Einfach Wunder-Saar 1. FC Saarbrücken: Aufstieg in 3. Liga steht fest

Die Pokalsensations-Seriensieger: Nach Erfolgen gegen Regensburg, Köln, Karlsruhe und Düsseldorf stehen die Blauschwarzen vom FC Saarbrücken als erster Viertligist im Pokal-Halbfinale - wie schon 1957, 1958 und 1985. Foto: GES/Augenklick

Noch-Viertligist Saarbrücken empfängt im Halbfinale des Pokals Leverkusen. Der Klub hat eine bewegte Historie, unvergessen ist der 6:1-Sieg im Jahr 1977 über die Bayern. Die könnten Gegner im Endspiel sein.

 

München - Als es geschafft war und die vermaledeiten sechs Jahre in der Regionalliga endlich Vergangenheit waren, brachen die Dämme. Und das, obwohl der Klub-Präsident gerade erst vor "ausgelassenen öffentlichen Feiern, Autokorsos und spontanen Zusammenkünften" gewarnt hatte.

DFB-Pokal-Halbfinale gegen Bayer Leverkusen

Egal, als vor ein paar Tagen der Aufstieg des 1. FC Saarbrücken in die 3. Liga feststand, bildete sich in der City ein bierseliger Jubel-Korso der Fans, in den sich einige Spieler samt Trainer, Sportdirektor und Vize-Präsident hineinziehen ließen. Kapitän Manuel Zeitz meinte: "Man wird nicht jeden Tag Meister, manche Spieler nur einmal im Leben." Präsident Hartmut Ostermann war so sauer, dass er angeblich die Unterzeichnung unterschriftsreifer Verträge aussetzte.

Denn sein FCS hat auch nach dem lang ersehnten Aufstieg noch was vor: Das DFB-Pokal-Halbfinale gegen Bayer Leverkusen am Dienstag (20.45 Uhr, ARD und Sky). Sozusagen als Sahne auf der Kirsche winkt das Finale in Berlin, womöglich gegen den FC Bayern, der am Mittwoch Eintracht Frankfurt empfängt.

An den hat man an der Saar ja die allerschönsten Erinnerungen. Auf der Festplatte jedes FC-Fans ist ein Datum für die Ewigkeit eingebrannt: 16. April 1977. Ein warmer, sonniger Frühlingstag, wohl der schönste, den dieses Stadion je gesehen hat. Denn gegen die Bayern-Ikonen Maier, Müller, Beckenbauer, Schwarzenbeck und Rummenigge hieß der Held Roland Stegmayer, der vier Treffer zum 6:1 der Saarländer beitrug. Beim FC damals im Tor: Dieter Ferner, zweimaliger B-Nationalspieler, später US-Meister mit Chicago Sting und heute mit 71 Vize-Präsident des FCS. Nur zu verständlich, dass der zur Feier des Tages am Ur-Pils nicht vorbei kommt, hat er doch die wechselvolle Geschichte dieses Klubs so viele Jahre begleitet.

Klaus Toppmöller: "Der FC Saarbrücken ist zu allem fähig"

Der 1. FC Saarbrücken: 37. der Ewigen Bundesligatabelle, Gründungsmitglied, fünf Jahre in Liga eins, bislang letztes Bundesligaspiel: 29.5.1993, 1:4 gegen Stuttgart, Torschütze des letzten FCS-Bundesligatreffers: Eric Wynalda, der US-Sonnyboy. Die großen Erfolge stammen aus einer anderen Zeit: Gaumeister Westmark 1943 und 1944, Deutscher Vizemeister 1943 und 1952. Von 1948 bis 1951 spielte man als FC Sarrebruck außer Konkurrenz in der französischen Liga, besiegte als erste deutsche Mannschaft Real Madrid (4:0) und entwickelte sich durch die vielen Freundschaftsspiele zum internationalen Zugpferd. Fifa-Präsident Jules Rimet adelte den FCS als "interessanteste Mannschaft Europas". Verdammt lang her.

