dienstag auch noch ein neues, ungeliebtes Datum. Vor genau einem Jahr hatten die Three Lions ebenfalls am 27. Juni bei der EM in Frankreich gegen Island mit 1:2 eine ihrer bittersten Niederlage kassiert.

Nun, genau zwölf Monate später, wurde es nicht besser. Gary Lineker immerhin nahm die Niederlage mit Größe. Nach einer Nachricht von Benedikt Höwedes an ihn twitterte Lineker auf Deutsch zurück: "Glückwünsche". Und auch die englische Presse gibt so schnell nicht auf. "Am Ende musste die uralte Methode entscheiden", schrieb der Guardian. Und: "Aber eines Tages wird es anders ausgehen."

Pressestimmen im Überblick

The Telegraph: "Ein altbekannter Schmerz für England. Ganz egal wie sich das Verhältnis zu unseren Nachbarn zuletzt geändert hat, eines bleibt in Europa immer gleich: England scheitert im Elfmeterschießen. Vor einem Jahr haben wir uns für den Brexit entschieden, aber wenn es um den Fußball geht, werden wir immer gegen unseren Willen ausgeschlossen. Es war das unvermeidliche Schicksal."

The Sun: "Nicht schon wieder. Das altbekannte Schicksal hat wieder zugeschlagen. Die englischen Herzen wurden wieder gebrochen."

BBC: "Immer die alte Leier. Nicht zum ersten Mal muss sich eine englische Mannschaft nach einem Halbfinale gegen Deutschland fragen, was bei einem Sieg im Elfmeterschießen möglich gewesen wäre. Das war schon bei der WM 1990 so, als Chris Waddle und Stuart Pearce vom Punkt scheiterten, und auch bei der EM 1996, als Gareth Southgate nicht traf."

Daily Star: "Immer wenn du zu träumen wagst, löst sich alles im Elfmeterschießen gegen Deutschland in Luft auf. Alle Befürchtungen wurden zur schrecklichen, furchtbaren Realität."

Daily Mail: "Nicht schon wieder. In den vergangenen Tagen musste sich Englands U21 immer wieder die alten Geschichten von Elfmeterschießen gegen Deutschland anhören. Sie haben gelächelt und genickt, aber den Schmerz von 1990 oder 1996 haben sie nicht verstanden. Jetzt verstehen sie ihn."

The Guardian: "Das kennen wir definitiv von irgendwo. Am Ende musste die uralte Methode entscheiden. Eines Tages wird es anders ausgehen."

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