Eishockey Boss Bochanski: "EHC endgültig tot!"

Tief frustriert: EHC-Boss Jürgen Bochanski. Foto: Rauchensteiner/AK

EHC-Boss Bochanski berichtet nach dem Aus seines Klubs von Tränen und Wut, er beklagt das fehlende Engagement der Stadt und erklärt, warum Eishockey in München ohne Chance ist

AZ: Herr Bochanski, nachdem die Verhandlungen mit der Stadt über eine Rettung für den EHC gescheitert sind, ist der EHC, den Sie nach dem Ende der Barons im Jahre 2002 am Leben erhalten haben, nun nur noch Geschichte.

JÜRGEN BOCHANSKI: Ja, und das tut sehr weh. Ich bin in meinem Leben viele Dinge angegangen, habe eine Firma aufgebaut. Aber mit der Idee, Eishockey in München zu etablieren, bin ich jetzt gescheitert. Mit tun die Mitarbeiter, die Spieler, die Fans besonders leid. Die Jugend, denen jetzt die Vorbilder vor Ort genommen werden. Ich habe in den letzten Stunden sehr viele Tränen gesehen, sehr viel Wut erlebt. Aber die Stadt hat sich nicht dazu durchringen können, ein Bekenntnis zum EHC, zum Eishockey in München abzugeben.

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Als letzten Rettungsanker hatte der EHC versucht, eine fraktionsübergreifende Empfehlung an die Stadtwerke zu erwirken, als Namenssponsor beim EHC einzusteigen.

Das Paket, das wir geboten haben, war gut. Es gab viele Stadträte, die für uns gekämpft haben. Aber selbst das hat nicht gereicht. Aber das ist ja nichts Neues. Neun Jahre lang hat man uns ja nicht wirklich wahrgenommen.

Sie sprachen die Wut an: Die ist auch gegen Sie gerichtet. Als Gesellschafter und Geschäftsführer tragen Sie Mit-Verantwortung für das Scheitern des EHC.

Ich verstehe den Ärger und auch das Unverständnis der Fans. Das ist immer so. So lange man brav füttert, bekommt man Liebe zurück, sobald man nichts mehr gibt, wird nach der Hand geschnappt. Ich würde mich in der Situation nicht anders fühlen, wenn ich mich in die Lage der Fans versetze. Klar, wird gesagt: Warum macht man nicht noch weiter? Ich kann nur sagen, die Taschen sind leer. Man kann nichts zahlen, wenn man nichts mehr dafür auf der Seite hat. Ich habe auch eine Firma, bin für über 100 Mitarbeiter verantwortlich. Ich kann nicht Geld aus der Firma ziehen und in Eishockey stecken. Und ich will lieber gar nicht nachrechnen, wie viel Geld...

Es sind Millionen...

Ja, wie viel Geld ich in Eishockey investiert habe. Aber es geht nicht mehr. Wir Gesellschafter sehen doch, dass es so weitergehen würde. Es sind Millionenverluste, die aufgelaufen sind. Und es gibt nichts, was einen hoffen lässt, dass sich daran was ändert.

Unschuldig ist man an der Situation auch nicht gerade...

Ja, wir haben Fehler gemacht. Wir haben in wichtigen Positionen mehrfach die falschen Leute eingestellt, wir haben Verträge mit Sponsoren geschlossen, die uns am Ende Geld kosteten, weil wir dachten, dass durch die Leuchtkraft dieses großen Namens am Ende andere Sponsoren kämen und sich das amortisieren würde. Aber hier in München ist es eben einfach extrem schwierig. Das beste Beispiel war doch die volle Halle, eines der großen Highlights des EHC, als wir die Olympiahalle mit über 11000 Zuschauern ausverkauft haben. Und was kam dabei raus?

Ein Verlust?

Wir haben 40000 Euro Verlust gemacht. Weil alle Beteiligten immer nur die Hand aufgehalten haben und sich keiner auf uns zu bewegt hat. Als ich das alles gesehen habe, war für mich klar, dass ich mich auf jeden Fall zurückziehen werde. Wenn man à la Don Quichotte gegen Windmühlen anrennt, wird man des Kämpfens irgendwann müde. Dann gewinnen eben die Windmühlen.

Was bedeutet der Sieg der Windmühlen für das Eishockey in München?

Ich denke, da muss man sich keinen Illusionen hingeben: Das Ende des EHC bedeutet, dass Eishockey in München endgültig gescheitert ist, es ist endgültig tot. München will wohl kein Eishockey in München, sondern nur Fußball. Eigentlich auch das nicht. Man will wohl nur den FC Bayern, denn wenn 1860 nicht seinen Araber als Investor hätte, wären die auch pleite. Was hier fehlt, ist die Perspektive.

Die eine neue Multifunktions-Arena geboten hätte.

Sicher. Als Michael Philipps 2007 als Gesellschafter eingestiegen ist, waren wir im Büro des damaligen Olympiapark-Chefs Wilfrid Spronk. Da hingen die Pläne für die neue Halle. Spätestens 2012 sollte die stehen. Jetzt haben wir 2012 und wieder ist alles auf die lange Bank geschoben. Vielleicht 2016 – aber wer weiß das schon. All das hat dazu geführt, dass wir sagen: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

 

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