Er tötete zwei Menschen Nach 25 Jahren Knast: Dr. Mord ist wieder frei - so lebt er jetzt

Der Arzt Siegfried R. und seine Geliebte, Waltraud K. Foto: Reister

In Andechs und in Fürth tötete der Mediziner Siegfried R. zwei Menschen – und verbrachte dafür 25 Jahre hinter Gittern. Jetzt ist er entlassen.

 

Augsburg - Zwei Doktortitel, Maßanzug, Designeruhr am Handgelenk, vornehme Wortwahl, aber ein eiskalter Killer: Wegen zweifachen Mordes verurteilten die Richter Siegfried R. 1994 zu lebenslanger Haft und stellten eine besondere Schwere der Schuld fest. Das verhinderte auch seine Entlassung nach 15 Jahren.

Im Netz der Ermittler verfing sich der Arzt, als in Norddeutschland die Leiche von Niculina W. (74) entdeckt wurde. Sie war eine Tante seiner Geliebten, Waltraud K.

Sein erstes Opfer schlug er mit einem Baseballschläger und erstickte es

K., eine attraktive Frau, hatte die alte Dame zu sich nach Fürth gelockt und sich ihr gesamtes Vermögen, mehrere hunderttausend D-Mark, unter den Nagel gerissen. Als die Tante schließlich zur Polizei gehen wollte, lockte "Dr. Mord" sie in einen Hinterhalt, schlug sie mit einem Baseballschläger halb tot und erstickte sie schließlich mit einem Kissen.

Als er wenige Wochen später festgenommen wurde, war der Tod von Gernot G. (34) noch kein Thema. Das änderte sich aber, als die Fürther Kriminalpolizei das Vorleben des Arztes genauer unter die Lupe nahm. Sie stellte zum einen fest, dass er Millionen Schulden hatte und von Gläubigern gejagt wurde – und er war fünf Jahre zuvor schon einmal in ein Verbrechen verwickelt.

Das zweite Opfer erschlug Dr. Mord mit einer Hantelstange

In der Nähe von Andechs war die Leiche des österreichischen Studenten Gernot G. (34) gefunden worden. Sie wies schwere Kopfverletzungen auf. Obwohl "Dr. Mord", in dessen Villa in Andechs der schwer alkoholkranke Student damals wohnte, schnell massiv unter Verdacht geriet, wurden die Ermittlungen von der Staatsanwaltschaft München am Ende doch eingestellt. Nach seiner Festnahme in Fürth gestand er auch dieses Verbrechen. Mordwerkzeug war in diesem Fall eine Hantelstange.

Neben seiner Geliebten, die zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, aber schon vor Jahren entlassen wurde, saßen neben "Dr. Mord" auch noch zwei weitere Bekannte mit auf der Anklagebank, darunter ein Versicherungsvertreter. Zusammen hatten sie mit Fälschungen, Tricksereien und Lügen zahllose Lebensversicherungen auf den alkoholkranken Studenten abgeschlossen – insgesamt rund zwölf Millionen D-Mark. Da war der Tod von Gernot G. Bereits beschlossene Sache.

Viele Aussagen und Beweise dokumentierten im Prozess vor allem die grenzenlose Geldgier, von der "Dr. Mord" und seine Geliebte befallen waren. Trotz Millionenschulden warfen sie das Geld zum Fenster raus, leisteten sich mit den Ersparnissen der ermordeten Tante einen neuen Porsche und einen Campingbus. Die schlangestehenden Gläubiger hatten das Nachsehen.

Dr. Mord lebt in einem Heim für entlassene Strafgefangene

Das ungeheuere Ausmaß an Gefühlskälte und Skrupellosigkeit war es, das die Richter dazu bewog, "Dr. Mord" die besondere Schwere der Schuld zu attestieren. Deshalb erfolgte seine Freilassung auch nur unter Bewährungsauflagen und gewissermaßen ratenweise.

Er lebt jetzt in einem Heim für entlassene Strafgefangene und unterliegt der Betreuung. Ob sich daran noch was ändert, steht nicht fest.

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