Ein Jahr danach Öl-Katastrophe: Noch nicht vorbei

Am 20. April 2010 explodierte die Bohrinsel: Löschschiffe versuchen Schlimmeres zu verhindern. Foto: dpa

Vor einem Jahr explodierte die „Deepwater Horizon” im Golf von Mexiko. 356 Tage danach sollen die Touristen wieder kommen, doch die Langzeitfolgen sind unklar.

 

Berlin - Morgen jährt sich die schlimmste Umweltkatastrophe der USA: Am 20. April 2010 explodierte die BP-Bohrinsel „Deepwater Horizon” und versank im Golf von Mexiko. Ein Jahr danach ist immer noch nicht klar, wie groß die Schäden für Mensch und Tier wirklich sind.

Bei der Explosion starben elf Arbeiter auf der Bohrinsel, fast 780 Millionen Liter Öl strömten in 1500 Meter Tiefe ungehindert ins Meer, hunderttausende Meerestiere starben qualvoll in der dicken Ölmasse, die Brühe deckte mehr als 1000 Kilometer Küste ein.

Mehrere Versuche, das Leck in der gesunkenen Bohrinsel zu stopfen, scheiterten. Erst im Juli schaffte es BP, die Quelle zu schließen, im September erklärte die US-Regierung das Bohrloch für endgültig versiegelt.

Ein Hauptschuldiger wurde gefunden: der britische Öl-Konzern. „BP wird die Rechnung dafür bezahlen”, sagte US–Präsident Barack Obama im Mai.
Robert Haddad, Experte der US-Wetter– und Ozeanographiebehörde: „Wir hoffen, dass wir in den nächsten zwei Jahren ein gutes Verständnis vom Ausmaß der Schäden haben.” Wann startet ein Plan für die Beseitigung der Umweltschäden? „Es werden weniger als zehn Jahre ins Land gehen, bis die Wiederherstellung der Natur anfängt.” Unklar ist immer noch, wie viel Öl sich auf dem Meeresboden befindet. Rund 180 Boote und 2500 Helfer kämpfen derzeit weiter gegen das Öl an.

Für Anwohner und Fischer hat die Tragödie finanzielle Folgen. Dean Blanchard, Besitzer eines Fisch-Handels: „Ich wünschte, ich hätte nie in meinem Leben jemals von BP gehört.”
Auch über die Langzeitfolgen sind sich die Experten uneins, knapp sieben Millionen Liter chemischer Öl-Bekämpfungsmittel wurden ins Meer gekippt. Allein für die Tourismusbranche rechnet das britische Wirtschaftsinstitut Oxford Economics mit einem Verlust von 23 Milliarden Dollar. Dennoch sollen die Touristen wieder die Strände säumen, an der Küste von Alabama hat BP die Reinigung beendet. Die Gesamtkosten für das Desaster beziffern die Briten auf 41 Milliarden Dollar. Rund 3,6 Milliarden hat der Konzern bisher an einzelne Geschädigte gezahlt.

Gebohrt wird weiterhin. Ende März bewilligte die US-Regierung neue Tiefseebohrungen. BP aber hat bisher keine Genehmigung.

 

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