Ein Experte stellt sie vor Silvester-Trends: Feuerwerks-Boxen und stilles Spektakel

Ach, wie es glitzert und sprüht: Unterm Jahr veranstalten die Himmelsschreiber aus Unterhaching auch große Feuerwerke wie dieses – als Profis dürfen sie das. An Neujahr darf jeder. Im kleinen Bild: Pyrotechniker Sebastian Ruppert. Foto: Ruppert/Daniel von Loeper/Az

Mühsam eine Rakete nach der anderen zünden? Das war einmal. Der Raketen-Fan von heute arbeitet mehr mit Feuerwerks-Boxen. Die müssen auch gar nicht mehr unbedingt laut sein. Die diesjährigen Böller- und Raketen-Trends.

 

München - Eigentlich ist schon alles gesagt, was sich an einem Vormittag über Feuerwerk sagen lässt – da fällt Peter Ruppert noch etwas ein. Ganz dringend, ganz wichtig: "Das muss man gesehen haben, dann weiß man Bescheid!"

Er kramt ein Video mit Gerhard Polt und Gisela Schneeberger hervor: "Das Feuerwerk" von 1981. Es tut ein bisschen weh, dabei zuzusehen, wie da eine Familie pflichtbewusst-verbissen ihre Silvesterraketen abbrennt – ach was, abarbeitet. Eine Familie, die die "Orentsch Flauers", "Blu Schdars" und "Wojetschers" in den Himmel schießt, weil man das eben so macht – und dabei nie nach oben schaut.

Peter Ruppert lacht. Feuerwerk, das ist für ihn und seine Firma Himmelsschreiber keine Pflicht – sondern Kunst. Genuss. Klar, wer einfach etwas laut wegböllern und stinkig abschießen will, soll das tun. "Mit dem Billigsegment haben wir aber nichts zu tun." Die beiden Sparten haben auch jeweils ein ganz anderes Klientel, sagt er.

"Bücken, schauen, bücken, schauen: Das war einmal"

Wer zu den Himmelsschreibern nach Unterhaching fährt, der will etwas mehr bekommen – und dafür auch etwas mehr ausgeben. Der Trend geht immer mehr zu Verbundboxen, die man einmal anzündet und die dann quasi die Arbeit übernehmen. "Bücken, schauen, bücken, schauen – das war einmal", sagt Peter Ruppert.

Diese Boxen haben inzwischen eine Brenndauer von bis zu vier Minuten, mit verschiedenen Schwärmern und Dutzenden Schüssen. "Wer viel Geld für Feuerwerk ausgibt, der will es auch sehen", sagt Himmelsschreiber Junior, Sebastian Ruppert. Nix mehr mit Polt’schen Zuständen.

Natürlich ist das Thema Nachhaltigkeit auch in der Böller-Branche angekommen: Viele Hersteller konzipieren ihre Produkte mit so wenig Kunststoff wie möglich in den Verpackungen, erzählt Sebastian Ruppert. "Das sind 95 Prozent Kartonage mit nur noch einer leichten Folie darüber, als Schutz vor Nässe." Ihren Dreck nach dem Abschießen wegräumen, mahnt Peter Ruppert, "sollen die Leute danach aber trotzdem".

Auch Katzen, Hunden und Kindern soll’s an Silvester gut gehen

Ein weiterer Trend der jüngsten Vergangenheit: stilles Feuerwerk. "Viele Menschen kommen und sagen: Ich habe eine Katze oder einen Hund oder ein kleines Kind – gibt es auch was Leises?", erzählt der Juniorchef. Und klar gibt es das: Sonnenräder, Vulkane, ganze stille Boxen, die Licht und Funken in den Himmel werfen.

Und wie ist das nun nach den Umwelt-Debatten, der Feinstaub-Problematik, den mahnenden "Brot statt Böller"-Aktionen? "Man kann ja beides tun: spenden und ein schönes Feuerwerk haben", sagt Peter Ruppert. "Und je schlechter die Grundstimmung, desto mehr wollen die Leute feiern."

An den letzten drei Werktagen des Jahres, wenn Feuerwerkskörper der Klasse II verkauft werden dürfen, sind die Himmelsschreiber mit elf Mitarbeitern als Fachberater im Einsatz, davon fünf ausgebildete Pyrotechniker. 350 Kilogramm Feuerwerk warten in ihrem Lager. Das Geschäft läuft, "wir leben von einer Stammkundschaft, die stetig wächst", sagt Peter Ruppert.

Und was brennen sie selbst ab in der Neujahrsnacht? "Nichts", sagt sein Sohn Sebastian. "Nach den Verkaufstagen feiere ich ein bisschen und falle dann spätestens um 1 Uhr auf die Couch und schlafe ein." Und dann nur noch stilles Feuerwerk: Pssst! Funkel.


Vor allem Genießen: Tipps vom Profi

Was ist denn nun wichtig für ein gutes Feuerwerk? Ein paar Tipps der Experten von Himmelsschreiber:

  • Einen sicheren, ebenen Untergrund suchen. Die Flasche oder Kiste mit Feuerwerkskörpern nicht auf einer Eisfläche abstellen.
  • Zum sicheren und windfesten Anzünden: ein Zündlicht statt eines Feuerzeugs oder Streichholzes verwenden.
  • Der Feuerwerk-Zuständige sollte möglichst nüchtern sein!
  • Sich Zeit lassen: Um Punkt Mitternacht brennen alle ihre Raketen und Vulkane ab. Zehn Minuten später dran sein, macht aber gar nichts – vor allem, wenn man dafür entspannter ist. Denn das Wichtigste ist ja: Man sollte es genießen können.

Feuerwerkskörper: Die Physik und Chemie dahinter

Im Grunde funktioniert eine Silvesterrakete wie eine Rakete, die ins All fliegt: Wenn der Treibstoff (Schwarzpulver) im Motor (Pappröhre) explodiert, treibt das die Rakete nach oben. Dem Schwarzpulver werden meist noch Titanpartikel oder Eisenspäne beigemengt, die einen schönen Funkenschweif ergeben.

Am höchsten Punkt (zwischen 50 und 100 Metern) entfacht die Lunte im Inneren die Zerlegeladung: Sie entzündet und verteilt die Leuchtsterne. Eine Kombination aus Papp- oder Plastikhalbschalen und Leuchtsubstanzen malt dann Formen in den Himmel.

Die Farben kommen zustande durch verschiedene Metallsalze: So färben Bariumsalze die Sterne grün, Strontiumsalze rot und Kupfer zaubert Blau. Oxidationsmittel steuern mit einer Düse am Ende der Pappröhre das langsame Abbrennen des Schwarzpulvers – damit das Feuerwerk länger leuchtet.

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