Eigenes Baby zu Tode geschüttelt? Frau nimmt vor Gericht ihren angeklagten Mann in Schutz

Paolo H. mit seinen Anwälten vor Gericht in München. Foto: jot

Der angeklagter Vater (32) des zu Tode geschüttelten Babys rief: "Atme, atme!E. Seine Frau (29) glaubt an seine Unschuld.

 

München - Carolina T. (29, Namen geändert) hält eine Puppe im Arm. Den Kopf hat sie in die Ellenbeuge gelegt. So habe ihr Mann die gemeinsame Tochter Francesca im Arm gehabt, als er mit dem Kind aus dem Wohnzimmer kam.

Die ungewöhnliche Puppen-Demonstration ist Teil des Prozesses um den Tod des kleinen Mädchens, das gerade einmal fünf Wochen auf der Welt war, bevor es sterben musste. Staatsanwalt Laurent Lafleur geht von Mord aus. Hilfskoch Paolo H. (32) sei am 22. Oktober 2017 von der Situation mit dem schreienden Kind überfordert gewesen und habe das Baby in der Großhaderner Wohnung der kleinen Familie geschüttelt, damit es endlich Ruhe gebe. Das sei heimtückisch gewesen, weil die schützende Mutter sich in diesem Moment im Bad befand.

Die Mutter versucht, ihr bewusstloses Kind mit Wasser wachzubekommen

Von dort hörte Carolina T. nach eigener Aussage wie ihr Mann "Atme, atme!" rief. Er sei mit dem Kind auf dem Arm in die Küche gegangen, berichtet sie im Zeugenstand und habe versucht, dass bewusstlose Wesen mit Wasser im Gesicht wachzubekommen. Ihr Mann habe ihr gesagt, die Kleine habe einfach aufgehört zu atmen. Sie habe die Rettungskräfte gerufen, die in Minutenschnelle da waren und die Wiederbelebungsversuche übernahmen.

Mit Erfolg, berichtete ein Rettungsassistent am Donnerstag. Das Kind hatte wieder einen eigenen Herzschlag und konnte so ins Krankenhaus gebracht werden. Doch trotz aller Bemühungen starb das Kind dort. Die Eltern hatten nach der Information durch die Ärzte gemeinsam entschieden, dass Francescas kleines Herz selber entscheiden müsse, ob es leben kann oder nicht. Die lebenserhaltenden Maschinen wurden abgestellt.

Der angeklagte Vater schweigt vor Gericht zunächst

Der Vater will zunächst nichts zu den Tatvorwürfen sagen. Der Angeklagte sei nicht schuldig, erklären aber seine Anwälte Peter Guttmann und Antonio Agosta. Sie sprechen von "Missverständnissen, falschen Wahrnehmungen, Interpretationen". So könnten die todbringenden Verletzungen auch zu einem anderen Zeitpunkt entstanden sein.

Bereits jetzt ist abzusehen, dass medizinische Gutachten den Prozessausgang bestimmen werden. Auf die Frage des Vorsitzenden Richters Michael Höhne, was er tun werde, wenn er denn wieder auf freien Fuß kommt, erklärt der Angeklagte: "Ich werde zum Friedhof gehen und dann werde ich eine bestimmte Zeit dort bleiben. Dann werde ich zu meiner Frau gehen, wir werden irgendwo zwei Wochen zusammen sein – in Stille, um zu reden."

Die Mutter hält ihren Mann für unschuldig

Carolina T. bezeichnet ihren Mann als "fürsorglich, achtsam, sehr vorsichtig im Umgang mit der Kleinen aus Angst, ihr wehzutun". Sie glaubt an seine Unschuld: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass er sowas gemacht haben soll."

"Ich denke jeden Tag an meine Tochter", sagt Carolina T. und muss dann doch einmal aufschluchzen. Zu diesem Zeitpunkt hat die tapfere Frau bereits zwei Stunden Vernehmung hinter sich. Richter Höhne zollt ihr dafür Respekt: Wie sie aufgetreten ist, sei "bewundernswert".

 

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