Ein Stück Stadtgeschichte Schutz und Einengung: Ausstellung zur Münchner Stadtmauer

Als München noch eingemauert war: Die Ausstellung "München – die befestigte Stadt" macht die Stadtentwicklung anhand der Stadtmauer nachvollziehbar. Foto: Stadtarchiv München, Gregor Feindt/AZ-Archiv

Erst schützte sie die Bewohner, dann galt sie als Einengung: Eine neue Ausstellung erzählt die Geschichte der Münchner Stadtmauer.

München - Das Sendlinger Tor, das Isartor oder auch das Karlstor – ein paar letzte Zeugnisse gibt es noch von der gewaltigen Stadtmauer, die München einst umschloss. Die Münchner allerdings rennen meist eher achtlos untendurch, daran vorbei – oder darüber weg. Denn, während die Spuren der Stadtbefestigung oberirdisch nur noch sporadisch sichtbar sind, sind die Reste der mittelalterlichen Stadtbefestigung unterirdisch fast noch vollständig erhalten.

"München – die befestigte Stadt": Ausstellung zur Stadtmauer

In der neuen Ausstellung "München – die befestigte Stadt" können sich die Münchner ab Dienstag auf die Spuren der der sichtbaren und verborgenen Befestigungen der Stadt begeben, die unter dem Pflaster der Altstadt schlummern.

Das Planungsreferat zeigt die Schau, die der Mittelalter-Archäologe Christian Behrer anlässlich des Europäischen Kulturerbejahrs 2018 erstellt hat. Seit 2001 kartiert der Experte vom Regensburger Büro für Denkmalpflege die Münchner Altstadt mit Hilfe von aktuellen und historischen Planunterlagen, Ergebnissen von Baugrund-Untersuchungen und der Auswertung früherer Grabungen. Denn die Stadt lässt derzeit einen archäologischen Stadtkataster erstellen, der soll bis 2020 fertig sein.

Stadtgeschichte: Auf-, Umbau und Abriss der Stadtmauer

Die Stadtbefestigung, die nicht nur aus einer, sondern mehreren Mauern, Gräben, Bastionen und einer Wallbefestigung bestand, die über die Jahrhunderte immer wieder umgebaut und erweitert wurde, diente einst freilich als Schutz. Doch später begann man sie als Einengung zu empfinden.

1791 gab Kurfürst Carl Theodor daher die Weisung die Wallanlagen zu schleifen, sprich abzubrechen. Beginnend mit der "Neuhauser Bastion" vor dem Neuhauser Tor, dem heutigen Karlstor. Damit begründete er die Wandlung von der befestigten barocken Residenzstadt zur modernen offenen Hauptstadt.

Nicht alle Bürger waren damals damit einverstanden, doch aufhalten ließ sich diese Entwicklung nicht mehr. Ende des 18. Jahrhunderts wurde der Festungsring aus dem 19. Jahrhundert abgetragen, im 19. Jahrhundert folgte der Abriss der zweiten Stadtmauer, der Zwingermauer und der meisten Türme und Tore.

Stadtmauer heute: Altes Rathaus, Mauerreste und Straßennamen

Heute ist neben besagten Toren nicht mehr so viel übrig von der Stadtbefestigung. Das Talburgtor zum Beispiel, für viele Münchner der Turm des Alten Rathauses, wurde nach dem Krieg wieder aufgebaut. Im mittelalterlichen München war es eines der fünf Stadttore. An der Jungfernturmstraße ist ein Stück der zweiten Stadtmauer erhalten. Nördlich des Isartors kann man Reste der Zwingermauer in den Räumen und dem Innenhof des Anwesens Thomas-Wimmer-Ring 1 und 1a sehen. Auch bei Bauarbeiten tauchen immer wieder Reste auf: zum Beispiel 2014 an der Maximilianstraße.

Auch Straßennamen wie Färber- oder Hofgraben, Am Kosttor oder Neuturmstraße erinnern an die ehemalige Stadtbefestigung.


Die Ausstellung ist vom 26. März bis 31. Mai 2019 im Plantreff, Blumenstraße 19, zu sehen. Mo bis Fr, 9 bis 17 Uhr. Eintritt frei.

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