Ein Jahr auf dem Chef-Sessel im Münchner Polizeipräsidium Polizeipräsident Hubertus Andrä: "Ich brauche Menschen mit eigener Meinung"

Münchens Polizeipräsident, Hubertus Andrä. Foto: Daniel von Loeper

Seit einem Jahr ist Hubertus Andrä in München Polizeichef. Wie es ihm ergangen ist und was der Mann an der Spitze des Präsidiums plant

 

AZ: Herr Andrä, am 2. Juli um 10.45 Uhr haben Sie zum ersten Mal Platz genommen auf dem Stuhl des Münchner Polizeipräsidenten. Wie oft haben Sie es seitdem bereut?

Hubertus Andrä: Gar nicht. Kein einziges Mal. Noch keine einzige Sekunde. Ich bin gerne der Münchner Polizeichef.

AZ: Sind Sie jetzt nur höflich, oder ist das Ihre Überzeugung?

Hubertus Andrä: Das ist meine absolute und innerste Überzeugung. Wobei ich viel Unterstützung von meinen Kollegen hatte, die mir beim Start geholfen haben.

AZ: Fühlen Sie sich schon als richtiger Münchner?

Hubertus Andrä: Ich lebe und arbeite seit 2008 in der Stadt. Aber ich würde mich nicht als typischen Münchner bezeichnen. Ich wohne in Germering, der Familienwohnsitz ist Trostberg. Aber Münchner Polizist bin ich mit Leib und Seele.

AZ: Im Gegensatz zu Ihrem Vorgänger sind Sie bisher in kein Fettnäpfchen getreten. Wie schaffen Sie das?

Hubertus Andrä: Da hatte ich eine Portion Glück. Außerdem habe ich Kollegen, die mir mit vielen Ratschlägen zur Seite stehen. Sie wollen also Leute mit Meinung und keine Ja-Sager? Das ist meine Philosophie. Ich erwarte eine eigene Meinung und auch Beratung. Mir helfen keine Mitarbeiter, die mir nach dem Mund reden.

AZ: Was haben Sie erreicht? Hinter den Kulissen des Präsidiums hat sich einiges getan.

Hubertus Andrä: Wir haben den Verwaltungsaufwand reduziert. So haben die Kollegen mehr Zeit, um sich auf ihre eigentlichen Aufgaben zu konzentrieren. Zudem haben wir bei den beiden Einsatzhundertschaften die Personalstärke um 20 Mann reduziert. Die Beamten stehen jetzt anderen Dienststellen zur Verfügung.

AZ: Was wird noch folgen?

Hubertus Andrä: Beschlossene Sache ist beispielsweise, dass wir den Weg mit der neu geschaffenen Spezial-Dienststelle Cybercrime weitergehen. Wir werden alles daran setzen, das hohe Sicherheitsniveau zu halten.

AZ: Können Sie sich vorstellen, München zu verlassen?

Hubertus Andrä: Ich bleibe, es sei denn, die Münchner wollen mich nicht mehr. Aber bisher kommen die mit mir ganz gut aus – und ich mit ihnen.

 

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