Erneut vor Gericht "Aktenzeichen XY"-Fall Maria B. aus Regensburg: Ist ihr Verlobter der Mörder?

Der Verdächtige Christian E. steht ab dem 1. Juli vor Gericht. Foto: ZDF

Im TV sucht Christian E. nach seiner Verlobten. Nun steht er erneut vor Gericht. Hat er Maria B. betäubt und getötet?

 

Regensburg - Ein Millionen-Publikum hat ihn gesehen, seinen Schmerz und seine Verzweiflung gespürt, Mitleid empfunden. Acht Jahre ist es her, im November 2012, als Krankenpfleger Christian E. (35) die Zuschauer von "Aktenzeichen XY" flehentlich um Hinweise zu einem Vermisstenfall bat. Maria B. (26), seine Verlobte, war seit sechs Monaten spurlos verschwunden.

Im Rückblick ist dieser TV-Auftritt mutmaßlich Teil einer geplanten Vertuschung. So sieht das zumindest die Staatsanwaltschaft. Sie ist davon überzeugt, dass der Krankenpfleger seine damalige Freundin ermordet hat.

Kurz vor Weihnachten des letzten Jahres kam er deshalb in Untersuchungshaft. Vor dem Schwurgericht in Regensburg beginnt am 1. Juli der Mordprozess gegen Christian E. Von einem Geständnis ist der Angeklagte weit entfernt. Das geht aus Aussagen seines Anwalts und der Ermittlungsbehörden hervor – auch der Sitzungsplan verrät es. 25 fest eingeplante Verhandlungstage, dazu weitere zehn in Reserve, wären sonst nicht nötig.

Mordfall Maria B.: Viele Indizien, keine Beweise

Zahlreiche kleine Puzzleteile sind es, die die Ermittler zusammengetragen haben. Mit ihnen wollen sie den Krankenpfleger als Mörder überführen – dieses Mal sicher. Vor zwei Jahren hatten sie eine empfindliche Niederlage einstecken müssen. Die Ermittlungen gegen Christian E. wurden eingestellt. "Der Fall", sagte Oberstaatsanwalt Markus Pfaller zur AZ, "war damals ermittlungstechnisch ausgereizt." Indizien, die Christian E. mit dem Verschwinden und dann auch mit dem Tod seiner Freundin in Verbindung brachten, gab es in einer Vielzahl, aber keine Beweise.

Das hat sich offenbar geändert. Mithilfe modernster Analysetechnologie wurden der Regensburger Staatsanwaltschaft zufolge bei einer erneuten Untersuchung der Haare und der Kleidung der Toten, winzigste Rückstände des Beruhigungsmittels "Tavor" gefunden. Wie kompliziert der Kriminalfall ist, ergibt sich allein aus dem bisherigen Verfahrensverlauf.

Zeuge, Beschuldigter, U-Haft, Freilassung, Einstellung der Ermittlungen, Wiederaufnahme, Haftbefehl, Mordanklage: Die juristische Schlinge um den Hals des Krankenpflegers zieht sich langsam immer weiter zu. Ein Strafprozess vor der Jugendkammer des Landgerichts im Jahr 2016, der nur indirekt mit dem Tod von Maria B. zu tun hatte, lieferte Einblicke in die Lebenswelt von Christian E.

Mordermittlungen gegen Christian E.

Im Zuge der Mordermittlungen hatten Beamte in der Wohnung des Krankenpflegers Datenträger sichergestellt, für deren Inhalt er sich damals verantworten musste. Fotografisch dokumentierte sexuelle Ausbeutung von Kindern war darauf, ebenso ein Video. Dort ist zu sehen, wie Christian E. einen Minderjährigen missbraucht.

Der Bub war nicht das einzige Opfer. Zum Urteil des Gerichts gehörte ein weiterer Komplex, der die Ermittler aufhorchen ließ. Neben dem Missbrauch von Kindern und dem Besitz von strafbarem Filmmaterial, wurde E. auch wegen vorsätzlicher Körperverletzung verurteilt. Er hatte einer jungen Frau, die ihm sexuelle Übergriffe vorwarf, ein Medikament verabreicht, um sie "enthemmter" zu machen. Der Name der Substanz: Tavor.

Als Maria B. an Pfingsten 2012 verschwand, war das alles nicht bekannt. Bei der Auswertung von E.s Computer wurde eine seiner Google-Suchen dieses Tages rekonstruiert. Die Suchbegriffe, die er verwendete: "perfekter Mord", "letale Dosis" – und "Tavor".

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