Ehrenmord gescheitert Mann engagiert Killer für seine Schwester: Auftakt in Prozessserie

Mehrere Familienmitglieder angeklagt: Der Prozess um den versuchten Ehrenmord hat in Nürnberg begonnen. (Symbolbild) Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa

Weil ein Mädchen den von ihrer Familie Auserwählten nicht heiraten will, engagiert ihr Bruder einen Killer. Nun beginnt der Prozess.

 

Sie haben Krieg und Terror hinter sich gelassen, aber ihr archaisches Gedankengut brachten sie mit. Für die Mitglieder einer jesidischen Großfamilie aus dem Norden Iraks wurde ein Frontalcrash mit den westlichen Werten daraus. In diesem Fall gibt es nur Verlierer.

Die desaströse Lage, in die sich die Familie nach ihrer Flucht aus dem Krisengebiet manövriert hat, verdeutlicht das Schicksal der jüngsten Tochter (16). Sie lebt an einem geheim gehaltenen Ort unter staatlicher Betreuung, ist nach den Worten ihrer Anwältin schwer traumatisiert und hat Angst vor ihrer Familie.

Bruder wollte Schwester ermorden lassen

Zu den Verantwortlichen für ihren Zustand gehört den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zufolge ihr ältester Bruder (28). Er steht ab Donnerstag als Angeklagter vor dem Landgericht Nürnberg, weil er der Anklage zufolge die vermeintlich verletzte Ehre der Familie wieder herstellen wollte – mit einem Mord. Im Hauptbahnhof ging er auf Killersuche für seine Schwester.

Das Mädchen machte er den Behördenerkenntnissen zufolge für das beschädigte Image der Familie verantwortlich. Es hatte sich geweigert, einen ihm bis dahin unbekannten Cousin zu heiraten, den die beiden Familienoberhäupter ausgewählt hatten. Auch Einschüchterungen, Drohungen, Ohrfeigen und regelrechte Prügel durch verschiedene Familienmitglieder änderten daran nichts.

Killer meldet sich bei Polizei

Der "Killer", den der Bruder im Hauptbahnhof auftrieb und der sich bereiterklärt hatte, das Mädchen umzubringen, sorgte schließlich für ein Ende des Martyriums. Er bekam kalte Füße und ging zur Polizei.

Das Ergebnis der Ermittlungen, die daraufhin einsetzten, waren Haftbefehle gegen den Bruder, den Cousin, den Vater und den Schwiegervater in spe, Strafbefehle gegen mehrere weibliche Mitglieder der Familie, eine regelrechte Prozessserie. Der auserwählte Cousin auf vermeintlichen Freiersfüßen stand bereits vor Gericht und kam mit einem blauen Auge davon. Die Staatsanwaltschaft hatte ihn auch wegen Vergewaltigung des Mädchens angeklagt, verurteilt wurde er jedoch nur wegen Gewalttätigkeiten zu einer Geldstrafe von vier Monatsgehältern.

Mehrere Familienmitglieder angeklagt

Die Eltern des Auftraggebers stehen bereits seit Mittwoch vor Gericht. Ihnen wirft die Staatsanwaltschaft vorsätzliche Körperverletzung beziehungsweise Beihilfe dazu und die Anbahnung einer Zwangsehe mit einer Minderjährigen vor.

Auf eine öffentliche Verhandlung lässt es auch die geplante Schwiegermutter ankommen. Sie hat gegen einen Strafbefehl Einspruch eingelegt. Dieser Prozess findet Mitte Februar statt.

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