Er ist selber Kriminalbeamter CSU-Politiker will bei verdecktem Ermittler Kokain kaufen

Christian A. (1976 geboren) ist verheiratet und hat drei Kinder. Foto: ho

Christian A. ist  CSU-Lokalpolitiker und Kriminalbeamter. Er soll bei einem verdeckten Ermittler Koks bestellt haben.

Ansbach - Für ein Gramm Kokain, das in Wirklichkeit nicht einmal existierte, hat er seinen Beruf als Kriminalbeamter aufs Spiel gesetzt – und seine politische Karriere. So gerne wollte Christian A. (42) Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Sachsen (Kreis Ansbach) werden.

Sein Blog und sein Profil in den sozialen Medien spiegeln Idylle und Erfolg wider. Familienfotos mit Blumenwiese, auf der Rutsche mit den Kindern, Begegnungen mit CSU-Politikern auf lokaler und überregionaler Ebene. Unter anderem hat er ein Foto ins Netz gestellt, das ihn mit Christine Haderthauer zeigt. Ein schlechtes Omen? Bei Christian A. ist die potenzielle Fallhöhe im politischen Getriebe nicht ganz so hoch. Aber er hat sich über Jahre hinweg im CSU-Geflecht nach oben gearbeitet. Für die Partei sitzt er im Gemeinderat, im Ortsverband ist er der Vorsitzende; dritter Bürgermeister ist er auch. Und oben drauf Verwaltungsrat der Kirchenstiftung und örtliches Vorstandsmitglied des Bauernverbands.

CSU-Politiker und Kriminalpolizist

Den beruflichen Teil seines Lebens verbringt Christian A. bei der Kriminalpolizei in Ansbach. Dort sitzt er im K1, das für Kapitalverbechen zuständig ist. Seine Aufgaben kann er momentan nicht mehr wahrnehmen, er hat sich krankschreiben lassen. Möglicherweise hat ihm das vorerst eine Suspendierung erspart.

Vor zwei Wochen wurde der Kriminalbeamte mit dem Faible für christsoziale Politik von Fahndern des Landeskriminalamts im Ansbacher Hauptbahnhof festgenommen. Er war der Darstellung der Ermittlungsbehörden zufolge einem verdeckten Fahnder auf den Leim gegangen und wollte Kokain kaufen. Unter Verdacht, Drogen zu nehmen, stand der K1-Beamte offensichtlich schon länger. Darauf weist auch der Einsatz des LKA hin, das bei Ermittlungen in den Reihen der Polizei zuständig ist.

Verdächtiger lässt sich krankschreiben - aus gutem Grund?

In den Dienst kehrte Christian A. nicht zurück. Er ließ sich, unmittelbar nachdem er verhaftet, von der Staatsanwaltschaft vernommen und wieder auf freien Fuß gesetzt wurde, krankschreiben – traumatische Belastungsstörung. Wie die Sprecherin des Polizeipräsidiums erklärte, habe sein Krankheitsstatus dazu geführt, dass derzeit eine Suspendierung kein Thema sei. "Wir warten das Ergebnis der Ermittlungen ab und entscheiden über eventuelle Maßnahmen im Einzelfall."

In seiner Heimatgemeinde Sachsen braut sich erheblicher Unmut zusammen – noch weitgehend hinter vorgehaltener Hand. Dass der CSU-Ortsvorsitzende und K1-Ermittler in Personalunion jener festgenommene "Kokainkäufer" vom Bahnhof ist, hat sich längst herumgesprochen.

Christian A. selbst scheint dies nicht wahrzunehmen oder nicht wahrnehmen zu wollen. In der letzten Gemeinderatssitzung im August hätte es mancher gern gesehen, wenn er sich gegenüber seinen Gemeinderatskollegen in irgendeiner Weise geäußert hätte. Stattdessen "business as usual", danach die üblichen Auftritte, inklusive Kirchweihbesuch. Was ihm im Bekanntenkreis richtig übel genommen wird, hat aber einen ganzen anderen Grund.

Traumatische Belastung wegen eines Mordes mit dem er gar nichts zu tun hatte

Dort erzählt Christian A. in "vertraulichen" Gesprächen, die inzwischen weiträumig die Runde machen, von seinem tragischen Krankheitsbild, das ihn dienstunfähig mache. Der Schock sei es gewesen, als er die ermordeten drei Kinder und deren Mutter sah, erzählte er – und spielte damit auf ein grausiges Verbrechen in Gunzenhausen an (AZ berichtete). "Mir hat er so leid getan, als ich das gehört habe", erzählt eine Bewohnerin.

Das emotionale Mitgefühl, das Christian A. nicht nur von ihr entgegengebracht wurde, ist ins Gegenteil umgeschlagen. Wie aus Kreisen der Behörden bestätigt wird, hatte er mit dem grausigen Familiendrama in Gunzenhausen, das ihn psychisch so schwer belastet habe, gar nichts zu tun. Auch das hat sich in Sachsen schon herumgesprochen.

 

50 Kommentare

Kommentieren

  1. null