EM-Kolumne Brehme: Die frühzeitige Debatte um die Feier war respektlos

Andreas Brehme, Ex-Nationalspieler. Foto: Augenklick

AZ-Kolumnist Andreas Brehme kritisiert die frühzeitige Debatte um die Siegesfeier, warnt aber davor, jetzt alles in Frage zu stellen.

 

Es fällt schwer, aber betrachten wir es positiv: Wir haben in den letzten sechs Jahren dreimal das Halbfinale und einmal das Finale eines großen Turniers erreicht. Das ist eine Quote, die sich sehen lassen kann und um die uns andere Nationen beneiden. Und Gott sei Dank ist die Mannschaft noch so jung, dass Lahm, Schweinsteiger, Neuer und Co. nicht die Generation der Unvollendeten bleiben muss.

Und ist der Weltmeister-Titel schließlich nicht noch mehr wert als der Triumph bei einer EM? Nüchtern betrachtet, hat am Donnerstag die talentierteste Mannschaft des Turniers gegen die stärkste Einheit verloren. Bei solchen Partien in dieser Phase von Turnieren entscheidet am Ende einfach die Tagesform. Und die war bei uns gegen Italien leider mangelhaft, was sicher auch eine mentale Geschichte ist.

Aber es macht jetzt keinen Sinn, alles in Frage zu stellen. Die Entwicklung, die wir genommen haben, ist absolut richtig und der Bundestrainer ist der richtige Mann am richtigen Ort – auch wenn Jogis Wechsel gegen Italien nicht aufgegangen sind; das Experiment mit Toni Kroos als Sonderbewacher von Pirlo hätte man sich sparen können. Aber im Nachhinein redet es sich immer leicht.

Eine Sache hat mich aber doch wirklich gestört: Die Diskussionen vor dem Halbfinale, wo denn nach einer Finalteilnahme die Feier stattfinden könnte, waren völlig unnötig und total verfrüht. Diese Gedanken hätte man sich auch am Freitag machen können, wenn man gegen Italien gewonnen hätte. Ich glaube zwar nicht, dass die Jungs Italien unterschätzt haben, aber diese Aktion habe ich ein wenig als respektlos empfunden.

 

2 Kommentare