Eine neue Serie auf Netflix Katharina Eyssen schreibt eine Serie über Kaiserin Sisi

Sisi (Romy Schneider) und ihr Kaiser (Karlheinz Böhm) in der klassischen Verfilmung von Hubert Marischka. Foto: dpa

Die Münchner Autorin Katharina Eyssen schreibt derzeit für Netflix eine Serie über Kaiserin Sisi

 

Weihnachtszeit ist immer noch „Sissi“- Zeit, aber der filmische Blick auf Glanz und Abgründe der Höfe hat sich in den letzten Jahren dramatisch geändert ohne das Massenpublikum zu verlieren. Dafür sprechen Erfolgsserien wie „The Young Victoria“, „The Crown“ und Kinofilme wie „Die Queen“. Höchste Zeit also, dass auch die aus Bayern stammende österreichische Kaiserin Elisabeth für die neuen Sehgewohnheiten spannend aufbereitet wird. Katharina Eyssen schreibt derzeit die Drehbücher für eine erste Staffel von „Sisi“, die bei Netflix laufen wird.

AZ: Frau Eyssen, derzeit sind drei verschiedene Sisi-Serien in der Vorbereitung, zwei davon in Deutschland, eine in den USA.
KATHARINA EYSSEN: Als wir mit Netflix in die Planungen des Projekts gegangen sind, wussten wir nichts von anderen neuen Sisi-Serien. Wir haben damals einen Ansatz gefunden, von dem wir absolut überzeugt sind. In welchem Stadium sich die anderen Projekte nun befinden, weiß ich nicht.

Wann haben Sie denn mit den Vorbereitungen begonnen?
Ich war Head-Autorin für den Netflix-Dreiteiler „Zeit der Geheimnisse”. Als wir im vergangenen August in der Fertigstellung der Miniserie waren, kam die Frage auf, was als nächstes folgen könnte. Wir wollten unbedingt etwas Historisches machen und überlegten, welche Figur denn Potenzial hat. Da kamen wir relativ schnell auf Sisi.

Waren Sie in Ihrer Kindheit ein großer Sisi-Fan?
Ich bin mit den „Sissi“-Filmen aufgewachsen, habe sie mir zu Weihnachten immer angeschaut. Daher hatte ich auch ein bisschen Sorge, dass diese Bilder beim Schreiben in meinem Kopf zu dominant sein könnten. Tatsächlich sind sie automatisch aus meinem Kopf verschwunden, sobald ich mich hingesetzt und zu schreiben begonnen habe.

Jetzt müssen Sie ein bisschen Realität zum Sisi-Mythos beigeben.
Auf jeden Fall! Obwohl das auch ein wenig zweischneidig ist. Man muss das, was die Menschen im Schlafzimmer besprechen, frei interpretieren können, und was die Personen für innere Beweggründe hatten, muss ebenfalls Teil einer dramaturgisch freien Interpretation sein, damit die beste Geschichte erzählt wird. Aber alles, was an historischen Fakten drumherum erzählt wird, muss stimmen. Das kann man heutzutage nicht mehr so machen wie damals in den „Sissi“- Filmen. Den historischen Kontext müssen wir sehr korrekt erzählen.

Es gibt ja nicht gerade wenige Bücher über die Kaiserin, wie haben Sie sich vorbereitet?
Ja, ich habe in der Tat sehr viel gelesen, auch das Standardwerk „Kaiserin wider Willen“ von Brigitte Hamann sowie Sisis poetisches Tagebuch. Zudem waren wir mit Experten in Wien in Kontakt. Irgendwann stellt man fest, dass jeder Experte seine eigene Interpretation dieser Figur hat. Und diese müssen wir nun auch finden. Den politischen Kontext zu erarbeiten, das Habsburger Reich, die Krim-Krise, alle Konflikte, die einen großen Einfluss auf die kaiserliche Familie gehabt haben müssen – das war schon sehr komplex.

