Eishockey-Idol "Auch in Amerika kennt ihn jeder" - Kühnhackl wird 65

Erich Kühnhackl beim Weltmeisterschaftsspiel gegen die DDR am 01.05.1983. Foto: dpa

Erich Kühnhackl steht für deutlich bessere Zeiten im deutschen Eishockey. "Der Lange" aus Landshut wird am Samstag 65 Jahre alt. Seine Wünsche sind bescheiden.

 

Landshut - Gründe zum Feiern hatte Erich Kühnhackl in seinem bisherigen Leben genug. Zu seinem 65. Geburtstag an diesem Samstag bevorzugt der deutsche Eishockeyspieler des vergangenen Jahrhunderts ein ruhiges Fest im engsten Kreis. "Diese ganz großen Dinge, die habe ich früher immer gehabt. Aus dem Alter bin ich jetzt raus", sagte Kühnhackl der Deutschen Presse-Agentur vor seinem Ehrentag.

Davon muss er nun noch seine Familie überzeugen. "Die sind immer wieder bei mir vorstellig geworden und wollten wissen, was wir denn nun machen. Ob wir jetzt 500 Leute einladen oder ob wir irgendwo hinfahren." All das soll es nicht geben. "Meine Familie und die Enkelkinder, der ein oder andere echte Freund - das ist dann okay." Auch bei seinen Wünschen bleibt das deutsche Eishockey-Idol ganz bescheiden: "Das Wichtigste ist immer, dass man selbst und die Familie gesund ist."

Keine Lust auf NHL

Diese Bodenständigkeit hat Kühnhackl immer schon ausgezeichnet. Zu Beginn der 1980er Jahre hatte er als Profi der Kölner Haie die Chance, bei den New York Rangers in der NHL anzuheuern. "Ich war da mal einen Monat in New York. Die hatten Interesse, aber ich bin dann lieber in Deutschland geblieben", erzählte Kühnhackl, als sei es das Selbstverständlichste der Welt. Er hatte bereits Familie, das Wagnis war ihm zu groß. "Ich hätte es vielleicht mal versuchen sollen. Aber bereut habe ich es nicht", sagte "der Lange" aus Landshut, mit seinen 1,97 Metern von imposanter Statur.

"Er schaut immer noch aus wie 50", meint Bundestrainer Marco Sturm über Kühnhackl, der mit seiner unveränderten Langhaar-Frisur immer noch wie Günter Netzer aussieht und sich seit dem Ende der Karriere äußerlich in der Tat kaum verändert hat.

Der Olympia-Dritte von 1976 war in einer Zeit aktiv, in der Eishockey als Mannschaftssportart in Deutschland in ihrer Popularität nicht weit hinter dem Fußball rangierte. In den 70er und 80er Jahren waren Eishockeystars wie Kühnhackl, Alois Schloder, Udo Kießling, Gerd Truntschka oder Dieter Hegen auch Nicht-Eishockeyfans ein Begriff. Diese Zeiten sind längst vorbei. Fußball entwickelte sich zum globalen Hochglanz-Spektakel mit Milliarden-Umsätzen. Eishockey verschwand in der regionalen Nische.

"Er ist einfach eine Legende."

Nicht aber Kühnhackl. Er war Bundestrainer, Jugend-Nationaltrainer, Vereinscoach, Sportdirektor, Vizepräsident des Deutschen Eishockey-Bundes und ist mit der Erich-Kühnhackl-Stiftung immer noch ein Förderer des Eishockey-Nachwuchses. "Er hat viel für das deutsche Eishockey getan", sagte Bundestrainer Sturm: "Er ist einfach eine Legende." Sturm kommt wie Kühnhackl aus Landshut, wagte einst eine gute Dekade nach Kühnhackls vergebener Chance den Sprung in die NHL und ist mit 1006 Partien deutscher Rekordspieler in der stärksten Liga der Welt. Populärer in Deutschland ist Kühnhackl dennoch bis heute. "Auch in Amerika kennt ihn jeder", versicherte Sturm.

Selbstverständlich ist das nicht. Kühnhackl wuchs hinter dem Eisernen Vorhang auf. 1950 wurde er nur deshalb in Citice in der damaligen Tschechoslowakei geboren, weil seine deutschstämmigen Eltern nach dem Krieg mit der Übersiedlung nach Deutschland zögerten. "Meine Schwestern, Tanten und Omas sind schon 1945 raus, mein Vater wollte erst eine oder zwei Wochen später - und dann war die Grenze zu." Etliche Ausreiseanträge seines Vaters wurde abgelehnt - bis 1968.

Dass es für die gesamte Familie dann nach Landshut ging, lag am außergewöhnlichen Talent des inzwischen 17-jährigen Erich. Der war beeindruckt vom Besuch des damaligen tschechischen Trainers des EV Landshut, Karel Gut, bei den Kühnhackls jenseits der Grenze. "Gut war ein Idol in der CSSR - ein wahrer Meister des Sports. Er hat mich gefragt, ob ich nicht nach Landshut kommen will. Und so kam meine Familie eben nach Landshut", berichtete Kühnhackl.

Mit dem EVL wurde er zu besseren Zeiten des Clubs zweimal deutscher Meister (1970, 1983), ebenfalls zwei Titel errang er mit den Haien (1977, 1979). 1976 gewann er in Innsbruck mit Deutschland sensationell Bronze bei Olympia. Bei der WM 1978 und Olympia 1984 wurde er jeweils Topscorer. Kein Nationalspieler nach ihm erreichte bislang Kühnhackls 131 Länderspieltore. Im Jahr 2000 wurde er zu Deutschlands Eishockeyspieler des Jahrhunderts gewählt.

 

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