Ein Verein zwischen Feier und Umbruch EHC nach Titel-Triple: Ehrenrunde, NHL-Traum und Drehwurm-Alarm

Sieger am Siegestor: Konrad Abeltshauser mit den drei Meisterpokalen des EHC, danach ging die Feier vor dem Eisstadion weiter. Foto: GEPA pictures

Der EHC München feiert mit 2.500 Fans die dritte Meisterschaft in Serie. Leggio, Kettemer, Lauridsen und Matsumoto müssen gehen. Kahun wechselt zu den Chicago Blackhawks. "Ich bin überglücklich."

München - Die (Bier-)Fahnenträger des EHC Red Bull München begaben sich am Samstagnachmittag im offenen Doppeldecker-Bus auf ihre Ehrenrunde durch München.

Die pokaltragenden Schunkel- und Feierkönige , die sich am Donnerstag in einem an Dramatik kaum zu überbietenden Finale durch ein 6:3 im siebten und entscheidenden Finalspiele die dritte Meisterschaft in Serie gesichert hatten, wurden dabei auch mal von der Polizei angehalten, höflich auf die Straßenverkehrsordnung hingewiesen und gebeten, die Sitzplätze auch als solche zu nutzen. Nach dem obligatorischen Fotoshooting am Siegestor ging es zur Meisterfeier am Vorplatz des Olympia-Eisstadions.

Dort wurden die Eishockey-Spieler der mitgenommenen Gestalt von 2500 Fans erwartet. Die Strapazen der Saison, aber auch des exzessiven Feier-Marathons seit Freitagabend waren den Red Bulls mehr als deutlich anzusehen. Da halfen auch die Sonnenbrillen nicht, die fortgeschrittene Bierseligkeit nur mühsam verbergen konnten.

"Was strapaziöser war? Das Finale oder die Feier, schwer zu sagen. Beides war hart, beides ist geil", sagte Verteidiger Yannic Seidenberg, "wer hart kämpft, sollte hart feiern." Auf der Bühne wurden die meisterlichen Feierbeister von den Fans lautstark begrüßt. Jon Matsumoto, der zum besten Spieler der Playoffs (MVP) gewählt worden war, bereiteten die Anhänger mit "MVP"-Ovationen einen emotionalen Abschied. Der 31-Jährige erhält keinen neuen Vertrag. Auch Hauptrunden-Topscorer Keith Aucoin, der seine Karriere beendet, wurde besonders gefeiert.

David Leggio, Florian Kettemer und Markus Lauridsen müssen den EHC verlassen

Und natürlich Dominik Kahun, Kahun, Kahun, dessen Namen aus den Fan-Kehlen stets im Dreierpack ertönt, wurde verabschiedet. Sein Weg führt in die NHL, zu den Chicago Blackhawks. Kahun postete am Samstag ein Foto, wie er den Vertrag im Trikot der Blackhawks unterschreibt. "Ich hatte zwei große Träume: Bei Olympia zu spielen und möglichst eine Medaille zu holen - und es in die NHL zu schaffen", sagte der 22-Jährige, einer der sieben Münchner Silberhelden, der AZ . "Im Moment bin ich nur überglücklich, aber die Wehmut wird noch kommen, in München habe ich eine wunderbare Zeit erlebt."

"Wir können uns nur bei ihm bedanken" , sagte EHC-Manager Christian Winkler: "Dominik ist ein Diamant, der dahin geht, wo die besten Spieler der Welt sind. Er wird immer zur Red-Bulls-Familie gehören." Auch weitere Personalentscheidungen sind gefallen. Wie die AZ bereits in den Playoffs exklusiv vermeldet hat, müssen David Leggio, Florian Kettemer und Markus Lauridsen den Verein verlassen. Die Gespräche mit Steve Pinizzotto und Keith Aulie dauern hingegen noch an.

Am Abend beim gemeinsamen Essen auf dem Olympiaturm gab Winkler einen tiefen Einblick in die Seele. "Nach der Niederlage in Spiel sechs der Finalserie hatten wir alle große Fragezeichen im Kopf", sagte Winkler, "aber als ich unser Trainerteam gesehen habe, wie sie sich auf das Entscheidungsspiel vorbereiten, war ich sicher: Wir können das Ding gewinnen." Trainer Don Jackson hielt vor der Mannschaft noch eine emotionale Rede. "Für mich war dies der Schlüssel zum Erfolg", sagte Winkler. Und Nationalstürmer Frank Mauer meinte zur AZ : "Don hat uns so tief in seine Seele blicken lassen, dass wir alle unbedingt auch für ihn gewinnen wollten."

Im Drehrestaurant am Olympiaturm (eine Umdrehung in 49 Minuten) herrschte übrigens bei den mitgenommenen Feierbiestern Drehwurm-Alarm. Deswegen wurde das Restaurant auf einhelligen Wunsch angehalten. Stillstand ist nicht immer ein Rückschritt...

 

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