Ein Ureinwohner kehrt zurück München und Umgebung: Der Wolf ist da!

Treibt ein Wolf in der Nähe von München sein Unwesen? (Symbolbild) Foto: dpa

Die Sichtungen nehmen zu. Die AZ dokumentiert, wo in Bayern Canis lupus in den letzten Jahren aufgetaucht ist.

 

München - Der Wolf ist ein bayerischer Ureinwohner. Jahrhundertelang streifte er durch die Wälder des heutigen Freistaats – bis zum Sommer 1882, als der letzte seiner Art bei einer Treibjagd im Fichtelgebirge erschossen wurde.

Nun scheint Canis lupus seine alte Heimat zurückzuerobern. Jahr für Jahr werden mehr Wolfssichtungen gemeldet. Erst vergangene Woche beobachtete ein Autofahrer in Putzbrunn ein Exemplar – nur wenige Kilometer von der Münchner Stadtgrenze entfernt. Die AZ dokumentiert die Rückkehr des Wolfes.

30.05. 2006: Bei Pöcking im Kreis Starnberg wird ein überfahrener Wolfs-Rüde gefunden. Eine Genanalyse ergibt, dass er aus den Südwestalpen eingewandert ist.

24.12.2009 bis 05.01.2011: Im Mangfallgebiet bei Rosenheim werden reißt ein männliches Tier französischer Herkunft mehrere Rehe und 28 Schafe.

29.12. 2011 und 30.12.2011: Im Fichtelgebirge bei Wunsiedel tappt ein Wolf in eine Fotofalle, die eigentlich für Luchse gedacht war. Außerdem werden Speichelspuren und Kot des Tieres gefunden.

22.03.2014: Im Inntal (Kreis Rosenheim) wird eine Hirschkuh mit zerfetzter Kehle gefunden. Die genetische Analyse zeigt: Sie wurde von einem männlichen Wolf getötet, der bereits im September 2013 im Schweizer Kanton Uri nachgewiesen worden war.

06.04.2014: Bei Dorfen im Kreis Erding machen drei Frauen mit ihren Mobiltelefonen Fotos von einem ungewöhnlich großen Hund. Das Tier weise eindeutige Wolfsmerkmale auf, urteilten bald darauf die Experten des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU).

31.05.2014: Bei Oberstdorf gelingt einem Jäger ebenfalls ein Schnappschuss: Auch er fotografiert einen Wolf. Speichel- und Kot-Proben ergeben, dass es sich um einen jungen Rüden handelt, der zuvor schon in Vorarlberg und dem Bregenzer Wald aufgetaucht war.

12.12.2014: Im Oberallgäu hält eine Wildtierkamera ein wolfsähnliches Wesen fest. „Proportionen von Kopf, Körper und Rute des Tieres sprechen für einen Wolf“, so die LfU-Experten. Allerdings sei eine abschließende Bestätigung aufgrund der Bildqualität nicht möglich.

01.03.2015: Im Landkreis Rottal-Inn wird erneut ein Wolf fotografiert. Über seine Herkunft ist nichts bekannt.

23.04.2014: Bei Zorneding im Kreis Ebersberg werden zwei Schafe von einem unbekannten Tier getötet. Die Genanalyse der Bissspuren steht noch aus, doch ein Forstarbeiter will ganz in der Nähe einen Wolf gesehen haben.

29.04.2014 bis jetzt: In Putzbrunn beobachtet ein Autofahrer einen Wolf an der A99. Er ist nicht der einzige, der das Tier gesehen haben will. Bei der Polizei melden sich laut LfU außerdem mehrere Menschen aus dem östlichen Landkreis München, die „wolfsähnliches Geheul“ vernommen haben.

Fachleute gehen davon aus, dass es sich bei den vierbeinigen Besuchern um Jungwölfe auf Wanderschaft handelt. Denn rund um den Freistaat leben heute wieder zahlreiche Populationen: 33 Rudel oder Wolfspaare haben ihre Territorien in Ostdeutschland und Niedersachsen. Auch in der Schweiz, Österreich, in Italien, Polen, Tschechien und den Balkan-Ländern sind die Tiere heimisch.

Im Freistaat wurde bisher kein einziges standorttreues Individuum der faszinierenden Tierart nachgewiesen. Doch vermutlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis Canis lupus in sein altes Revier zurückkehrt.

 

5 Kommentare