Ein Wochenende mit... Franz Xaver Bogner Nirvana auf dem Klavier

Er mag Orte, an denen noch richtig gearbeitet wird. Und Wirtshäuser, die noch originär bayerisch sind. Deshalb geht Franz Xaver Bogner gerne in die Gaststätte Großmarkthalle. Foto: Gregor Feindt

Hier erzählen Leute von ihrem Wochenende. Heute ist das der Regisseur Franz Xaver Bogner. Er fühlt sich im alten München geborgen und fährt dann zum See, wenn die anderen  schon wieder heimtuckern.

 

von Franz Xaver Bogner*

Ich bin unheimlich gerne an Orten, an denen noch richtig gearbeitet und gehandelt wird. Früher zum Beispiel im Schlachthofviertel, heute eher auf dem Gelände der Großmarkthalle. Dort gibt es auch die Gaststätte von Ludwig und Gabi Wallner. Die machen morgens um 7 Uhr auf und schließen um 17 Uhr, am Samstag sogar schon um 13 Uhr, weil sie sich eben an den Menschen orientieren, die hier arbeiten.

Ich mag es, wenn das Essen in Wirtshäusern noch originär bayerisch ist, ohne dass gleich ein Kult daraus gemacht wird, dass es originär bayerisch ist – so wie hier. Deswegen trifft man mich häufiger zum Weißwurstfrühstück am frühen Samstag bei den Wallners.

Anschließend fahren meine Frau und ich für ein, zwei Stunden zum Einkaufen auf den Viktualienmarkt. Wir klappern regelmäßig die gleichen Standl ab und lassen uns von den Marktfrauen die neuesten Geschichten erzählen. Dass bei dem Bummel mehr geredet wird als eingekauft, versteht sich von selbst. Dass ich hier Inspiration für meine Drehbücher finde, auch.

Mitte Oktober fiel die letzte Klappe für die vierte Staffel von München 7 nach dreieinhalb Monaten Drehzeit. Die Illusion, dass ich während eines Drehs mal ein freies Wochenende haben könnte, habe ich ja längst aufgegeben.

Nun aber sitze ich im Schneideraum, da ist es einen Tick entspannter und ich kann Pläne schmieden. Wenn ich also am Wochenende nicht arbeite, versuche ich, mir die Kraft zurückzuholen, die ich in der Woche verloren habe.

Ich gehe zum Beispiel gerne in der Natur spazieren. Der Steinsee bei Glonn ist schon deswegen so schön, weil er so untouristisch ist. Ich habe hier einen bestimmten Weg, den ich seit 15, 20 Jahren regelmäßig ablaufe und bei jeder Tages- und Nachtzeit kenne. Ich muss nur ab und an darauf achten, nicht von einem Mountainbiker überfahren zu werden.

Ich habe generell ein Faible für echte Bergseen, wobei wir die antizyklisch anfahren. Erst schauen wir dann zum Beispiel bei der Thekla Mayhoff im Café Winklstüberl in Fischbachau vorbei und fahren gegen 16 Uhr, 16.30 Uhr zum See, wenn die anderen schon wieder auf dem Weg zurück nach München sind.

Oft bleiben meine Frau und ich aber auch einfach zuhause in Neubiberg, kochen und musizieren mit den Kindern. Diese Abende geben mir sehr viel und es kann schon mal vorkommen, dass jemand ein Stück von Nirvana oder Green Day in einer balladesken Version mit Klavier und Gitarre anstimmt.

Ich selbst bin ja ein großer Fan von Bob Dylan und habe ihn schon vier Mal live gesehen. Vor Jahren war ich mit meiner Tochter aber auch mal bei Robbie Williams im Olympiastadion, wobei ich glaube, dass sie lieber mit jemand Jüngerem dorthin gegangen wäre.

Das alles soll jetzt bloß nicht heißen, dass ich mit klassischer Musik nichts anzufangen müsste, im Gegenteil! Ich genieße jede Note von Beethoven, etwa bei einem Konzert im Prinzregententheater.

Was mich nun aber überhaupt nicht interessiert, ist das Partyleben. Ich gehe lieber früh ins Bett, denn ich schreibe meine Drehbücher in aller Herrgottsfrüh.


* Der Filmregisseur Franz Xaver Bogner (63) wurde mit Serien wie „Café Meineid“ berühmt. Im Februar läuft die vierte Staffel seiner Serie „München 7“ im Vorabendprogramm der ARD.

 

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