Er hatte schwerste Verbrennungen Münchner Arzt schenkt Sechsjährigem ein neues Gesicht

Der Arzt ist zufrieden: Milomir Ninkovic begutachtet das transplantierte Gesicht eines kleinen Patienten. Der Sechsjährige ist 17 Mal operiert worden. Foto: Jeanette Isfahanian/München Klinik

Milomir Ninkovic (62), Chefarzt im Klinikum Bogenhausen, hat einem sechsjährigen Bub ein neues Gesicht geschenkt. Das Kind hatte schwere Verbrennungen.

 

München - Von einem Zeitschriftenständer hinter seinem Schreibtisch lächeln makellose, junge Frauengesichter. Sie zieren die Titelseiten einer Fachzeitschrift für ästhetische Chirurgie. Gegenüber hängt das Foto eines fast nackten, athletischen Mannes, der seine Muskeln spielen lässt. Im Büro von Chefarzt Milomir Ninkovic im Untergeschoss der München Klinik Bogenhausen hängen nur Bilder von Menschen, die allgemeinen Schönheitsidealen entsprechen.

Doch was der Arzt täglich sieht, ist genau das Gegenteil dieser perfekten Gesichter und Körper. Der 62-Jährige ist einer der renommiertesten Spezialisten für die Behandlung von Verbrennungen. Was er täglich sieht, sind entstellte Gesichter, großflächig vernarbte Haut, Wucherungen nach schwersten Verbrennungen. Auch kommen Patienten mit Fehlbildungen zu ihm. Die meisten seiner Patienten sind schwer gezeichnet. Viele können ihre Hände, Füße oder den Kopf kaum noch bewegen. Auch aus fernen Ländern suchen Patienten bei ihm Hilfe.

"Ziel ist, das wieder herzustellen, was verloren gegangen ist"

Die Klinik hat sich auf Eingriffe spezialisiert, bei denen körpereigenes Gewebe verpflanzt wird. Milomir Ninkovic und sein Team verhelfen den Patienten nicht "nur" zu einem besseren Aussehen. Es geht auch um die Wiederherstellung von Funktionen. "Ziel ist, das wiederherzustellen, was verloren gegangen ist", sagt der Arzt.

Am Tag, als die AZ zu Besuch ist, kommt der sechsjährige Salem mit seinen Eltern in die Sprechstunde. Die Familie stammt aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Salem war drei Jahre alt, als er schwerste Verbrennungen erlitt. "Ich hatte die Streichhölzer versteckt", erzählt seine Mutter der AZ. Doch der Bub fand sie trotzdem. In einem unbeobachteten Moment zündelte er. Seine Kleidung fing Feuer, das Kind stand lichterloh in Flammen. Salems kleiner Bruder rannte panisch zur Großmutter, um Hilfe zu holen. "Er hat Salem das Leben gerettet", sagt sein Vater.

Was folgte, waren monatelange Krankenhausaufenthalte in mehreren arabischen Kliniken. Schließlich durfte der Bub wieder nach Hause. Doch Salem litt immer mehr darunter, wie er auf andere wirkte, berichtet seine Mutter. "Auf der Straße haben alle geschaut. Er reagierte extrem, wurde immer aggressiver. Er wollte nicht mehr nach draußen gehen."

"Ich bin schön!", sagt der Sechsjährige heute über sich

Dann erfuhr die Mutter von dem Spezialisten in Deutschland. Die ganze Familie reiste an, das Konsulat der Vereinigten Arabischen Emirate übernahm die Kosten der Behandlung. "Der Professor hat ihn wie seinen Sohn behandelt", sagt die Mutter über Salems Arzt. Mittlerweile ist der Sechsjährige in seinem jungen Leben 17 Mal operiert worden.

Der Bub tollt mit seinem kleinen Bruder durch das Büro von Milomir Ninkovic, hält dann aber ganz still, als der Arzt sein Gesicht untersucht. "Wir hätten nie gedacht, dass er eines Tages so aussieht", sagt die Mutter. "Heute macht er Selfies und sagt: ,Ich bin schön!’"

Als sich die Familie verabschiedet, stürmt der Sechsjährige auf Milomir Ninkovic zu, nimmt die Hand des Arztes und küsst sie zum Dank.


Hier können Sie für Brandopfer spenden

Die Behandlung von Brandverletzten ist nicht nur sehr kompliziert und langwierig, sie ist auch sehr teuer: bis zu 3.000 Euro am Tag. Um mittellosen Patienten, vor allem Kindern aus dem Ausland, zu helfen, gründete Ninkovics Vorgänger, Prof. Wolfgang Mühlbauer 1985 den Verein zur Förderung der Behandlung Brandverletzter (VFBB). Er übernimmt die Klinikkosten für bis zu vier Kinder im Jahr. Die Ärzte operieren ehrenamtlich. Der Verein ist auf Spenden angewiesen.

Wollen Sie spenden? Verein zur Förderung der Behandlung Brandverletzter (VFBB)
Konto: apoBank
IBAN: DE98300606010002458993
BIC: DAAEDEDDXXX
Website: https://www.vfbb.net/

 

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