Eldorado muss schließen Das Kinosterben in der Sonnenstraße – Eine Abrechnung

Noch lacht sie: Catalina Navarro Kirner im Eingang des Eldorado. Foto: Peter Grenz

Das Eldorado muss dicht machen, Angestellte und Besucher des Kinos sind empört. Ein offener Brief der Schauspielerin und Billeteurin Catalina Navarro Kirner.

 

Liebes Eldorado-Publikum,
liebe Kino-Freunde,
Liebe Münchner!
Da war er wieder, der bange Blick und die kruschelige Frage: „Stimmt es wirklich, dass Sie schliessen?“

Und da sind auch wieder der Kloß, die Wut und die immergleiche Antwort: „Leider ja. Das Haus wurde an Vinzenz Murr verkauft. Der hat uns den Mietvertrag nicht verlängert. Das Kino wird nun zum Jahresende das Lager eines DM-Drogeriemarktes.“ Man muss wissen, um das Eldorado-Kino herum befinden sich bereits nicht weniger als drei DM-Drogeriemärkte, zwei Müller-Märkte und natürlich auch ein Rossmann!

Ich liebe meinen Job. Immer sonntags sitze ich an der Kasse des Eldorado-Kinos, davor saß ich gegenüber im Atlantis-Kino, das 2012 schließen musste. Das Eldorado gibt es seit 45 Jahren, es hat eine edle Teakholz-Vertäfelung, einen grünen Marmorboden, luxuriöse Sitzreihen und eine prächtige Leinwand mit allem Pipapo. Im Eldorado-Kino werden Filme gezeigt, die Kopf und Herz bereichern, und oft nur dort zu sehen sind.

Das Kino läuft gut, unsere Gäste wissen, was sie erwartet und sie werden nicht enttäuscht. Senioren, die mit dem Kino älter wurden, Menschen von weit weg, die für einen ganz bestimmten Film zu uns kommen, Studenten, Künstler, Promis, viele Einzelbesucher, aber auch ganze Familien mit Großeltern und Kindern, wir nennen sie: Unser Eldo-Publikum.

Sonntagvormittags treffen sich gerne Connaisseure zu ausgewählten Matinée-Filmen, am Abend besuchen uns dann Studentengruppen und Pärchen, aber am liebsten ist mir der Nachmittag, da kommen die Rentner, sie sind fein angezogen, freuen sich über herzliche Gespräche mit Gleichgesinnten und manchmal spüren wir alle ganz leise, dass man gerade ganz wunderbar einem dieser grausam-einsamen Sonntage in der Großstadt, gemeinschaftlich die Stirn bietet.
Doch egal wann, wer zu uns kommt, ein Kinobesuch hat immer etwas Feierliches und es ist etwas Besonderes, Menschen eine schöne Zeit verkaufen zu dürfen.

Im Eldorado gibt es Eiskonfekt, Schokolinsen, Manner-Kekse, Fritzlimo und Piccolo, glückliches Personal, wertvolle Kinokunst und Kinosessel, die einen zu umarmen scheinen, wenn man mal für zwei Stündchen der Realität entfliehen möchte, oder darf, oder muss. Im Rossmann dagegen gibt es Shampoo und Zahnpasta – genau dieselbe wie bei DM, oder Müller. Herz und Verstand gibt es dort nicht und am Sonntag ist er geschlossen.

Gerade eben wurde unser Kino für viel Geld digitalisiert. Aber das Eldorado kämpft nicht. Denn gegen den Kapitalismus und seine Gesetze lässt sich bekanntlich nichts machen, dass sagen zumindest alle da Oben und schauen auf den Boden.
Was aber sage ich unseren Kunden? Vor allem jenen mit den bangen Augen, denen nun wieder ein Zufluchtsort genommen wird? Ich weiss es nicht und habe ja jetzt selbst bange Augen. Denn was wird von unserer Stadt in Zukunft bleiben, was den Namen „Unsere Stadt“ verdient?

Ihre
Catalina Navarro Kirner

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