Ein Zentrum für das Digitalisieren Besuch in der Bayerischen Staatsbibliothek: Eine Zeitreise

Der Haupteingang der Bayerischen Staatsbibliothek an der Ludwigstraße mit den vier Gelehrten (v. l.) Thukydides, Homer, Aristoteles und Hippokrates, die in München die „vier Heiligen Drei Könige“ genannt werden. Foto: Sigi Müller

Die Bayerische Staatsbibliothek hat Millionen alte Schätze in ihrem Bestand – ist aber auch ein Vorreiter bei moderner Digitaltechnik.

 

München - Natürlich kennt jeder das beeindruckende Gebäude der Bayerischen Staatsbibliothek, im Volksmund kurz „Stabi“ genannt, an der Ludwigstraße und wer davon ausgeht, dass darin Bücher aufbewahrt werden, hat natürlich recht. Aber halt nur zum Teil. Es wird dort nicht nur aufbewahrt, sondern archiviert, katalogisiert und natürlich digitalisiert – und das ist nicht eben mal schnell gemacht.

Etwa 10,2 Millionen Exemplare besitzt die Stabi, 4,5 Millionen davon befinden sich in der Ludwigstraße. Man kann sich vorstellen, dass da nicht eben schnell mal alles durchgescannt wird. Bereits Ende der 90er Jahre entschied man sich für die Digitaltechnik, obwohl damals noch meist auf Film archiviert wurde. Eine zu der Zeit mutige, aber auch sinnvolle Entscheidung. Mittlerweile ist die Staatsbibliothek ein Know-how-Zentrum für das Digitalisieren und entwickelt mit namhaften Herstellern zusammen neue Techniken, denn Geräte für diese speziellen Anwendungen gab es vorher nicht und sie müssen zum Teil auch heute noch eigens entwickelt und gefertigt werden. So ist man immer bemüht, auf dem neuesten Stand zu sein. Der Umgang und die Aufbewahrung von Büchern selbst ist natürlich auch eine Wissenschaft für sich.

Im Idealfall sollten die Bücher bei konstant 19 Grad Celsius, bei einer Luftfeuchtigkeit von 50 Prozent und natürlich im Dunkeln aufbewahrt werden. Als noch kein Papier verfügbar war, schrieb und druckte man auf bearbeitete Tierhaut, also Pergament. So auch das Bayerische Reinheitsgebot aus dem Jahre 1516. Natürlich dachte ich an eine alte, gerollte Urkunde mit vielen Siegeln und Unterschriften. Das Reinheitsgebot ist aber eine Seite auf feinstem Pergament gedruckten Buches, welche die Anordnung beinhaltet. Die Stabi hat übrigens vier Stück davon.

Als das Buch vor mir liegt, sieht es aus wie neu. Und dass es Pergament (statt Papier) ist, ist für mich als Laien zunächst nicht erkennbar. Erst als ich es anfassen darf, bekomme ich einen Eindruck von dem Material. Feinstes Pergament wurde verwendet. Das Dokument, welches in diesem Jahr 500 Jahre alt wird, schaut vergleichsweise unscheinbar aus. Die Wahrheit liegt auch hier im Detail: Nicht ein pompöses Dokument ist wichtig, sondern dessen Inhalt, der ja hier ganz klar die Bierzutaten und das Brauen regelt und somit für ewig unterband, dass abgeschnittene Finger, Galle, Tollkirschen und vieles mehr dem Bier beigemischt wurden. Ein Gesetz, um Schaden vom Volke abzuwenden.

Das Ganze hat natürlich schon eine Aura, wenn man vor einem Buch steht, das 500 Jahre alt ist. Und man überlegt, was in dieser Zeit alles passiert ist. Man kann sich die Sorgfalt vorstellen, mit der damals die Buchdrucker gearbeitet haben. Zwar gab es den Buchdruck da schon gut 60 Jahre, trotzdem war es natürlich sehr aufwendig und wertig, so ein feines Pergament herzustellen und zu bedrucken. Faszinierend.

 

0 Kommentare