Ein Wochenende mit...Wolfgang Roucka Weltreise dahoam

Der Schwabinger Fotograf Wolfgang Roucka schlendert gerne über den Viktualienmarkt – natürlich mit seiner Kamera. Foto: Daniel von Loeper

Hier erzählen bekannte Münchner von ihrem Wochenende. Heute: der Fotograf und Galerist Wolfgang Roucka, der sich mit seiner Kamera gerne auf die Spuren der weiten Welt macht

 

Der Galerist und Fotograf(72) ist ein Münchner Urgestein und gilt aufgrund seines bekannten Ladens als Posterkönig von Schwabing.

Ich bin zwar in Passau geboren, mich hat es aber schon mit 18 Jahren hinaus in die Welt gezogen, nach München, in die nördlichste Stadt Italiens. Hier habe ich mit meiner „Geliebten“, meiner Linhof-Technorama-Kamera, ein Auge für südländisches Flair entwickelt.

Deswegen gehe ich am Wochenende auf eine 48-Stunden-Weltreise. Ich habe zwar gerade mehrere Wochen Faschingszeit hinter mir, da bin ich in der Narrhalla aktiv: Geldbeutel waschen am Aschermittwoch, das traditionelle Fischessen (obwohl ich eigentlich keinen Fisch mag).

Jetzt wäre eigentlich die Fastenzeit dran, aber das ist nichts für mich, ich brauche Action.

Als Frühaufsteher – ich habe gerne möglichst viel vom Tag – geht es am Samstag auf den Viktualienmarkt, warum auch nicht schon um 6 Uhr. Mein geliebtes Krustenbrot hole ich bei der Bäckerliesl, alleine schon, um die Familie Forstner zu begrüßen. Die sind seit 1953 am Platze, in dem Laden geht einem das Herz auf. Da fühle ich mich dahoam.

Anschließend einen Stehkaffee gegenüber im Café Karnoll. Wenn ich dann noch mit meiner geliebten Linhof auf der Fotojagd „Freiwild“ entdecke, dann sind damit natürlich die süßen Früchtchen bei Exoten Müller gemeint: Tamarinden aus Thailand, Baby-Ananas aus Ghana, Papaya aus Brasilien und frische Datteln aus Marokko.

Dann noch die Rose von Jericho am Duftstandl, da kann so ein Wochenende schon mal zur außergewöhnlichen Safari werden – allerdings zur Zeit ohne tropische Temperaturen.

Ich finde, so ein Bummel über den Viktualienmarkt ist eine Art Reise um die Welt. Und sollte am Flughafen mal wieder gestreikt werden, kann man dort auch im Auktionshaus noch schnell einen fliegenden Teppich aus Pakistan ersteigern. Hoffentlich springt der bei Bedarf an.

Mittags mache ich einen Zwischenstopp im Café Wedekind in der Feilitzschstraße, direkt gegenüber meiner Galerie. Die habe ich von da aus bestens im Blick. Oder ich gehe zum Maxi Eisenrieder in die Conditorei Münchner Freiheit. Oder zum Mittagsmenü ins österreichische Lokal Waldfee in der Occamstraße.

Am Nachmittag besuche ich vielleicht noch das Drugstore, dieses Restaurant mit dem französischen Flair unter dem Heppel & Ettlich in der Feilitzschstraße. Und auch der Abend bleibt natürlich international: bei einer Peking-Ente im Chinarestaurant Hong Kong in der Tengstraße oder bei griechischer Küche in der Taverne, der ich bis Ende Dezember gegenüber wohnte, dem Parea in der Kaiserstraße.

Zu später Stunde geht es dann mit der 27er Tram noch zum Sendlinger Tor, wo mein Freund und Narrhalla-Präsident Günther Grauer in seiner Bar, dem Roy, mit einem Gläschen Champagner oder einem Spritz zur Verdauung auf mich wartet. Ich kann mir das gönnen, denn die Tram bringt mich wieder wohlbehalten zum Elisabethplatz, wo ich jetzt seit zwei Monaten wohne.

Der Sonntag beginnt mit warmem Wasser im Freien – im Dantebad. Aber wenn man im Sprudelbecken die Augen schließt und an Palmen denkt, könnte es auch die Südsee sein.

Mittags im Restaurant Italy in der Leopoldstraße noch die Pasta auf der Zunge zergehen lassen, anschließend in den Englischen Garten zum Chinesichen Turm oder in den Olympiapark ins Sealife, die karibische Unterwasserwelt erleben.

Dann den Olympiaberg erklimmen, in die Ferne blicken und denken: da hinten liegt die große, weite Welt. Rund um den Globus an einem Wochenende – und trotzdem dahoam. Grad schee is.

Protokoll: Florian Zick

 

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