Erdbeben in Neuseeland Saskia aus Nürnberg hilft beim Aufräumen

Überlebt! Saskia-Caroline sitzt in einer Spalte, die durch das Beben in Christchurch aufgerissen wurde, und macht das Victoryzeichen. Foto: privat

CHRISTCHURCH/NÜRNBERG Den nächtlichen Anruf wird Christiane Koller (44) nie vergessen: Um zwei Uhr nachts schrillte ihr Telefon. Am anderen Ende der Leitung war ihre weinende Tochter Saskia-Caroline. Die 17-Jährige stand unter Schock: Als Gastschülerin saß die gebürtige Nürnbergerin im Unterricht, als vor einer Woche in Christchurch/Neuseeland die Erde bebte. Sie überlebte unverletzt – und hilft jetzt beim Wiederaufbau.
„Es war furchtbar zu sehen, wie Wände wackeln, Fenster knirschen und die Lampen hin und her schwanken”, schildert die 17-Jährige. Wie durch ein Wunder wurden weder Schüler noch Lehrer verletzt.

 


Bis zum Tag der Katastrophe war Saskia-Caroline, die erst Ende Januar für ein halbes Jahr nach Down Under aufgebrochen war, vom Heimweh geplagt. „Jetzt überhaupt nicht mehr. Es ist so, als ob sie eine Aufgabe bekommen hätte”, schildert ihre Mutter.
Bei dem Beben heute vor einer Woche starben über 150 Menschen, ein Drittel der Häuser im Stadtzentrum müssen abgerissen werden. Unter den Toten sind Menschen aus mehr als 20 Ländern, darunter viele Japaner, Chinesen und andere Sprachstudenten, die zum Englischlernen in Christchurch waren – wie Saskia-Caroline.

"Ich konnte doch nicht nur herumsitzen"


Die Elftklässlerin hat sich extra für ein halbes Jahr von der Schule freistellen lassen. In der Papamui Highschool steht nicht nur „normaler” Unterricht auf dem Lehrplan. Die Jugendlichen bekommen Lektionen in Raften, Mountainbiken und „Überleben in der Wildnis”. In drei Wochen sollte diese Einheit losgehen. Doch daran denkt die Fränkin nicht.


Sie schloss sich gleich nach dem Beben einer freiwilligen Schüler-Hilfs-Truppe an. „Ich konnte doch nicht nur herumsitzen und warten, bis die Schule wieder beginnt”, sagt Saskia-Caroline. Mit über 1200 jungen Leuten zieht sie ausgerüstet mit einem grünen T-Shirt, Handschuhen und Schaufeln durch die Straßen, um Abflussleitungen, Wege und Gärten freizugraben.


Am meisten beeindruckt sie die Hilfsbereitschaft untereinander: „Hier arbeiten Leute, die alles verloren haben, bis zur Erschöpfung, um anderen zu helfen.” Ihr Berufswunsch hat sich durch die Katastrophe nur gefestigt. Saskia-Caroline will Medizin studieren – und später bei Ärzte ohne Grenzen immer da arbeiten, wo ihre Hilfe gebraucht wird.

A. Uhrig

 

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