Energiewende Sonne scheint - Strompreis steigt

Ball paradox – Verbraucher zahlen für Überkapazitäten und Energiewende

 

MÜNCHEN Die gute Nachricht: Die Strompreise sinken. Die schlechte: Nicht für Verbraucher. Im Gegenteil. Auch im nächsten Jahr müssen die Endkunden mehr zahlen

Von 5,3 auf mehr mehr als 6 Cent dürfte die Energiewende-Umlage (EEG) steigen: Weil es so viel Sonnenenergie gibt, weil es zu viele Kraftwerke gibt, weil die Vertriebe kräftig hinlangen„weil „die Politiker alle versagt haben“, sagt der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV).

Am Strommarkt herrscht Ball paradox. Die Großhandelspreise an der Strombörse fallen ständig. Ein Grund: Die erneuerbaren Energien. Solar-Energie hat im Juli soviel Strom geliefert wie nie zuvor. 5,1 Terawatt (1 tw ist eine Milliarde Kilowatt).

Der Ökostrom tritt an der Börse, an der Erzeuger den Strom anbieten, in Konkurrenz zu den konventionellen Stromquellen. Die Folge aus dem Überangebot: Gestern kostete die Kilowattstunde (KWh) an der Strombörse EEX in Leipzig rund 3,7 Cent. Kalkuliert haben die Erzeuger mit fünf Cent, sagte Holger Krawinkel, Energie-Experte beim VZBV.

Die Erzeuger von Solar-Energie allerdings bekommen nicht den Marktpreis, sondern einen garantierten Fixpreis für ihre eingespeisten Kilowattstunden: Die Differenz zwischen Marktpreis und Fixpreis zahlt – der Stromkunde: Das ist im Energieeinspeisegesetz (EEG) geregelt. Das heißt, je niedriger der Strompreis und je mehr alternative Energie, desto mehr muss der Endkunde zahlen.

2013 beträgt die EEG-Umlage 5,3 Cent pro KWh. „Im nächsten Jahr dürften es rund 6,2 Cent werden“, sagt Energieexperte Krawinkel. Stichtag für die Erhöhung ist der 15. Oktober. Gut für die Bundesregierung, dann ist die Wahl gelaufen.

An der EEG-Umlage gibt es viel Kritik. Vor allem Klein- und Endverbraucher zahlen die Umlage, Großverbraucher nicht. Die Bundesregierung hat heuer eine Liste für Ausnahmeregelungen erweitert. Mehr als 2000 Großverbraucher wie die Bahn, die Metall-Industrie, aber auch Geflügelzüchter zahlen nur 0,05 Cent pro Kilowattstunde.

Verbraucherschützer Krawinkel kritisiert dennoch die hohen Vergütungen für die Solarstrom-Produzenten. „Wir haben 2008 und 2010 gefordert, die Vergütungen zu senken – keine Partei hat auf uns gehört.“ Der Trend werde sich nicht umkehren:

„Europaweit gibt es zu viele Kraftwerke“, sagt Krawinkel, „seit 2009 sinkt der Strompreis“. Nur der Verbraucher bekommt davon nichts mit.

Was tun? Sparen und wechseln! „Im ersten Schritt beim Versorger aus der Grundversorgung raus“, sagt der Verbraucherschützer, „dort werden Sie gemolken“. Und in den Vergleichsportalen nach Alternativen suchen.

Aber, so Krawinkel: Keine Verträge mit Kaution, keine mit Vorauszahlung abschließen.“ Matthias Maus

 

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