Energieberater-Interview "Heizen mit Öl und Erdgas ist bald Geschichte"

Der Energieberater Helmut Mager arbeitet seit über 10 Jahren als Referent mit dem Bauzentrum Poing zusammen. Foto: Bauzentrum Poing

Energieberater Helmut Mager spricht im Interview über die Energiewende

 

Herr Mager, Sie arbeiten seit mehr als zehn Jahren als Energieberater und Referent der Sonntagsvorträge mit dem Bauzentrum Poing zusammen. Können Sie sich noch an die Themen erinnern, die Ihnen und den Menschen zu Beginn Ihrer Tätigkeit wichtig waren? Helmut Mager: Die Heizungssanierung mit der Energie Erdgas oder Heizöl stand zu Beginn meiner Tätigkeit noch im Vordergrund.

Was beschäftigt den Hausbesitzer heute? Heute ist die Nachfrage nach regenerativen Energien, wie die thermische Solarenergie für Brauchwasser- und Heizungsunterstützung sowie Biomasseheizung (Pellets) im Vordergrund. Auch die Wärmepumpenheizung ist sehr aktuell.

Ist da die Energiewende dran schuld? Die Energiewende ist nicht entscheidend, sondern die stark gestiegenen Heizöl- Erdgas- und Strompreise.

Bei der Energiewende geht es um die Bereiche Strom, Wärme und Verkehr. Woran liegt es, dass in der öffentlichen Wahrnehmung das Thema Strom so gegenwärtig ist? Der Strompreis ist in letzter Zeit ständig am steigen, so dass sich der Verbraucher überlegen muss, wie er Strom sparen bzw. auch selbst erzeugen kann.

Welche Energieart ist aus heutiger Sicht die richtige? Und warum? Wegen der zukünftigen Versorgungsunsicherheit, der ständigen Preisspirale und aus Klimaschutzgründen scheiden in der Zukunftsüberlegung die Energien Heizöl- und Erdgas aus. Deshalb kommen folgende zukunftsfähige Energien in Frage: Biomasse (Pellets), am Besten kombiniert mit thermischer Solarenergie.

Die Fernwärmeenergie, erzeugt mit Biomasse (Hackschnitzel) oder Geothermie, ist absolut zu empfehlen. Außerdem kann mit dieser Energieart häufig auch noch Strom erzeugt werden. Auch ein Blockheizkraftwerk (BHKW) erzeugt Wärme und Strom zugleich und ist somit eine gute zukunftsfähige Investition. Die Stromerzeugung mit Photovoltaikanlagen in Verbindung mit einer Batteriespeicherung ist bereits aktuell.

Sollen wir in Zukunft nur noch Ökostrom verwenden? Ja, grundsätzlich sollten alle Haushalte in nächster Zeit auf Ökostrom umstellen, weil der Ökostrom nachhaltig ist und inzwischen auch preiswerter als Atomstrom und aus Braunkohle hergestellter Strom. Auch entstehen keine unermesslichen Entsorgungskosten wie bei Atomstrom. Dies betrifft vor allem die Entsorgung von Atomkraftwerken und die Atommülllagerung.

Was sind die Vorteile einer innovativen Haustechnik? Innovative Haustechnik schont das Klima, den Geldbeutel und amortisiert sich in jeden Fall während seiner Nutzungsdauer!

Beispiele für innovative Haustechnik:

1.    Pelletsheizung in Kombination mit thermischer Solaranlage.

2.    Wärmepumpe in Verbindung mit Fußbodenheizung und thermischer Solaranlage, außerdem sollte der Stromverbrauch für die Wärmepumpe über eine Photovoltaikanlage erzeugt werden.

Welche regenerative Anbindung einer Wärmepumpe ist zu bevorzugen? Es gibt verschiedene Arten von Wärmepumpen mit regenerativer Anbindung: mit Erdwärmesonde, Erdwärmekollektoren, Energiekörbe. Außerdem eine Anbindung an das Grundwasser, an die Luft und neuerdings Anbindung an die Eisspeichertechnologie. Eine Luftwasserwärmepumpe hat eine geringere Leistungskennzahl als die sonstigen regenerativen Anbindungen, sie hat somit den höchsten Stromverbrauch. Zu bevorzugen ist die Eisspeichertechnologie, sie benötigt keine Genehmigung und hat auch sonst keine Risiken.

Bietet die Landeshauptstadt München Förderprogramme zur Energieeinsparung an? Was wird gefördert? Die Stadt München fördert seit vielen Jahren sowohl regenerative Energien, wie zum Beispiel Blockheizkraftwerke, thermische Solarenergie oder Fernwärme,  als auch nachhaltige Maßnahmen, wie zum Beispiel das Dämmen von Wänden und Fenstern. Das aktuelle Förderprogramm ist sehr umfangreich. Außerdem gibt es Förderungen von der Bundesregierung (BAFA) und der KfW-Bank. Alle Förderprogramme sind inzwischen sehr umfangreich und komplex. Es sollte bei jeder Maßnahme ein fachlich kompetenter Energieberater eingeschaltet werden. Bei Förderungen durch die KfW-Bank ist dies bereits Pflicht. Bei jeder Sanierungsmaßnahme ist es sinnvoll, den Qualitätsstandart abzusichern, hierzu benötigt man eine fachliche neutrale Begleitung der Maßnahme. 

