Ein Brief an Angela Merkel Der Bund ist in der Pflicht

Andreas Beck hat mit über 20 weiteren Intendanten einen Brief an die Kanzlerin geschrieben. Foto: Lucia Hunziker

Deutsche Intendanten fürchten, dass Länder und Kommunen wegen wegbrechender Steuereinnahmen künftig an der Kultur sparen könnten

 

Über 20 Intendanten und Schauspieldirektoren von deutschen Theatern haben in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel anteilige Bundesmittel gefordert, damit Kommunen künftig trotz der Corona-Krise nicht an der Kultur sparen. Vielen Theatern und Künstlern „steht das Wasser bis zum Hals, sowohl kurzfristig als auch und vor allem in der weiteren Perspektive“, hieß es in dem am Donnerstag veröffentlichten Schreiben.

„Wir möchten die Theater wieder aufmachen dürfen, wir möchten arbeiten und spielen und wieder für die Stadtgesellschaft da sein!“, so der Intendant des Hamburger Thalia-Theaters, Joachim Lux, stellvertretend für 22 weitere große Häuser. Um die Zukunft der kleinen und großen Theater, der Künstler und der internationalen Zusammenarbeit zu sichern, sei nun der Bund in der Pflicht.

Die Intendanten großer Häuser, darunter auch Andreas Beck vom Bayerischen Staatsschauspiel und die designierte Kammerspiele-Chefin Barbara Mundel regen in dem Schreiben zum Erhalt der Kultur an, „Bundeshilfen für die Kommunen nach dem bereits existierenden und bewährten Modell komplementärer Finanzierung zu gestalten“. Dabei müsse sich der Bund zu einem bestimmten Prozentsatz beteiligen und Kommunen und Länder würden sich gleichzeitig zu einem sie nicht überfordernden Restbetrag verpflichten.

Den Austausch nicht abbrechen

„Mindestens aber müssten sich die Kommunen beziehungsweise Länder verpflichten, von Sparmaßnahmen an der Kultur abzusehen – auch von indirekten.“ Das könnte beispielsweise ein Nichtausgleich von Tariferhöhungen sein. Ein solches oder ähnliches Paket müsse schnell auf die Beine gestellt werden, „denn die nächsten Haushalte und Doppelhaushalte stehen vor der Tür“.

Zudem wünschen sich die Theatermacher zusätzliche und besondere Förderinstrumente, um den internationalen Austausch der europäischen Theater nicht abbrechen zu lassen. Eine dritte Forderung dreht sich um Einzelkünstlerinnen und Einzelkünstler, bei denen die Corona-Mittel nicht ausreichend ankommen würden. Viele von ihnen würden in Wohngemeinschaften leben und damit durchs Förderraster fallen, weil ihre Mitbewohner im Zweifel für die Bedürftigen aufkommen sollen. „Das ist außerordentlich konfliktträchtig und wird von vielen als demütigend und würdelos empfunden.“

Bereits bewilligte Mittel kämen nicht hinreichend bei den Freiberuflern an. „Wir möchten uns sehr entschieden für diese Berufsgruppe einsetzen, die uns in der Arbeit sehr nahesteht und die für unsere demokratische Gesellschaft von großer Bedeutung ist. Der Erhalt ihrer Existenz ist für uns alle lebensnotwendig! Hier wäre unseres Erachtens der Arbeitsminister gefragt.“

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