Eishockey-Idol im AZ-Interview Erich Kühnhackl: Ein Kleiderschrank wird 65

Wird am Samstag 65: Deutschlands Eishockey-Idol Erich Kühnhackl- Foto: dpa

Landshut. Erich Kühnhackl war der Superstar im deutschen Eishockey. Mit seinem Heimatverein EV Landshut und den Kölner Haien holte er insgesamt vier deutsche Meistertitel. Bei Olympia 1976 in Innsbruck gewann er mit der Nationalmannschaft sensationell Bronze. Im AZ-Interview spricht er über seinen 65. Geburtstag, die Situation im deutschen Eishockey  - und er verrät, wie er sich fithält.

AZ: Herr Kühnhackl, am Samstag feiern Sie 65. Geburtstag. Wie geht’s Ihnen? Wie fit ist „Deutschlands Eishockeyspieler des Jahrhunderts“?
ERICH KÜHNHACKL: Topfit! Ich bin in der Woche vier, fünf Mal mit dem Rad unterwegs, damit ich fit bleibe – und mein Gewicht halte. Ab und zu spiele ich auch ein bisschen Golf. Das hat eine beruhigende Wirkung auf mich.

Und wie oft stehen Sie im Winter noch auf den Schlittschuhen?
Montags trainiere ich beim Eislaufverein immer die Alten Herren. Ansonsten bin ich während der Saison manchmal bei Wohltätigkeitsspielen dabei. Meine Erich-Kühnhackl-Stiftung zur Unterstützung von Nachwuchsmannschaften macht außerdem eine Weihnachtsaktion für Vereine, bei der die Klubs einen Trainingstag und Trikots geschenkt bekommen, und da bin ich auch immer vor Ort und gehe mit aufs Eis. Es gibt auch Anfragen, wenn mal ein neues Stadion eröffnet wird oder ein Kumpel sich in der Nachwuchsarbeit engagiert – da komme ich dann gern vorbei. Insofern bin ich schon noch recht oft auf dem Eis.

Ganz ohne geht’s nicht. Wäre schlimm, wenn Ihnen der Doktor das verbieten würde, oder?
Man kann ja ab und zu mal dem Doktor widersprechen – wenn es der Gesundheit hilft.

Wie feiern Sie Ihren Ehrentag?
Ich bin kein Typ, der groß feiert. Meine Familie und die Enkelkinder haben schon gefragt, ob sie was Größeres machen sollen. Ich hab’ gesagt: ‘Nee, mir ist es lieber, wir gehen irgendwo Kaffeetrinken oder zum Abendessen.’ Samstagvormittag spiele ich noch ein Golf-Turnier in Landshut, danach treffen wir uns im kleinen Kreis, nur mit der Familie.

Also kein großes Hallo mit den alten Eishockey-Spezln?
Das haben wir gerade am vergangenen Wochenende gehabt! Da hat der Bayerische Rundfunk eine Sendung über die Olympia-Mannschaft von 1976 gemacht, und wir haben uns alle in Innsbruck getroffen, an der Stätte des Triumphs. Es waren zwar nicht alle, ein paar sind ja schon verstorben, aber zehn Spieler waren da. Wir waren oben am Berg Isel, wo damals der Einmarsch der Nationen war, dann unten im Eisstadion, und am Abend gab’s noch ein schönes Abendessen.

Eine schöne Idee.
Fand ich auch. Man konnte mal in Erinnerungen schwelgen. Wir sehen uns ja auch nicht jeden Tag. Mir hat’s unglaublich gefallen, richtig schön!

Was ist Ihre stärkste Erinnerung, wenn Sie an ‘76 denken?
Wenn man vor Ort ist, kommen natürlich total viele Erinnerungen hoch. Bei dem einen dieses, bei dem anderen jenes. Was bei mir persönlich immer da ist, ist dieses tolle Gefühl, Teil einer Mannschaft gewesen zu sein, die eine Medaille bei Olympischen Spielen errungen hat.

Im Moment sieht es eher nicht nach Medaillen aus. Bei der letzten WM landete das deutsche Team auf Platz zehn, weit abgeschlagen, wie meistens in den letzten Jahren. Woran liegt es, dass das deutsche Eishockey nicht auf die Füße kommt?
Ich glaube, dass wir jetzt auf einem guten Weg sind. Weil viele, die im Eishockey etwas zu sagen haben, erkannt haben, dass es wichtig ist, sich für den Nachwuchs zu engagieren – und dass es jetzt auch getan wird! Man ist unglaublich zusammengerückt. Dass das nicht von heute auf morgen Früchte trägt, ist klar. Aber es ist in der letzten Zeit einiges Positives passiert. Das macht mich zuversichtlich.

Seit Juli ist der ehemalige NHL-Star Marco Sturm General Manager und Nationaltrainer. Sein erster Job als Coach und dann gleich Bundestrainer: Geht das gut?
Ja. Es ist eine schwere Aufgabe, aber Marco hat sehr viel Erfahrung und in der Öffentlichkeit ein gewisses Standing dank seiner Zeit in der NHL. Er wird sich mit Sicherheit die richtigen Leute an seine Seite holen, und ich wünsche ihm viel Glück und das richtige Händchen. Dann wird er’s schon schaffen.

Ihr Sohn Tom wäre mit seinen 23 Jahren ja auch einer für den Sturm. Wie geht es ihm drüben in der AHL?
Er hat in Pittsburgh ein relativ gutes Camp gespielt, sich dann aber verletzt. Ich hoffe natürlich, dass er bald wieder fit ist und weiterhin seine Chance sucht – und auch bekommt.

Wie oft sind Sie drüben bei ihm?
Mindestens zwei, drei Mal im Jahr. Meistens Anfang der Saison im Oktober/November, dann über Weihnachten und Neujahr und nochmal zum Saisonende. Er ist mit 18 in die Staaten gezogen.

Sie sind im selben Alter damals 1968 von der Tschechoslowakei nach Deutschland geflüchtet.
Geflüchtet kann man nicht sagen. Wir sind ja ausgewandert, hatten schon mehrfach einen Antrag auf Familienzusammenführung gestellt, der dann genehmigt wurde, gerade zur Zeit des Prager Frühlings. Mit der aktuellen Flüchtlingssituation kann man das nicht vergleichen.

Haben Sie noch Freunde und Bekannte in Ihrer Heimat Citice?
Alle, die mit mir zur Schule gegangen sind und mit denen ich Eishockey gespielt habe, leben noch da. Die besuche ich ab und zu, wenn ich mal da bin.

Mochten Sie eigentlich Ihren Spitznamen „Der Kleiderschrank auf Kufen“?
Mei, und wenn er mir nicht gefallen hätte? Was hätte ich schon tun können?

Wie haben die Mitspieler Sie genannt?
Das sind Namen, die entstehen, wenn man sich innerhalb der Mannschaft mal irgendwas erlaubt hat oder irgendein Ding gedreht hat. Das sind Spitznamen, die nur die Mitspieler verstehen und sonst niemand – manchmal ist das auch besser so...

 

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