Erfindung einer Münchnerin Weltraumschrott: Jetzt räumt ein Satellit auf

Das computergenerierte Bild zeigt den Müll früherer Missionen, der neben intakten Satelliten um die Erde kreist. Es sind etwa 6300 Tonnen. Die Weltraumschrott-Forscherin Susanne Peters plant die Mission eines Satelliten, der in der Erdumlaufbahn aufräumen soll. Foto: dpa/unibw

Die Erfindung einer Münchner Forscherin könnte zur Müllabfuhr im All werden. 200 Millionen Trümmerteile kreisen derzeit um die Erde – eine große Gefahr für Raumfahrkörper.

München – Eine Welt ohne Satelliten ist nicht mehr vorstellbar: Sie informieren über die aktuelle Wetterlage, sorgen für eine gute Orientierung und dienen beispielsweise mit der Beobachtung von Naturkatastrophen Forschungszwecken.

Doch frei schwebender Weltraumschrott kann Satelliten treffen und diese unbrauchbar machen. Wie man diesen kosmischen Müll entfernen könnte, untersucht Susanne Peters an der Universität der Bundeswehr München.

Für ihre Arbeit hat sie sogar ein Stipendium der Zonta International Foundation erhalten, das jährlich weltweit nur an 35 Wissenschaftler verliehen wird.

Was sich alles im Weltraum tummelt: Simulationen besagen, dass alle fünf bis neun Jahre einer der rund aktiven 1000 Satelliten in der nahen Erdumlaufbahn mit Weltraumschrott oder einem anderen Satelliten kollidiert. Übrig bleiben viele unbrauchbare Einzelteile, die jahrhundertelang im Universum herumschweben.

 

Gefährlich sind Objekte zwischen einem und zehn Zentimetern

Bei jedem Raketenstart entsteht zudem wieder neuer, vom Menschen erzeugter Müll. Das können abgeworfene Raketenstufen sein, von Astronauten verlorene Werkzeuge oder abgelöste Farbpartikel von Satelliten und Raketen. Die Folgen der mehr als 200 Millionen, insgesamt 6300 Tonnen schweren im Weltraum schwebenden Trümmerteile, sind verheerend. Der Großteil ist zwar millimeterklein und daher eher ungefährlich.

Eine unkalkulierbare Gefahr bilden allerdings die tausenden Objekte zwischen einem und zehn Zentimetern Durchmesser. Diese von der Erde aus zu orten, wäre zu zeit- und geldintensiv. Sie bewegen sich dazu noch auf unterschiedlichen Umlaufbahnen.

Bei einer Kollision mit einer Geschwindigkeit von mehreren Kilometern pro Sekunde können sie das Aus des Satelliten bedeuten.

Wie der Weltraumschrott entsorgt werden könnte: „ADReS-A“ soll er heißen, der Satellit, der selbstständig Müll entsorgt. Susanne Peters, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Raumfahrttechnik und Weltraumnutzung, plant seine Mission. Ausgestattet mit einem Greifarm wird er gemeinsam mit kleinen Raketenantrieben – sogenannten „De-orbit Kits“ – im Weltall in der Nähe der ausrangierten Raketenstufe ausgesetzt. Er greift sich eines der „De-orbit Kits“, klemmt es in das Triebwerk der Raketenstufe und ersetzt damit ihren defekten Antrieb.

Da die Rückstände im Weltall taumeln und bei einem Abstoß ohne genaues Ziel unkontrolliert auf die Erde zusteuern und bewohntes Gebiet treffen könnten, wird ihre Bewegung zunächst stabilisiert.

Ein Technikteam in der Bodenleitstelle entscheidet dann, an welchem Punkt der Triebwerksersatz abgefeuert werden soll, um in einem überschaubaren Radius auf der Erde anzukommen. Wenn Wissenschaft und Politik sich einigen, ist dieses Müllentsorgungssystem vielleicht sogar schon in 15 Jahren einsetzbar.

 

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