Wie hoch ist die jährliche Sanierungsrate von Heizungsanlagen bei Bestandsgebäuden? Mehr als 2,76 Millionen Öl- und Gasheizungen in Deutschland müssten dringend gegen effizientere Heizgeräte ausgetauscht werden. Denn sie sind mindestens 20 Jahre alt und damit technisch total überholt.

Wie sieht es bei der Gebäudesanierung generell aus? Derzeit liegt die jährliche Sanierungsrate bei den Bestandsgebäuden unter einem Prozent. Dies ist - gemessen an der Zielsetzung - ein katastrophaler Wert. Es wäre eine Rate in der Nähe von drei Prozent notwendig, um in 20 Jahren einen nachhaltigen Effekt zu erzielen.

Erreicht man damit die Energiewende? Nach den derzeitigen Zahlen wird die Energiewende im vorgegebenen Zeitraum nicht erreicht werden können. Dies liegt auch daran, dass die derzeitige Regierung bisher kein vernünftiges schlüssiges Konzept zu Stande gebracht hat. Es müssten viele dezentrale Energieerzeugungsanlagen entstehen, an denen die Bürger sich finanziell beteiligen können, dann würde die Energiewende sich erheblich beschleunigen.

Was versteht man unter einem energieautarken Haus?  Ein energieautarkes Haus ist ein Gebäude, in dem die thermische Energie zumindest mit ca. 65 Prozent mit Solarthermie erzeugt wird. Die restlichen 35 Prozent werden über einen wassergeführten Kaminofen in Verbindung mit Pufferspeicher ergänzt. Zusätzlich wird über eine Photovoltaikanlage der benötigte Haushaltsstrom erzeugt und über Batterien über ein paar Tage zwischengespeichert.

Geben Sie uns bitte einige Tipps zum Einsparen von Energie.

Zum Beispiel …

·         Richtiges Lüften, das heißt ca. zwei bis drei Mal am Tag fünf Minuten Stoßlüften - bis zu 30 Prozent an Wärme geht durch langes Lüften und Fensterkippen verloren. 

·         Effizientes Heizen mit dem durchgeführten hydraulischen Abgleich der Heizkörper und der Fußbodenheizung.

·         Geschirrspüler und Waschmaschine an Warmwasserversorgung anschließen - spart erheblich Strom.

·         Allgemein das Gebäude gut dämmen:

Dach- und Fassadendämmung, Kellerdeckendämmung, kompletter Fensteraustausch oder nur Glasaustausch mit Wärmeschutzgläsern, Erneuerung der Fenster- und Türendichtungen.

·         Statt Heizkörper Niedertemperaturflächenheizungen installieren.

 

Als Ihre Vision für das Jahr 2020 haben Sie einmal die “CO2 neutrale Gebäudeenergieversorgung“ genannt. Wo stehen wir heute? Die CO2 neutrale Energieversorgung ist bereits heute Realität, allerdings noch nicht in dem Umfang,  wie es dringend nötig wäre. Die Bürger müssten von der Presse besser informiert werden, was bereits im Jahr 2009 von der europäischen Union beschlossen wurde.

EU-Beschluss 2009:

Gebäude müssen ab 2019 ihre Energie selbst produzieren. Bis 2020 müssen die Treibhausgase um 20 Prozent gesenkt werden, ebenso der Energieverbrauch. Ab 31.12.2018 ist sicher zu stellen, dass alle neu gebauten Gebäude so viel Energie erzeugen, wie sie gleichzeitig verbrauchen. Die einzelnen Regierungen sollen festlegen, wie hoch der Anteil der Null-Energiehäuser bei bestehenden Gebäuden für 2015 bis 2020 sein soll. Öffentliche Einrichtungen sollen eine Vorreiterrolle übernehmen. In Dänemark ist bereits seit 1. Januar 2013 untersagt,  Öl- und Gasheizungen einzubauen.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Am Sonntag, 23. Juni 2013 spricht Energieberater Helmut Mager von 11 bis 12 Uhr im Technologiepavillon des Bauzentrums Poing zum Thema „Zukunftsorientierte Heizungssysteme – auch für den Wintergarten geeignet“. Im Anschluss an den Vortrag steht der Referent bis 13 Uhr für Fragen zur Verfügung.

Darüber hinaus finden im Bauzentrum Poing jeden Sonntag kostenlose Einzelberatungen statt, die maximal 30 Minuten dauern. Telefonische Anmeldung erforderlich: von Montag bis Donnerstag von 8 bis 19 Uhr unter 0 89/9 49-1 16 38. Am 23. Juni gibt es die individuelle Beratungen von 11 bis 16 Uhr zu den  Themen „Bau- und Energie“ sowie „Wohnen 50plus“.

Bauzentrum Poing - Jetzt auch mit professioneller Kinderbetreuung

Das Bauzentrum Poing bietet seinen Besuchern ab sofort eine professionelle Kinderbetreuung an. Sonntags kümmern sich zwei ausgebildete Betreuerinnen in der Zeit von 10 bis 17 Uhr um die kleinen Besucher. Das Spielzimmer ist mit Möbeln und Spielsachen kinderfreundlich ausgestattet. Neben freiem und angeleitetem Spielen werden je nach Jahreszeit verschiedene Bastelaktionen angeboten.

 

Mehr unter www.bauzentrum-poing.de

 

 

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