Ein neues Buch bietet eine Zeitreise ins Teenie-Leben "Liebes Tagebuch, mir geht es super mega gut!"

In den Neunzigern war die Boyband Take That für tausende Teenie-Mädchen der unerreichbare Wunschtraum. Und fand sich in Dutzenden Tagebüchern wieder. Foto: dpa

Das Tagebuch war in der Pubertät unser einziger Vertrauter. Im Rückblick wirken die Einträge von einst peinlich bis albern.

Es war pink-schwarz mit Glitzer, und unten rechts klebte eine Diddl-Maus. Oder es war mit einem kleinen Vorhängeschloss versehen. Es lag versteckt unter den Kratzpullis im Kleiderschrank oder im Gitarrenkoffer – unser Tagebuch. Es stand uns in der schwersten Zeit unseres Lebens bei, der Pubertät. Klaglos nahm es all die Katastrophen in sich auf. Dass Martin im Zeltlager die doofe Susi knutschte. Dass Mark Owen von „Take That“ niemals von unserer tiefen Liebe erfahren würde. Dass wir die Mathe-Ex verhauen hatten. Dass uns wieder ein Pickel auf der Nase wuchs und dass wir generell am liebsten sterben wollten.

Die beiden Autorinnen Ella Carina Werner und Nadine Wedel sind jetzt einen mutigen Schritt gegangen: Sie haben die besten peinlichen Teenager-Tagebuch-Einträge in einem Buch veröffentlicht. Zusammengetragen wurden sie auf den so genannten „Diary Slams“, die die beiden Frauen Anfang 30 seit Sommer 2011 in einer Hamburger Eck-Kneipe veranstalten. Unerschrockene Menschen lesen dabei öffentlich aus ihren Jugend-Tagebüchern. Wie sagen Werner und Wedel: „Ein Tagebuch ist wie ein guter Schinken: Eine Zeit lang abgehangen, gewinnt es an Reife.“ Was einem früher schrecklich peinlich war, sorgt jetzt für viele Lacher. Die AZ zeigt nur einige Sprüche aus dem Buch – eine Zeitreise in die 80er und 90er Jahre:
 

„Gründe, warum ich keinen Freund will: Ich hab viel, viel zu hohe Anforderungen. Und man muss immer rasierte Beine haben.“ Magdalena, 16

„Ich habe viel über Pubertierende gelesen. Anscheinend sind das Krämpfe, die Pubertierende haben. Man sagt, die haben es sehr schwer. ICH HABE ES SCHWER!“ Nadine, 14

„Ich sehne mich nach einem sexy Boy. Warum? Diese Frage konnte ich noch nicht klären. Jeder Mensch braucht Geborgenheit.“ Mariam, 16

 „Ich könnte flennen. Bitte, lieber Gott, lass mich noch einen Freund bekommen, bevor ich 16 werde. Am liebsten meinen Schatz Maik. Aber ich stelle am besten keine Ansprüche, sonst stehe ich am Ende ohne da.“ „Ich bekomme Maik sowieso nicht. Er ist zu schön, obwohl er heute 3 Pickel hatte, aber was soll’s, ich hab 1000!“ Nadja, 15

„Bis heute Abend, zwischen 22.00h und 23.00h, wollte ich mich entschieden haben, ob ich um Manuel noch kämpfe oder es sein lasse. Jetzt isses 22.12h. Am besten, ich stelle erstmal mein Rad in’n Schuppen.“ „Ich habe vergessen, es mir zu überlegen. Aber jetzt möchte ich ihn zurück.“ Mascha, 15

„Cengiz hat Susi, Nora und mich gefragt, ob wir mit ihm gehen wollen. Wir haben alle ja gesagt, aber Nora denkt, er liebt nur mich und Susi und will darum wieder Schluss machen.“ „Wir haben mit Cengiz Schluss gemacht und wir sind jetzt auch nicht mehr mit ihm befreundet.“ Aline, 10

„Liebes Tagebuch! Mir geht es total mega super gut! Echt, ich glaub mit dem Manuel hab ich echt ’nen Volltreffer gemacht. Wir sind zwar erst seit gestern Abend zusammen, aber bei mir muss man das so sehen: Ich will schon seit 17 Stunden nicht Schluss machen, und das ist echt enorm für mich.“ Magdalena, 12

„Von Tag zu Tag wird mir klar, dass das mit Mark Owen nie wahr werden wird. Warum kann ich nicht mit ihm glücklich sein?“ Nadine, 15

Aus dem Buch: Ella Carina Werner, Nadine Wedel: „Ich glaube, ich bin jetzt mit Nils zusammen.“ Fischer Scherz, 288 Seiten, 14,99 Euro.

 

 

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