Ein Münchner Opfer erzählt Mobbing im Job! "Ich habe mich gefühlt wie der letzte Dreck"

Markus S. will sich juristisch gegen die Kündigung wehren. Foto: Daniel von Loeper

Einst war die Firma, für die Markus S. (35) arbeitete, das „perfekte Unternehmen“ für ihn – doch dann veränderte sich plötzlich alles. Ein Leidensbericht eines Mobbing-Opfers.

 

Ein kleiner, familiärer Betrieb, ein fast freundschaftlicher Umgang und viel Verständnis, wenn es mal private Probleme gab. Der Münchner Markus S. ging jahrelang richtig gern in die Arbeit. „Ich habe mich rundum wohl gefühlt. Es war das perfekte Unternehmen für mich. Ich konnte mir vorstellen, dort bis zur Rente zu bleiben“, sagt der 35-Jährige. Doch das war früher. Innerhalb weniger Monate hat sich für den fest angestellten Business Development Manager alles verändert.

Früher stand er voll hinter der Firma. Dann änderte sich alles

Der tägliche Gang in die Arbeit wurde zur Qual – Markus S. wurde sogar krank davon. „Ich wurde gemobbt“, sagt der Münchner.

Sechs Jahre lang – mit einer kurzen Unterbrechung von einem halben Jahr, in dem er etwas anderes ausprobieren wollte – war Markus S. in einer Münchner Telemarketing-Firma beschäftigt. Das Unternehmen hat sich auf IT und Outsourcing-Dienstleistungen spezialisiert. Vor drei Jahren wurde der florierende Betrieb mit damals rund 40 Mitarbeitern von einem großen, bundesweit agierenden Unternehmen übernommen.

Die Veränderung brachte zunächst keine Probleme mit sich. „Bis vor einem Jahr stand ich 1000-prozentig hinter der Firma“, erzählt Markus S. Im Mai diesen Jahres bat er um ein Zwischenzeugnis – es fiel sehr gut aus: Der Geschäftsführer attestierte ihm, dass er seine Aufgaben stets zur vollen Zufriedenheit erfülle und sich sehr schnell einarbeite. Er arbeite stets zuverlässig und gewissenhaft. „In der Kundenbetreuung tritt Herr S. als stets kompetenter und verbindlicher Ansprechpartner auf und es gelingt ihm, zu seinen Kunden eine langfristige und vertrauensvolle Bindung aufzubauen“, heißt es in dem Zwischenzeugnis. Auch sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Mitarbeitern und externen Ansprechpartnern sei immer „sehr vorbildlich“.

Mit der neuen Chefin begann die Ausgrenzung

Doch dann bekam Markus S., eine neue Chefin. Sie ist deutlich jünger als er. „Nachdem ein Projekt beendet war, hat sie nicht mehr mit mir gesprochen. Ich habe mich links liegen gelassen gefühlt“, berichtet der Münchner. Seine Funktion als Team-Leiter behielt Markus S. zwar offiziell, doch er übte die Funktion faktisch nicht mehr aus. Damit fing es an.

Im Sommer bekam Markus S. den Auftrag, einen Kunden vor Ort zu betreuen. „Meine Kollegen haben mich zuerst richtig beneidet, weil es ein sehr guter Kunde war.“ Doch sowohl von den neuen Kollegen als auch von seiner Mutter-Firma fühlte sich Markus S. bald isoliert, ausgegrenzt und allein gelassen.

„Ich sollte dort in ein Team integriert werden. Aber ich wurde komplett ignoriert. Schon morgens hat kaum einer gegrüßt. Ich war Luft für die.“ Wenn sich die anderen mittags Pizza bestellten, wurde er nicht gefragt, auch zum Sommerfest wurde er nicht eingeladen. „Das ganze Team hat mich geschnitten. Einmal waren mittags noch ein paar Donuts übrig vom Frühstück. Einer sagte: ,Mag keiner mehr Donuts? Dann werfe ich sie jetzt weg. Oder magst du noch einen Markus!?’ – Ich habe mich gefühlt wie der letzte Dreck.“

Markus hatte Angst, in die Arbeit zu gehen

Das Verhalten der Kollegen hinterließ Spuren: „Mein Selbstbewusstsein hat gelitten. Es ging so weit, dass ich Angst hatte, morgens in die Arbeit zu gehen. Wenn ich abends nach Hause kam, war ich nur noch erschöpft. Ich hatte keine Kraft mehr, etwas zu unternehmen. Ich wollte nur noch schlafen.“

Der Angestellte wandte sich sowohl an seine unmittelbare Vorgesetzte als auch an den Geschäftsführer seiner Firma und die Personalabteilung. „Aber niemand hat reagiert. Das hat einfach keinen interessiert. Meine Firma hat mich völlig im Stich gelassen!“

Auch seinem Vorgesetzten in der Fremdfirma schilderte er das Problem. „Der hat auch mit den Kollegen gesprochen. Die Folge war allerdings Nettigkeit auf Anweisung. Das hat es auch nicht besser gemacht.“

Markus S. hoffte zuerst, dass er von dem Projekt abgezogen wird. Dann bot er an, den Kunden von seinem alten Büro aus zu betreuen, doch darauf ging niemand ein. Schließlich hoffte er nur noch darauf, dass er die Zeit überstehen würde.

Dann kam der Zusammenbruch, die Ärztin schrieb ihn krank, die Firma schmiss ihn raus

Doch dann erfuhr er, dass er weitere drei Monate bleiben sollte, das Projekt würde verlängert werden. „Am Wochenende, bevor ich wieder in die Firma musste, bin ich zusammengebrochen. Es ging einfach nicht mehr. Ich wurde krankgeschrieben.“

Eine Woche später schrieb ihn seine Ärztin für eine weitere Woche krank. „Als ich deswegen in der Personalabteilung anrief, habe ich erfahren, dass der Kunde das Projekt wegen meiner Krankmeldung nicht verlängert hat und man mir nun betriebsbedingt zum 31. Dezember kündigt.“

Markus S. ist fassungslos. „Die Kündigung ist nicht wirksam“, sagt er. Er will juristisch dagegen vorgehen, möglicherweise sogar Schmerzensgeld von seinem Noch-Arbeitgeber fordern. „Anstatt mir zu helfen, hat mir meine Firma gekündigt. Sie hat ihre Fürsorgepflicht gegenüber ihrem Mitarbeiter verletzt“, sagt Markus S. „So lange ich funktioniert habe“, sagt er, „war alles gut, nun werde ich einfach ausgetauscht“.

Der Münchner ist nun auf Jobsuche: „Ich suche einen Arbeitgeber, der seine Mitarbeiter nicht nur als Ding sieht.“

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