Jeden Freitag erzählt in der AZ ein bekannter Münchner von seinem Wochenende. Heute: der Kabarettist Philipp Weber.

 Meine Freundin und ich sind totale Kunstglotzer. Ein Sonntag sieht bei uns meistens so aus, dass wir erst irgendwo essen gehen und danach zum Maximiliansforum oder dem Haus der Kunst schlendern. Wobei die Aufgaben dabei klar verteilt sind: Meine Freundin sucht die Kunst aus und ich das Wirtshaus.
 
Ich muss sagen: Bevor ich meine Freundin kennen gelernt habe, habe ich mich für Kunst nicht sonderlich interessiert. Mir war dieses Kunstgetue einfach zu elitär, ich habe das immer mit einem bildungsbürgerlichen Dünkel verbunden. Aber meine Freundin hat mir da einen anderen Zugang verschafft. Sie hat Design studiert und seitdem ich sie kenne, ist auch meine Leidenschaft für die Kunst entbrannt. Ich kann in Ausstellungen wahnsinnig gut entspannen, egal ob's jetzt in den Pinakotheken ist, dem Aktionsraum Lothringer13 oder den kleinen Galerien bei uns in der Oberen Au.
 
Die Obere Au ist sowieso ein tolles Viertel, so ein richtiger Kiez. Man hat hier alles, was man braucht, man muss gar nicht raus. Da kann dann auch ich mein Wissen voll ausspielen. Meine Hauptleidenschaft ist nämlich das Essengehen. Ich habe auch gerade ein Buch geschrieben: Eine Parodie auf Kochbücher. Da sind zwölf absolut nicht nachkochbare Rezepte drin, die dafür kulturhistorischen Wert haben. Da gibt's dann zum Beispiel das „Ragout vom Mammut“, so heißt das Buch auch. Die humoristischen Kochgeschichten sind auch lustig und tiefgründig illustriert und dreimal darf man raten, von wem …die Illustratorin ist meine Freundin Inka Meyer.
 
Die Suche nach Nahrung ist jedenfalls eine recht zentrale Tätigkeit in meinem Leben. Da gibt es bei uns in der Nachbarschaft das Restaurant Garpunkt am Regerplatz. Klar, das ist eher Upper-Class, da kann man eigentlich nur zum Hochzeitstag hingehen. Aber die kochen da wirklich auf den Punkt – man muss halt ein bisschen Geld hinlegen. 
 
Aber es gibt bei uns in der Nähe ja auch noch andere Lokale, den besten Asiaten der Stadt zum Beispiel, das Pitahaya in der Franziskanerstraße. Oder den besten Inder, das Safran in der Steinstraße. Meistens gehen wir aber zum Klinglwirt in der Balanstraße. Da gibt es einen überragenden Kartoffelbrei und einen wirklich ausgezeichneten Bio- Schweinsbraten. Ich bin ja so der Sonntagsbratentyp. Mindestens jeden zweiten Sonntag muss das schon sein.
 
Nach dem Essen machen wir uns dann wie gesagt meistens auf die Suche nach Kunst. Wir schlendern da auch gerne durch die schönen Viertel und schauen uns Streetart an. Neulich waren wir auf der Schwanthalerhöhe beim OpenWestend. Da werden dann ganz gewöhnliche Privatwohnungen zu Ausstellungsräumen. Natürlich haben auch die Ateliers auf. Und ein paar sehenswerte Streetart-Werke haben wir bei unserem Rundgang im Westend dann auch gleich entdeckt, die realistische Skulptur des US-amerikanischen Streetart Künstlers Mark Jenkins etwa, die in der Tulbeckstraße vom Dach runterhängt.
 
Und wenn wir nicht zum Kunstglotzen gehen, dann zum Tiereglotzen in den Tierpark Hellabrunn. Favorit sind momentan die Orang Utans – aber auch nur, weil die gerade ein Baby haben. Meine Allzeit-Lieblinge sind die Fischotter. Die sind immer wieder ein Erlebnis. Im Zoo breche ich dann auch gerne mit meinen Gewohnheiten. Es gibt nämlich so ein paar Dinge, die man mit mir absolut nicht machen kann: Wandern etwa – oder jede andere Form von körperlicher Betätigung. Ich bin in meiner Freizeit ein zutiefst fauler Mensch. Wandern fällt da total aus – es sei denn, wir wandern durch den Zoo.
 
Protokoll: Florian Zick