Ende eines Traditionshauses Das Café Arzmiller im Münchner Theatinerhof schließt

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.
Oskar Arzmiller vor seinem Café im Theatinerhof. Noch bis Ende des Jahres hat es geöffnet. Foto: Daniel von Loeper

Wegen der Generalsanierung des Theatinerhofes muss das Traditionshaus raus. Doch es gibt Hoffnung – und weiter Strudel.

 

München - Schon AZ-Spaziergänger Sigi Sommer war im Café Arzmiller Stammgast, hinterließ eine Widmung für "seine Oase des Friedens im Schatten der Theatinerkirche". Jetzt muss das Traditionscafé schließen, am 31. Dezember ist der letzte Tag.

Der Grund: Der Freistaat Bayern, Eigentümer des Theatinerhof-Komplexes, lässt das Gebäude generalsanieren, das ehemalige Kloster wird zur Großbaustelle.

Café Arzmiller: Seit 70 Jahren am selben Ort

Gegründet wurde das Café 1948 von Eduard Arzmiller, jetzt führt das Geschäft der Sohn, Oskar Arzmiller (71). Sein Anliegen ist es, alle Sinne anzusprechen. Deshalb fördert er in den Räumen des Cafés wechselnde Ausstellungen von Münchner Künstlern.

Zu den Olympischen Sommerspielen 1972 hatte der Freistaat den historischen Theatinerhof nach der Totalzerstörung im Krieg wieder aufbauen lassen. Bis dahin fuhren in der Theatinerstraße noch Autos und Trambahnen.

Arzmiller mit seinen berühmten Strudeln und Gugelhupfen war schon viel früher hier – in einer Behelfsbaracke. Nur während des Wiederaufbaus war das Arzmiller in der Böhmlerpassage. "Wir sind seit 70 Jahren mit dem Café am selben Ort. Da macht es mich traurig, dass wir schließen", sagt Arzmiller. "Hier habe ich mein Leben verbracht. Meinen 75. möchte ich aber im Theatinerhof feiern!"

Zweites Café in Harlaching

Zweieinhalb bis drei Jahre hat der Freistaat für die Generalsanierung veranschlagt. "Ich plane mit dreieinhalb Jahren", sagt Arzmiller. "Der Beginn der Bauarbeiten hat sich ja schon verzögert."

Eigentlich war die Sanierung bereits für Ende 2018 geplant. Doch erst im Juni erhielt Arzmiller heuer die Kündigung – mit der Zusicherung, dass er wieder einziehen kann. "Die Miete verteuert sich nur unerheblich um zehn Prozent", sagt Arzmiller. In München fast schon ein Schnäppchen.

Da die Pläne des Freistaats freilich lange bekannt sind, hat Arzmiller in der Grünwalder Straße in Harlaching ein zweites Café eröffnet. In der Innenstadt werden ab dem neuen Jahr die Arzmiller-Leckereien im Kaffeehaus Michael Dillinger in der Herzogspitalstraße 9 verkauft werden.

Letzter Tag am 31. Dezember

Doch mit dem Arzmiller verschwindet erst mal ein weiteres, traditionelles Kaffeehaus in der Altstadt.

Wie jedes Jahr hat das Arzmiller über die Weihnachtstage geschlossen. "Das sind die einzigen drei Tage im Jahr, an denen wir sicher nicht geöffnet haben. Das wollte ich mir auch heuer nicht nehmen lassen", sagt Arzmiller. Die vielen Stammgäste – 80 Prozent, so schätzt der Chef – werden an den letzten fünf Tagen vorbeischauen, einen handgemachten Strudel essen, einen Kaffee trinken und nostalgisch zurückblicken. "Wir sagen zum Abschied leise Servus", sagt Arzmiller, der kein Event aus dem letzten Tag an Silvester machen möchte. "Und wenn es mir gesundheitlich gut geht, sind wir zum 75. Firmenjubiläum wieder zurück."

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