Welchen Ausschnitt aus Sisis Leben wollen Sie erzählen?
Wir arbeiten ja noch an den Drehbüchern, es kann sich immer etwas ändern. Aber nach derzeitigem Stand wollen wir mit dem Kennenlernen von Sisi und Kaiser Franz Joseph I. beginnen und kurz ihre bayerische Herkunft und ihr Leben dort beleuchten, allerdings mit einem differenzierteren Blick als im „Sissi“-Film.

Richtet sich die Serie an ein deutsches Publikum?
Klar, Netflix hat ein globales Publikum. Eine riesige Chance! Am Beispiel von „The Crown“ und anderen royalen Serien sieht man, wie sie auch außerhalb des heimischen Marktes ein internationales Publikum begeistern können. Das erste Ziel ist aber natürlich, dass die Serie einem deutschsprachigen Publikum gefällt. Wir versuchen, auch beim Casting unbedingt die Österreicher mit einzubinden, das Habsburger Reich ist ja schließlich ihre Kerngeschichte.

„The Crown“ soll angeblich bis zu 16 Millionen Euro pro Stunde zur Verfügung gehabt haben, was man der Ausstattung auch ansah. Erreicht Ihr Budget ähnliche Dimensionen?
„The Crown“ war sicher eine große Ausnahme. Naturgemäß sind historische Stoffe etwas teurer in der Produktion, weil Kulisse und Kostüme aufwendig sind. Vor allem braucht man aber eine gute Geschichte, ein schönes Set allein genügt da bei weitem nicht.

Sisi war doch auch eine ziemliche Zicke – wie sagen Sie das jetzt den Fans?
Sagen wir mal so: Das Kapriziöse, das ihr in der späteren Zeit nachgesagt wurde, ist die Reaktion auf die vielen Verletzungen, die ihr zuvor zugefügt wurden. Und genau davon wollen wir erzählen. Wir wollen erst einmal die Sisi zeigen, bevor sie zu dieser kapriziösen Frau wurde. Ich denke, dass sie eine junge Frau war, die von Dingen geträumt hat, die viele junge Menschen heute als eher selbstverständlich sehen: ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Die Realität am Wiener Hofe im 19. Jahrhundert war eine andere. Wie Sisi damit umgegangen ist, dass sie unweigerlich an Grenzen gestoßen ist und Schicksalsschläge ertragen musste, das macht ihre Figur dann so besonders.

Wie weit folgen Sie Sisis Leben in der ersten Staffel?
Wenn man Sisis ganzes Leben in sechs oder acht Folgen packen würde, dann bleibt man episodisch und oberflächlich. Was uns interessiert, ist, in die Tiefe zu erzählen. Wir nehmen uns nur einen Zeitraum von wenigen Monaten vor: Wir zeigen vor allem die ersten Monate am Wiener Hof.

Die Serie wird ja auch von der Darstellerin der Sisi getragen werden müssen. Wissen Sie schon, wer es sein wird?
Wir versuchen, eine bislang möglichst unbekannte Darstellerin zu finden, um dem Zuschauer zu ermöglichen, diese Figur als neue Sisi ganz unvoreingenommen anzunehmen. Das gilt auch für die Rolle des Kaisers und der anderen jungen Darsteller. Das Casting läuft auch. Wir freuen uns über einen sehr großen Zulauf. Sisi hat ganz klar nichts von ihrer Anziehungskraft verloren.

Haben Sie jetzt im Vorfeld noch einmal genau Peter Morgans „The Crown“ angeschaut und analysiert?
Ich liebe „The Crown“. Aufgrund ihrer Hauptfigur Elisabeth II. ist die Serie allerdings sehr kontrolliert und elegant, finde ich. Unsere „Sisi“ wird hingegen in ihren emotionalen Ausschlägen nach oben wie nach unten viel wilder sein.

 

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