Ein Muster an Beständigkeit Rod Stewart in der Olympiahalle

Rod Stewart in seinem ersten Outfit des Abends. Zwei weitere folgen, beim letzten wird auch noch ein Hemdknopf mehr geöffnet. Foto: Jens Niering

Rod Stewart gestaltet einen bunten Abend in der Olympiahalle und zeigt sich als Muster an Beständigkeit

 

Die Welt wandelt sich immer schneller, doch manches bleibt, wie es immer schon war. Als der Vorhang in der Olympiahalle um Punkt 19.30 Uhr hochgezogen wird, ist auf den ersten Blick klar: Rod Stewart ist ein solch ewiges Muster an Beständigkeit, dem Zeitgeist und scheinbar auch der Biologie zum Trotz.

74 Jahre ist er alt, aber er sieht weitgehend aus wie der Rod Stewart der Achtziger. Mit blonden Haaren, die stachelig nach oben stehen, mit einem Hemd, dessen Knöpfe zur Hälfte offen bleiben, mit einem charmant-lässigen Playboy-Lächeln, das wohl ähnlich viel zu seinem Ruhm beigetragen hat wie seine Millionen-Dollar-Reibeisenstimme.

Und um sich herum, klar, lässt er sechs schöne Frauen tanzen, fünf davon blond, einige von ihnen haben sehr, sehr lange Beine, und daraus wird auch kein Geheimnis gemacht. Sie alle entpuppen sich ab dem zweiten Song als fähige Background-Sängerinnen oder Musikerinnen an Fiddle, Banjo, Percussion und Harfe – bei der späteren Band-Vorstellung wird Stewart dennoch ihre Schönheit loben.

Der Partygastgeber

Mit diesem zweiten Stück, einer alten Sam Cooke-Nummer, gibt Stewart sogleich das Motto des Abends aus: „Having A Party“. Und an dieser Sause hat Stewart sichtlich Spaß. Er habe einen wunderbaren Tag im sommerlichen München gehabt, sagt er zur Begrüßung. Und die sonnige Laune hat er in die Olympiahalle mitgebracht.

Er liefert ein zweistündiges, extrem buntes Unterhaltungsprogramm, singt seine großen Hits von „Young Turks“ bis zur Zugabe „Baby Jane“, doch wenn er sich immer wieder mal kurze Pausen gönnt, lässt er seine Band Stücke spielen, die rein gar nichts mit ihm zu tun haben.

Der sehr gute Gitarrist Emerson Swinford soliert durch Mark Knopflers Instrumental „Going Home: Theme From Local Hero“, die Damen aus dem Background singen Donna Summers „She Works Hard For The Money“. Außerdem gibt’s ein Perkussions-Solo und eine Irish-Folk-Einlage der Fiddlerinnen. Und auch sonst gibt Stewart seinen Musikern viel Raum für Soli. Er schlendert derweil als Partygastgeber entspannt über die Bühne, prostet Keyboarder Kevin Savigar zu oder gibt Saxophonist Jimmy Roberts einen anerkennenden Klaps auf die Schulter.

Jahreszahlen bedeuten wenig

Auch bei der Programmauswahl zeigt Stewart, dass er ein Partymann ist, kein eitler Künstler: Seine besten Platten der Jahre um 1970 herum und auch die Faces-Zeit sind ihm schnuppe, er singt lieber einen Creedence Clearwater Revival-Song aus dieser Zeit: „Have You Ever Seen the Rain“. Die Backgroundsängerinnen setzen dazu Cowboyhüte auf.

Einmal erwähnt Stewart auch seine eigene Frau, bei der Ankündigung von „Maggie May“, dem einzigen Song aus seiner frühen Zeit: Er habe den Song 1971 geschrieben, sagt er, dem Jahr, in dem seine Frau zur Welt kam. Und pünktlich – und ausgerechnet bei seinem konkurrenzlos besten Song – zeigt sich ganz kurz, dass seither doch ein wenig Zeit ins Land gegangen ist: Erst lässt Stewart die Stimme im Stich, dann wirkt er musikalisch orientierungslos, singt schief. Doch davor und danach ist alles bestens: Die Reibeisenstimme ist intakt, auch Stewarts Kehle ist kaum gealtert.

Bei all dieser Zeitlosigkeit, bei diesem Gefühl des ewig Gleichen ist es kein Wunder, dass Stewart Jahreszahlen wenig bedeuten. Abgesehen vom Geburtsjahr seiner Frau, das man bei Google verifizieren kann, liegt er bei sämtlichen Daten, mit denen er Songs ankündigt, falsch. Ja, er vertut sich sogar ausnahmslos im Jahrzehnt. Robbie Robertson hat „Broken Arrow“ nicht 1991 geschrieben, er hat es bereits 1987 veröffentlicht. Stewart selbst hat „People Get Ready“ auch nicht in den Neunzigern mit Jeff Beck aufgenommen, wie er behauptet, sondern 1985. Und Curtis Mayfield hat diesen Song auch nicht 1958 geschrieben, sondern Mitte der Sechziger, inspiriert vom Marsch auf Washington von Martin Luther King. Der ist bei dem Song auf der Großleinwand auch zu sehen. Aber hey, genau deswegen ist Rod Stewart ja auch kein Neunmalkluger, sondern ein Rockstar!

Hundert Luftballons

Und seine Gabe, seine Stimme und all sein Soul kommen besonders bei den akustischen Stücken zur Geltung. Hier wird das Konzert wirklich schön, bei diesen intimen Stücken wie „I Don’t Want To Talk About It“ und „You’re In My Heart (The Final Acclaim)“. Das widmet er seiner großen Liebe – nein, keines seiner acht Kinder ist gemeint, auch nicht seine Frau. Sondern Celtic Glasgow! Auf der Großleinwand sind gelungene Spielzüge früherer Jahre zu sehen (in Schwarz-weiß), Stewart schwenkt den grün-weißen Schal, eine Kette mit silbernem „Celtic“-Anhänger hatte er von Anfang an getragen. Ganz klar, dieses „You’re In My Heart“ ist kein verlogenes Liebeslied, man weiß, wie aufrichtig diese Liebe ist: Im Internet kann man ansehen, wie Rod Stewart nach einem Sieg seines Herzensklubs gegen den FC Barcelona weint, vollkommen aufgelöst.

Aber genug des Gefühligen, nach dem Akustikset lässt Rod Stewart es noch mal kurz krachen. Er huldigt wieder Sam Cooke („Twisting the Night Away“), singt dann „Sailing“ und bei der Schlussnummer, dem Disco-Stampfer „Da Ya Think I’m Sexy“, fallen hunderte Luftballons vom Dach. Nun sieht die Arena, in der ein paar Stühle frei geblieben waren, so aus wie der ganze Abend war: sehr bunt.    

 

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