EM-Kolumne Andi Brehme: "Unbeteiligt und mutlos"

Gegen Italien ohne Chance: Die Nationalelf um Holger Badstuber, Mats Hummels und Bastian Schweinsteiger. Foto: dapd

AZ-Kolumnist Andi Brehme ist zu traurig, um Italien Glück wünschen zu können fürs Finale. Er hadert mit dem deutschen Team und hofft, dass Löw nicht der Bundestrainer der vergebenen Chancen bleibt

 

Ich muss gestehen: Es fällt mir gerade etwas schwer, einen klaren Gedanken zu fassen.

Ausgeschieden! Im Halbfinale! Wieder gegen Italien!

Und gerade weiß ich gar nicht, was schlimmer ist: Der plötzliche Sekundentod 2006 in der 119. Minute der Verlängerung oder diese leider doch zu klare Angelegenheit.

Man muss es leider einfach so klar sagen: Italien steht verdient im Finale! Sie spielen ein fantastisches Turnier, ihre beiden Spiele gegen Spanien und England waren die besten der EM – und gestern haben sie gegen uns leider nochmal eine Schippe draufgelegt. Sollten sie Europameister werden, würde ich mich noch mehr freuen für sie als 2006.

Aber ehrlich gesagt ist das gerade ein sehr theoretischer Gedanke. Keine Ahnung, ob ich am Sonntag wirklich schon wieder so etwas wie Freude empfinden kann. Im Moment geht es mir jedenfalls so wie wahrscheinlich allen Fans da draußen. Ich bin unfassbar traurig! Unsere Jungs hätten den Titel verdient, diese Mannschaft war absolut reif dafür. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass wir eine stärkere Mannschaft haben als die Italiener. Und wer weiß, wie das Spiel ausgegangen wäre, wenn wir in den ersten zehn Minute den Führungstreffer erzielt hätten!

Haben wir aber nicht. Und darum steht nun als Bilanz dieser EM: leider wieder knapp gescheitert. Wie schon im Finale 2008 gegen Spanien und im WM-Halbfinale 2010 schienen sie mir zu viel Ehrfurcht vor der Aufgabe gehabt zu haben. Ich bin davon überzeugt, dass Jogi Löw absolut der richtige Mann an der richtigen Stelle ist. Er leistet sensationelle Arbeit. Aber ich hoffe, er wird nicht als Bundestrainer der vergebenen Chancen bleiben. Gut, dass in zwei Jahren die WM in Brasilien ist.

Bis dahin können wir noch einiges lernen. Haben Sie die Italiener gesehen, mit welcher Inbrunst sie vor dem Spiel ihre wunderschöne Hymne in den Warschauer Himmel geschmettert haben? Und haben Sie im Vergleich dazu unsere Jungs gesehen? Ich möchte jetzt keine Patriotismus-Diskussion vom Stapel treten, aber man kann solche Momente in positive Energie verwandeln. So wie es die Italiener gemacht haben. Oder man kann fast unbeteiligt dastehen und der Dinge harren. Wie es viele von uns gemacht haben. Kein Wunder, dass sie dann auch noch mutlos gespielt haben. Schade!

 

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