Eine ungewöhnliche WG Familie Rist hat 150 Fledermäuse im Dach

Alexander Rist zeigt auf die Plakette „Fledermäuse willkommen“. Foto: dpa/AZ

Familie Rist beherbergt   seit mehr als 20 Jahren über hundert Fledermäuse. Dafür gab es eine Auszeichnung des Umweltministeriums.

 

Sie kommen früh morgens, bevor es hell wird, sagt Alexander Rist. Und sie warten aufeinander. „Sie sammeln sich und kreisen vor dem Giebel, bis die gesamte Kolonie zusammen ist. Dann erst fliegen sie rein.“ Jeden Morgen wiederholt sich diese Szene vor Rists Haus in Maierhöfen im Landkreis Lindau. Unter dem Dach beherbergt die Familie seit Jahren Fledermäuse. Mehr als 150 Tiere sind es. Für ihr Engagement zum Schutz dieser vom Aussterben bedrohten Tierart hat die Familie eine Auszeichnung vom bayerischen Umweltministerium erhalten. „Fledermäuse willkommen“ steht auf der Plakette, die an der Haustür prangt. „Schön ausschauen tun sie ehrlich gesagt nicht“, sagt Rist. Und wenn sich mal eine junge Fledermaus durch ein gekipptes Fenster oder eine offene Tür ins Treppenhaus oder Schlafzimmer verirrt, sind Frau und Tochter wenig begeistert.

Fledermäuse sind vom Aussterben bedroht

Trotzdem stört sich niemand im Haus an den Gästen, die jedes Jahr im Frühjahr zur Aufzucht ihrer Jungen den Dachboden beziehen und erst im Herbst wieder ausfliegen. Seit mehr als 20 Jahren geht das so. „Wir leben schon immer mit den Tieren im Haus und tun es auch gerne. Sie stören uns nicht und gehören irgendwie zur Familie“, sagt Rist. Vor zehn Jahren hat das bayerische Umweltministerium die Aktion „Fledermäuse willkommen“ ins Leben gerufen, um die Lebensbedingungen der fliegenden Säugetiere zu verbessern.

Wer sich für den Schutz der Tiere einsetzt, indem er Fledermaus-Quartiere erhält und bei Sanierungen berücksichtigt, wird mit einer Plakette samt Urkunde ausgezeichnet. Bis heute wurden nach Ministeriumsangaben mehr als 1500 Urkunden ausgehändigt. „Unsere heimischen Fledermäuse gehören zu den am stärksten vom Aussterben bedrohten Tierarten. Wir müssen deswegen alle Anstrengungen unternehmen, diese Artenverluste zu stoppen“, sagt Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU). Seit 1985 stehen Fledermäuse im Zentrum eines speziellen bayerischen Artenhilfsprogramms.

Die Bemühungen haben sich gelohnt: Wie das LfU mitteilt, hat sich in den vergangenen Jahren bei den meisten in Bayern vorkommenden Fledermausarten der Bestand erkennbar erholt. In Bayern sind 23 verschiedene Fledermausarten heimisch. Bei der Familie Rist hat sich „aller Wahrscheinlichkeit nach“ die Zwergfledermaus einquartiert, wie Alexander Rist sagt. Vor zwei Jahren sei jemand wegen einer Studienarbeit bei ihnen gewesen und habe die Tiere gezählt. 162 Fledermäuse seien es damals gewesen. Laut Rist beherbergt er damit eine der größten Fledermaus-Kolonien im Landkreis Lindau. Rist würde ohne seine Fledermäuse etwas fehlen. So sehr hat er sich daran gewöhnt, sie allabendlich von der Terrasse aus zu beobachten, wenn sie wieder ausfliegen. „Manchmal muss man allerdings den Kopf einziehen, weil sie ganz schön knapp an einem vorbei fliegen.“

 

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