Eishockey-Legende im AZ-Interview Heiß schlägt Alarm: "Die Haie sind gefährlich"

Peppi Heiß warnt: Der EHC sollte Halbfinal-Gegner Köln nicht unterschätzen. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

DEL-Halbfinale zwischen München und Köln: Eishockey-Legende Peppi Heiß, der lange bei den Rheinländern spielte und später Co-Trainer beim EHC war, spricht in der AZ über die Kontrahenten.

 

Der deutsche Rekord-Nationaltorwart spielte von 1988 bis 2001 bei den Kölner Haien, von 2012 bis '14 war er Co-Trainer beim EHC Red Bull München. Die beiden Teams treffen im DEL-Halbfinale aufeinander.

AZ: Herr Heiß, im DEL-Halbfinale trifft der EHC Red Bull München, bei dem Sie mehrere Jahre Co-Trainer waren, auf die Kölner Haie, bei denen Sie gefühlte Ewigkeiten im Tor standen. Wer ist für Sie, den Co-Trainer des ERC Ingolstadt, der Favorit in dieser Serie?

PEPPI HEISS: Die Rolle des Favoriten, die muss schon an die Münchner gehen. Sie haben eine sehr gute reguläre Saison gespielt, aber ich denke, dass die Serie sehr viel enger wird, als sich viele das vielleicht vorstellen. Die Haie haben im Viertelfinale gegen die Eisbären Berlin sehr gut gespielt, sie haben dort Selbstvertrauen getankt. Sie sind ja nach einer wirklich schlechten regulären Saison noch in die Playoffs gekommen, dann siehst du gegen die Berliner schon wie der klare Verlierer aus, doch dann feierst du eine Art sportliche Auferstehung und ziehst doch noch ins Halbfinale ein. Die spielen jetzt sicher mit sehr, sehr breiter Brust. Das wird gefährlich für München, keine Frage. Und, das muss man sagen: Sie spielen eben auch klassisches Playoff-Eishockey, da muss man dagegenhalten.

Mit den Eisbären Berlin und den Iserlohn Roosters sind bereits der Zweite und Dritte der regulären Saison gescheitert. Überraschend?

Mei, es zeigt einfach, wie eng in dieser Saison alles ist. Die Saison hat alle viel Kraft gekostet, weil es keine Spiele gibt, wo man mal einen Gang runterschalten kann. Und ich kenne das ja aus meiner eigenen Karriere noch gut: Manchmal spielst du eine grandiose reguläre Saison, dann stehst du in den Playoffs – und dann geht gar nichts mehr zusammen. Es klingt floskelhaft, aber so ist der Sport eben.

Für München läuft es aber bisher sehr gut, anders als im Vorjahr, als man als Hauptrundenzweiter sieglos in den Playoffs rausflog.

Aber die Mannschaften von damals und jetzt kann man nicht mehr miteinander vergleichen, die haben ja den halben Kader ausgetauscht. Die Mischung scheint jetzt zu stimmen, sie haben sich unter der Saison stetig gesteigert, haben die Straubing Tigers relativ klar ausgeschaltet und dadurch einige Tage zusätzliche Erholung, das wird ihnen guttun. Als die größte Gefahr bei den Haien sehe ich, dass ihnen irgendwann nach diesen harten Spielen im Viertelfinale die Kräfte ausgehen. Das wird München nicht passieren, sie haben einen Riesenkader, können das abfangen. Köln kann zwar seine total verkorkste Saison jetzt irgendwie noch retten, aber es besteht auch die Gefahr, dass man zufrieden ist, weil man ja eh schon mehr erreicht hat, als zu erwarten war. Wenn sie dann zwei Spiele am Stück verlieren sollten, könnte es schon sein, dass irgendwo tief innendrin etwas sagt: War doch eh schon gut bis jetzt, das passt.

Wie wichtig ist ein Spieler wie Steve Pinizzotto, der eisenharte EHC-Stürmer, für ein Team in den Playoffs?

Das kann schon entscheidend sein, denn der kann spielen, richtig gut spielen, aber eben auch den anderen eine auf die Nase geben. Ich halte nichts von Spielern, die nur zum Knüppeln da sind, aber sonst nichts können. Wie er das macht, finde ich aber gut. Er stellt sich vor die Mannschaft. Jeder weiß: Wenn es Ärger gibt, dann ist einer da, der die anderen beschützt.

Und für wen schlägt das Herz in diesem Halbfinale? München oder Köln?

Da halte ich mich vollkommen raus. Mein Herz schlägt für meinen Neffen, den Marcus Weber, der mit Nürnberg im zweiten Halbfinale gegen Wolfsburg steht. Dem drücke ich alle Daumen, die ich habe.

 

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