Die Bundesliga-Jahre des FCS gerieten zu Achterbahnfahrten, auch dank so spezieller Spieler wie Werner Lorant, Felix Magath, Andy Brehme, Bernd Förster, Anthony Yeboah, Jonathan Akpoborie, Stephan Beckenbauer, Manni Bender, Dieter Müller, Michael Preetz, Wolfram Wuttke sowie der Trainer Jupp Derwall, Otto Rehhagel, Hans Tilkowski, Uwe Klimaschewski, Klaus Schlappner, Peter Neururer, Rüdiger Abramczik, Thomas von Heesen, Rudi Bommer, Michael Henke, Falko Götz. Nicht zu vergessen Klaus Toppmöller, der beim Pokal-Fight am Dienstag gleich zwei Ex-Klubs zu sehen bekommt.

Der 68-Jährige sagt: "Der FCS ist zu allem fähig." Nach Siegen gegen Regensburg, Köln, Karlsruhe und Düsseldorf stehen die Blauschwarzen als erster Viertligist im Pokal-Halbfinale, wie schon 1957, 1958 und 1985. Und wenn alles gut geht, wird es das letzte Spiel sein, das der FCS im nur 6.800 Zuschauer fassenden Ausweichquartier in Völklingen bestreitet.

Bald abgeschlossen? Umbau des Ludwigsparkstadions

Denn so ärgerlich es ist, solch ein Spiel coronabedingt vor leeren Rängen bestreiten zu müssen, so haben die Saarbrücker doch von den virusbedingten Verlegungen profitiert. Denn nun besteht die Chance, dass der schon vier Jahre dauernde Umbau des Ludwigsparkstadions rechtzeitig zum Saisonbeginn fertig wird. 62 Jahre lang hatte der FCS seine Heimspiele in dem auf Kriegsschutt errichteten Stadion bestritten, damals noch vor mehr als 50.000 Zuschauern. Kostenpunkt damals: 95 Millionen Francs. Zum Eröffnungsspiel 1953 kam Rotweiß Essen mit einem gewissen Helmut Rahn, der da noch nicht weltberühmt war. Wenig später empfing das autonome Saarland in der WM-Quali die deutsche Nationalmannschaft. Das Saarland hatte gute Chancen auf die WM, verlor aber unglücklich 1:3. Wie es Fritz Walter & Co. erging, ist bekannt, Stichwort "Wunder von Bern".

Nachdem es den FCS in den 90ern bis hinab in die Oberliga gespült hatte, war das zu Bundesligazeiten 39.000 Zuschauer fassende Stadion viel zu groß. Seit 2016 findet der Umbau im Bestand statt, nach dem 16.000 Fans Platz finden sollen, mit der Option, auf 18.000 zu erhöhen. Ursprünglich waren Baukosten von 16 Millionen geplant – nach zig unerwarteten Kostensteigerungen und einem Baustopp liegt man derzeit schon bei 50 Millionen, was die hochverschuldete Stadt Saarbrücken in arge Nöte bringt. Alternativen sind nicht in Sicht: Im ganzen Saarland gibt es keine Spielstätte, die die Anforderungen der 3. Liga erfüllt. Sogar ein Umzug nach Frankreich ins benachbarte Metz war im Gespräch, was der DFB jedoch ablehnte. Nun hofft man, im Oktober die runderneuerte Spielstätte einweihen zu können.

Könnte also sein, dass das ein oder andere Münchner Team bald wieder im Ludwigspark antritt. Vor vielen Jahren gastierte dort mal der Regionalligist FC Bayern II, und die FCS-Fans sangen zur Melodie von "Bruder Jakob": "FC Bayern, FC Bayern, weißt du noch? Weißt du noch? Erste Bundesliga, erste Bundesliga: 6:1, 6:1!"

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