Erinnerungen ans alte München Maria Walser: Die Müllerin aus dem Lehel

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.
Die Walsermühle am Hacklbach um 1890. Heute ist dort die Thierschstraße 9. Kleines Bild: Simon Walser mit Tochter Maria im Jahr 1885. Foto: Historischer Verein von Oberbayern

Maria Walser war bis 1901 Chefin einer großen Mühle. Ihre Erinnerungen an das Stadtleben hat sie in Tagebüchern festgehalten.

 

München - Gerade zwölf Jahre ist Maria Walser (*1874) alt, als sie 1886 nach dem frühen Tod ihres Vaters Simon Walser – er stirbt mit 45 Jahren – die Hacklmühle in der heutigen Thierschstraße 9 im Lehel erbt.

Das war zu einer Zeit, als Wasser eine wichtige Antriebskraft war – nicht nur zum Mahlen von Getreide: Aus Ölmühlen kamen die zum Kochen und Handwerken nötigen Öle, aus Sägemühlen Balken und Holzbretter für die Häuser und aus den Schleifmühlen Knöpfe für Schneider. Die Anfänge der Hacklmühle, die in der Stadt schlicht "Walsermühle" genannt wurde, reichen bis ins 16. Jahrhundert – zuerst eine kleine, städtische Mühle, ging sie an den Johanniterorden über.

68.000 Gulden für die Mühle

1854 kauft Maria Walsers Urgroßvater Simon Walser die Mühle für 68.000 Gulden. Da ist die Mühle schon mit fünf Mahlrädern, zwei Malz- und zwei Sägrädern ausgestattet. Simon Walser lässt noch zusätzlich eine Gips- und Zementmühle erbauen. Wie an alle großen Münchner Mühlen ist auch an die Walsermühle ein landwirtschaftlicher Betrieb angeschlossen, so dass in Maria Walser Erinnerungen, die der Volk Verlag jetzt bebildert veröffentlicht hat, auch Hausangestellte ihren Platz haben.

Maria Walser schreibt auch über Meilensteine in der Stadtgeschichte. So schreibt sie über das erste Telefon im Viertel: "So erinnere ich mich noch vorzüglich an eine telefonische Vorführung in der Ländstraße. Ich war ungefähr fünf Jahre alt, als ich diesem Experiment auch zusehen durfte.

Heute begreife ich allerdings die erwachsenen Zuschauer nicht, wie sie damals so erstaunt sein konnten. Die ganze Sache war nämlich mehr als einfach. An einem ungefähr 100 Meter langen Strick (es kann etwas Kupferdraht dabei gewesen sein) waren an beiden Enden so eine Art Konservendosen befestigt. Nun schrie der eine aus Leibeskräften in seine Büchse. Dass der Andere (auch ohne Strick) in 100 Metern Entfernung, in dieser vollkommen verkehrslosen Straße verstand, war wirklich kein Wunder."

Ihr Leben zu dieser Zeit schildert Maria Walser als das einer Familie aus dem gehobenen Bürgertum. Während zwei Vormünder ihren Besitz verwalten, besucht Maria Walser Schulen in München und in der Schweiz, bis sie im Alter von 21 Jahren die Verfügungsgewalt über ihren großen Besitz erhält.

Oskar ist der ganze Stolz der Mutter

Ein Jahr später, 1896, heiratet sie Oskar Schmid, den 33-jährigen Sohn einer befreundeten Familie, mit dem sie wie Bruder und Schwester aufgewachsen ist. Die Ehe verläuft nicht glücklich, die beiden sind zu unterschiedlich. Sie bekommen aber einen Sohn, der Oskar wie der Vater heißt, und der ganze Stolz der Mutter ist. Seit der Heirat führt Simon Schmid die Mühle, Maria Schmid arbeitet zwar noch im Mühlenbetrieb mit und führt den Haushalt, kann aber selbstständig keine Entscheidungen mehr treffen.

1901 wird die Walsermühle abgerissen. Die Mühle wurde Opfer des Großstadtausbaus: Bäche verschwanden in den Untergrund und machten Platz für den Verkehr und Fabriken werden mit Strom und nicht mit Wasser betrieben. Statt der Mühle werden die Hansahäuser gebaut, in die auch ein Kraftwerk integriert ist.

Der Tod des Mannes ist ihr eine Zeile wert

Die Familie zieht in die Maximilianstraße und drei Jahre später in ein neu errichtetes Wohnhaus in der Prinzregentenstraße. 1922 verkauft die Familie allen Besitz bis auf ein Gartengrundstück in der Balanstraße. Zwei Kriege muss Maria Walser erleben, bis sie einen Tag vor Heiligabend 1969 verarmt in Dorfen stirbt. Den Tod ihres Ehemannes 1929 erwähnt sie in ihren Aufzeichnungen nur mit einer Zeile.

Lesen Sie hier: Historisches München - Rechts der Isar - 1948 bis 1966

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