Entschuldigung bleibt aus Scholl meldet sich nach Kritik bei VfB-Trainer Wolf

VfB-Trainer Hannes Wolf (links) und Ex-Bayern-Profi Mehmet Scholl. Foto: dpa

Die Aussagen von Mehmet Scholl zur Zukunft des deutschen Fußballs und sein Bashing gegen junge Trainer hat einen Sturm der Entrüstung entfacht. Scholl wiederum reagiert nur zögerlich darauf.

Stuttgart - Nach seinen provokanten Aussagen über die junge Trainer-Generation hat sich Mehmet Scholl bei VfB-Coach Hannes Wolf gemeldet, aber nicht um Entschuldigung gebeten.

"Er hat kurz geschrieben", sagte Stuttgarts Trainer am Montag und fügte auf die Frage nach einer Entschuldigung mit einem Grinsen an: "Das wäre nicht seine Art."

Scholl hatte die heutige Trainergeneration attackiert und Wolf und Schalkes Domenico Tedesco persönlich angesprochen. "Die Tedescos, die Wolfs - sie sprießen aus dem Boden und der deutsche Fußball wird sein blaues Wunder erleben", sagte der Ex-Nationalspieler.

Heidel hat einen Tipp für Scholl

Die namentlich genannten Tedesco und Wolf hatten zuvor souverän auf die Scholl-Attacken reagiert. "Ich mag ihn eigentlich sehr, vor allem seine Kreativität. Aber dass er sich jetzt moralisch über die Trainer stellt, die keine Profikarriere hatten, finde ich grenzwertig", sagte Wolf.

Schalkes Coach Tedesco mochte sich gar nicht erst näher mit der Meinung des 47-Jährigen befassen. "Ich finde, er war ein super Fußballer. Ich habe ihm immer sehr, sehr gerne zugeschaut als Kind. Ich glaube, der Fußball lebt davon, dass man unterschiedlicher Meinung sein kann, aber mich beschäftigt das nullkommanull", sagte der 32-Jährige am Samstag in Sky. "Von daher, alles okay, ich kann über ihn nichts Positives oder Negatives sagen, weil ich ihn schlichtweg nicht kenne."

VfB-Sportvorstand Michael Reschke ärgerte sich über die Aussagen des früheren ARD-Experten. "Ich hoffe, er weiß selber, dass es absolute Grütze ist, die er da erzählt hat", sagte der Manager. Klarer als sein Trainer konterte auch Schalkes Sportvorstand Christian Heidel die Aussagen des langjährigen Bayern-Profis.

"Ich kenne Mehmet ganz gut, wir hatten auch persönlich schon tolle Gespräche bis tief in die Nacht hinein, insbesondere über dieses Thema. Mein erster Eindruck war, an seiner Stelle wäre ich lieber mit dem Lada nochmal durch die Stadt gefahren, bevor ich so ein Zeug erzähle", sagte Heidel.

Der Gelsenkirchener hatte gleich einen Vorschlag parat. "Ich verstehe ihn, aber er kann es doch beweisen. Jetzt zu sagen, dass die jungen Trainer für den deutschen Fußball schlecht sind, da muss ich sagen: Mehmet, ran! Such dir einen Verein", riet Heidel. "Den Ansatz, den er gewählt hat, Trainer auch namentlich zu kritisieren, hätte er sich verkneifen sollen."

Wormuth: "Hilferuf eines Enttäuschten"

Die Aussagen von Scholl gefielen auch DFB-Chefausbilder Frank Wormuth nicht. "Inhaltlich entbehren diese Aussagen jeglicher Grundlage. Ich sehe nur einen Hilferuf eines Enttäuschten", sagte Wortmuth in der Bild über den früheren Amateurcoach des FC Bayern.

Scholl hatte in der Vergangenheit wiederholt polarisiert. Bei der EM 2012 etwa sorgte er für Aufregung, als er süffisant die Unbeweglichkeit des deutschen Stürmers Mario Gomez mit dem Satz beklagte: "Ich hatte zwischendrin Angst, dass er sich wund gelegen hat, dass man ihn wenden muss."

Den Witz fand Gomez nicht lustig, Scholl entschuldigte sich später. Vor einem Jahr ging Scholl den DFB-Chefscout Urs Siegenthaler nach dem EM-Viertelfinale gegen Italien an und riet ihm, er möge "morgens liegen bleiben, die anderen zum Training gehen lassen und nicht irgendwelche Ideen ...".

Dafür kritisierte ihn Bundestrainer Joachim Löw. Den Zuschauern aber gefiel Scholl, der als Nachfolger des ebenfalls preisgekrönten Fußball-Rentners Günter Netzer eingesetzt wurde. Nach einem Eklat beim Confederations Cup löste die ARD im Sommer den Vertrag mit dem ehemaligen Bayern-Profi allerdings auf.

Scholl hat "Maß und Form verloren"

Der Bund Deutscher Fußball-Lehrer (BDFL) verurteilte die provokanten Äußerungen von Mehmet Scholl zu jungen Trainern ebenfalls. "Eine ganze Zeit lang hat Scholl tatsächlich kluge Spielanalysen im Fernsehen beigesteuert, in der letzten Zeit hat er aber offenbar Maß und Form verloren", sagte BDFL-Vizepräsident Manfred Schaub in einer Mitteilung vom Montag.

Und er erklärte: "Zur Ausstattung eines Trainers gehören immer auch soziale Kompetenz und Umgangsformen - die aber lässt der Ex-Spieler, Ex-Trainer und Ex-Kommentator Scholl ein weiteres Mal vermissen, wenn er Trainerkollegen und Trainer-Ausbildung pauschal attackiert."

Wer einem nachlassenden Interesse an seiner Mitwirkung im Fußball mit lautstarkem Auftreten begegnen wolle, solle dies nicht auf dem Rücken anderer tun, sagte der 60-Jährige aus Baunatal weiter. Gleichzeitig räumte Schaub ein, dass es in der Trainingslehre wieder stärker auch um individuelle Fähigkeiten der Spieler gehen müsse. Das sei in Aus- und Fortbildung schon seit Monaten ein Thema. Das dürfe aber nicht dazu führen, die akribische Arbeit der letzten Jahre oder gar das hohe Niveau der jungen Trainer wie Julian Nagelsmann (1899 Hoffenheim), Hannes Wolf (VfB Stuttgart) oder Domenico Tedesco (Schalke 04) "unflätig anzugehen".

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