"Ein Wunder, dass Luise überlebt hat" Doppelmord von Höfen: Jetzt spricht der Nachbar

Viele Polizisten stehen am 26. Februar 2017 in der Zufahrtsstraße zum Haus von Luise (kl. Foto) in Höfen, wo sich der grausige Raubüberfall abgespielt hat. Foto: F: Gebert/dpa, Schramek/AZ-Archiv

Mordfall Höfen: Zwei Menschen sterben, aber die Hausbesitzerin (76) ist zurück am Ort des Schreckens. Wie es ihr heute hinter Panzerglas geht, weiß der bekannte Promi-Wirt, der lange neben ihr gewohnt hat.

 

Höfen - Man könnte meinen, Kay Wörsching habe schon alles erlebt. Glanz und Glamour, Abstürze und Todesfälle. Jahrzehntelang ist er Mittelpunkt der Münchner Schickeria – mit seinem plüschigen Kult-Lokal Kay’s Bistro (siehe unten) am Viktualienmarkt, in dem die Kellner halbnackt Stars wie Mick Jagger, Caterina Valente und Leonard Bernstein bedienen. 27 Jahre wohnt der Promi-Liebling, der heute die Champagneria im Karstadt am Bahnhofsplatz betreibt, in Grünwald neben Modezar Rudolph Moshammer († 64).

Deshalb ist Kay Wörsching nach Höfen gezogen

Nach Mosis tragischem Tod 2005 zieht Kay Wörsching mit seinem Mann Achim Neumann nach Höfen, knapp drei Kilometer von Königsdorf entfernt (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen). Er will Abstand zum verrückten Promi-Zirkus, sucht nach Ruhe und Frieden. Dass seine neue Nachbarin Luise S. (76) zehn Jahre später einen bestialischen Raubüberfall über sich ergehen lassen muss, der deutschlandweit für Gänsehaut sorgt, mit dem Leben kämpft und zur Kronzeugin wird, kann zu dem Zeitpunkt niemand ahnen.

Es beginnt alles "so wunderschön", wie sich Kay Wörsching in der AZ erinnert. "Höfen ist ein idyllischer Weiler, herrlichstes oberbayerisches Voralpenland, Natur pur." Als die beiden Männer vor über zehn Jahren einziehen, bekommen sie von ihrer neuen Nachbarin Luise einen "reizenden Willkommensbrief": "Sie schwärmte von den wunderschönen Hochmooren und der tollen Natur."

Aus Nachbarn werden Freunde

"Luise ist eine liebe, nette Frau", sagt Kay. "Sie war sehr kommunikativ, immer mit ihrem roten Auto unterwegs. Sie hat hervorragend gebacken, Schwarzwälder Kirschtorten kamen von ihr über den Zaun und fantastische Käsekuchen oder noch warme Apfelkücherl. Auch ihre Weihnachtsplätzchen waren gigantisch." So gut wie die Plätzchen von Alfred Bioleks Mutter und seiner eigenen Mama, wie Wörsching meint. Das will was heißen.

"Das große Hobby von Luise", erinnert er sich weiter, "waren ihre Rosen. Die waren wirklich prachtvoll. Sie hat sogar bei einem Rosenpflegekurs mitgemacht." Zwischen schönen Blumen und duftenden Kuchen scheint die Welt in bester Ordnung.

Grausames Gewaltverbrechen - Zwei Gäste sterben, Luise überlebt schwerstverletzt

Bis zu diesem einen Freitag Anfang des Jahres. In den Abendstunden geschieht die schreckliche Tat, da ist sich heute die Staatsanwaltschaft sicher (AZ berichtete). Die verwitwete Luise hat zwei Bekannte († 76, † 81) zu Besuch, als sie "unter massiver Gewalteinwirkung", wie es später im Bericht heißen wird, von drei Männern in ihrem Haus überfallen werden.

Die Einbrecher stehlen Bargeld in fünfstelliger Höhe, Schmuck- und Wertgegenstände, misshandeln die Opfer.

Luises Gäste sterben, sie selbst wird erst zwei Tage später aufgefunden – schwerst verletzt. Es besteht akute Lebensgefahr. Sie muss ins künstliche Koma versetzt werden, wird rund um die Uhr bewacht, da sie die einzige Zeugin des blutigen Doppelmords ist. Und Luises Nachbar?

Zwei Tage vor der Schreckenstat ziehen Kay und Achim um Richtung Wolfratshausen.

Nachbar Kay Wörsching: "Es ist ein Wunder, dass Luise überlebt hat"

"Der Umzug hat vielleicht unser Leben gerettet", so Wörsching. "Es ist entsetzlich und furchtbar, was Luise erleiden musste." Trotz des Umzugs wollten sie mit ihr in Kontakt bleiben, für den Frühling war ein Fest in Luises Garten geplant – ihr neuer Holz-Pavillon sollte eingeweiht werden. Da liegt sie aber noch im Koma. Gerade erst sind Kay und Achim in ihrer alten Heimat gewesen. Höfen steht weiter unter Schock.

Sie besuchen die andere Nachbarin, sprechen über das, was viele hier noch immer nicht glauben können. "Luises Haus ist abgeriegelt wie Fort Knox. Es gibt schusssichere Scheiben, eine Polizistin wohnt bei ihr. Es ist überhaupt ein großes Wunder, dass Luise das überlebt hat."

Wie geht es der Kronzeugin heute? "Leider geht es ihr nicht gut. Sie hatte nach ihren schweren Verletzungen monatelang einen totalen Gedächtnisverlust, hat heute dauernd Schwindel und fällt oft hin." Der Prozess gegen die drei polnischen Männer und die Frau, die bei Luise zuhause gearbeitet hatte, soll im nächsten Jahr beginnen. Kay Wörsching geht das alles sehr nahe. Leise sagt er: "Das Leben ist ein Rätsel."


KAY'S BISTRO - Das kultige Wohnzimmer der Stars in München


Kay Wörsching mit US-Star Jackie Collins und ihrem damaligen Mann in Kay’s Bistro.

Es war voller Plüsch und Samt, ziemlich kitschig, aber total kultig: Kay's Bistro in dem efeuumrankten Haus am Viktualienmarkt (heute ist dort das Goldene Kalb) etablierte sich ab 1974 zum Wohnzimmer der Stars – und der Münchner Schickeria. Und Kay Wörsching war mehr als ein Wirt. Mit seiner charmant-fröhlichen Art wurde er zum Freund und Beichtvater, zum König, der allabendlich Hof hielt.

Ob Mick Jagger oder Boris Becker, Hildegard Knef (sie sang sogar über Kay’s Bistro) oder Gina Lollobrigida, Alain Delon oder Zsa Zsa Gabor – sie alle liebten das Ecklokal, das bis 2005 ein einzigartiges Gesamtkunstwerk war.

 

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