Entdeckungstouren Gruß vom Greeter

Bei einer Fahrradtour durch New York entdeckt man den Big Aplle von einer anderen Seite. Foto: J. Mc Donough/srt-Bild Archivbild

(srt) Steife Stadtführungen, die sich an geschichtlichen Jahreszahlen aufhängen und von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit eilen, sind out. In Zeiten von Social Media lässt man sich von Freunden in aller Welt durch ihre Heimat führen. Mit sogenannten Greeter-Programmen kann man fremde Städte aus einem anderen, viel privateren Blickwinkel kennenlernen. In immer mehr Orten auf aller Welt zeigen Einheimische ihren Gästen sehr individuell ihre Lieblingsplätze. Die Gäste zahlen dabei nur anfallende Kosten wie Eintrittskarten oder Bustickets und vielleicht eine Tasse Kaffee oder einen Snack beim gemeinsamen Gaststättenbesuch.

 

Lieblingsplätze in New York

Den Anfang nahm alles in New York. Die weitgereiste Lynn Brooks wollte ihre Heimatstadt Fremden so zugänglich machen, wie sie es auf Reisen erlebt hatte, wenn sie mit Einheimischen unterwegs war. 1992 gründete sie "Welcome Visitor", die Vorgänger-Organisation von "Big Apple Greeter". Mehr als 75000 Menschen nutzten seitdem die Gelegenheit, Amerikas größte Stadt aus dieser anderen Perspektive zu erleben. Gleichzeitig freuen sich die New Yorker, so das Vorurteil zurecht rücken zu können, ihre Stadt sei hektisch und unpersönlich. Etwa 400 Freiwillige zeigen ihre Lieblingsplätze in zwei- bis vierstündigen Führungen. Legendär sind die Familientouren mit vielen Geschichten unterwegs. Auch behindertenfreundliche Touren sind möglich. Nur sollte man sich - für jede Art von Führung - mindestens 14 Tage vor dem Wunschtermin anmelden. Infos: Big Apple Greeter, Telefon 001/212/669/8159, www.bigapplegreeter.org

 

Paris wie unter Freunden

Künstlerworkshops, Ausstellungen, Einkaufsbummel oder einfach nur ein Spaziergang über Montmartre oder durchs Quartier Latin mit einem Besuch des angesagtesten Cafés des Viertels: Eine Gruppe engagierter Pariser, vom Studenten bis zum Pensionär, begleitet Fremde durch Frankreichs Metropole. Wer spätestens zwei Wochen vor seinem Aufenthalt mit der Organisation "Parisien d'un Jour" Kontakt aufnimmt, der kann individuell vereinbaren, welchen Teil der Stadt er erkunden möchte und mit seinem Guide die Schwerpunkte der Tour planen. Maximal sechs Personen gehen dabei gemeinsam auf Entdeckungstour. Infos: Parisien d'un Jour, www.parisiendunjour.fr; Kontakt ausschließlich per Mail.

 

Familienausflug in Lyon

Lyon ist die gastronomische Metropole Frankreichs. Doch wo gehen die Einheimischen zum Essen, wenn es keinen besonderen Anlass gibt? Was lohnt sich zu besichtigen neben der historischen Weltkulturerbe-Altstadt? Oder gibt es gerade dort unbekannte Ecken, in denen man nicht nur auf Touristen trifft? Es kann auch mal ein richtiger Familienausflug werden, wenn man sich in Frankreichs drittgrößter Stadt einem Einheimischen anschließt. Das örtliche Fremdenverkehrsamt unterstützt und koordiniert das Greeter-Programm, welches das touristische Angebot Lyons auf persönliche Weise ergänzt.Infos: lyoncitygreeter@lyon-france.com, www.lyoncitygreeter.com; Anmeldung ausschließlich per Mail

 

Meet the People auf Jamaica

Es ist durchaus nicht ungewöhnlich, dass man auf Jamaica mit seinem Greeter einkauft und in der Küche steht. Schließlich zeigen sich die Besonderheiten eines Landes immer auch kulinarisch. Der Klassiker sind pikant-karibische Jerk-Hühnerschenkel, die viele der Freiwilligen gern zubereiten, wenn sie Gästen des staatlich geförderten Meet-the-People-Programms empfangen. Mit viel Enthusiasmus zeigen die Jamaicaner, dass ihr Land noch viel mehr zu bieten hat als Sonne, Strand und Reggaemusik. Infos: Visitjamaica Germany, Telefon 02104/832974, www.visitjamaica.com/meetthepeople

 

Mit dem Goodwill Guide in Korea

Gerade in einem Land wie Korea ist Gästen vieles fremd. Wie gut, wenn man jemanden hat, der einen freundschaftlich unterstützt und leitet. Rund 1000 Goodwill Guides, überwiegend Studenten, Hausfrauen und Rentner stehen im Rahmen des 2006 ins Leben gerufenen Programms zur Verfügung. Um einen von ihnen zu finden, füllt man möglichst schon einen Monat vor der geplanten Tour im Internet einen entsprechenden Bewerbungsantrag aus und wird bis fünf Tage vor Reiseantritt benachrichtigt, ob ein geeigneter Führer zur Verfügung steht. Den Status seiner Bewerbung kann man immer verfolgen. Infos: Korea Tourism Organization, Baseler Str. 35 - 37, 60329 Frankfurt, Tel. 069/233226, kntoff@euko.de, www. german.visitkorea.or.kr/gwguide.kto

 

Schwätzchen mit japanischen Hausfrauen

Schon mehr als 30 Jahre lang gibt es "Goodwill Guides" in Japan. Rund 47000 ehrenamtliche Reiseführer sind beim Japanischen Verkehrsamt JNTO registriert und helfen Langnasen aus Übersee bei der Orientierung. In 58 Orten sind eigene "Goodwill Guide Offices" eingerichtet. In Tokio, Kyoto und an einigen anderen Orten gibt es regelmäßige Rundgänge, zu denen man nur zu einem festen Zeitpunkt erscheinen muss. Andere Gruppen organisieren ganz individuelle Besucherführungen - etwa in der alten Kaiserstadt Nara. Mit den englischsprachigen Greetern, die dort täglich zwischen 9 und 17 Uhr zur Verfügung stehen, sieht man von der schachbrettartig errichteten Weltkulturerbestadt bestimmt mehr als im üblichen Touristenbus. Gebühren verlangen die japanischen Goodwill Guides wie alle anderen nicht. Wer mag, darf sie aber gern bei ihrem Englisch korrigieren - die meisten Goodwill Guides nutzen das Programm nämlich, um ihre Sprachkenntnisse zu verbessern. Infos:  JNTO, Telefon 069/20353, www.jnto.de. Nara YMCA Goodwill Guides, Telefon 0742/45/5920, www.eggnara.tripod.com/home.htm

 

Allgemeine Informationen:

Einen Überblick über Städte und Regionen, die dem weltweiten Netzwerk Globalgreeter angeschlossen sind, findet man unter www.globalgreeternetwork.info, Tipps und Adressen für Kontakte unterwegs unter www.traveldudes.de.

Speziell und ausschließlich an Frauen richtet sich das Netzwerk Women Welcome Women mit Mitgliedern in 84 Ländern von Algerien bis Zimbabwe: www.womenwelcomewomen.org.uk.

 

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